Mittwoch, 23.10.2019

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Echtes Engagement gegen Insektensterben

Landwirt aus Bräuningshof sieht nicht nur Bauern, sondern alle Bürger in der Pflicht - 25.06.2019 11:00 Uhr

Blumen in ihrer ganzen Vielfalt sind auf dem ganzen Bauernhof des Bräuningshofer Landwirts Clemens Schmitt zu finden. © Heinz Reiß


Landwirt Clemens Schmitt hat es momentan nicht leicht. "Seit dem Volksbegehren zum Artenschutz ("Rettet die Bienen")", sagt Clemens, "gibt man uns Bauern die Schuld am Insektensterben, und das wurmt mich kolossal."

Und er fährt fort: " Ich liebe nicht nur meine Tiere im Stall, ich liebe die Natur und alles, was damit zusammenhängt, denn es ist mein Leben, es ist mein Arbeitsplatz. Was hätte ich denn davon, wenn auf meinen Flächen kein Insekt mehr fliegt und kein Vogel mehr zwitschern würde?"

Die Schuldzuweisung, welche er zu spüren vermeint, möchte Clemens Schmitt einmal richtigstellen und fängt bei seinen Maßnahmen an: "All meine landwirtschaftlichen Flächen werden im gesamten Umfang vom Maschinenring mit einem drei Meter breiten Blühstreifen versehen. Das sind bei meinem Betrieb 10 000 Quadratmeter blühende Insektenweidemischungen. Bei einem Preis von 15 Cent/Quadratmeter sind das rund 1500 Euro." Rechne er den Ertragsverlust hinzu, komme er auf rund 3000 Euro im Jahr.

Auf seine Wiesen, so Schmitt, komme kein Dünger, kein Pflanzenschutzmittel, und er mähe das Gras erst Ende Juni, sodass sich die Pflanzen durch ihre eigene Saat von selbst erholen können. "Wir sind", sprudelt es aus ihm heraus, "ein umweltbewusster Berufsstand".

Bienen freuen sich über blühende Gärten, Insekten freuen sich über unaufgeräumte Schuppen, wenig künstliches Licht, die Vögel freuen sich über eine Vielzahl an Nahrungsangeboten, aber nicht nur im landwirtschaftlich genutzten Umfeld, sondern auch in der Umgebung von Wohnsiedlungen. Schmitt meint: "Retten wir also alle die Bienen mit echter Handlung aller Bürger".

Auch der Bubenreuther Bürgermeister Norbert Stumpf (CSU) bestätigt: "Ein Kreuz auf dem Stimmzettel ist leicht gemacht, aber wir müssen auch im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht für die Sicherheit unserer Mitbewohner sorgen, und dafür fehlt leider manchmal die Akzeptanz des Bürgers. Anwohner unserer größeren Plätze fordern, diese regelmäßig zu mähen, damit die Kinder dort spielen können."

Der Grünflächenpflege-Plan der Gemeinde entspreche den neuen Anforderungen, durch eine geänderte Mahdfolge "wollen wir in unserem Gemeindegebiet die biologische Vielfalt sowohl hinsichtlich der Pflanzen- als auch der Tierarten fördern", sagt Stumpf. Dies stoße aber auch auf Unverständnis. Die Gemeinde habe z. B. immer zur Bubenreuther Kirchweih den Rasen des Mörsbergeigartens gemäht, um ein sauberes, festliches Ortsbild abzugeben. In diesem Jahr wird er erst später gemäht.

Der Eichenplatz sei trotzdem gemäht worden, weil sich während der Erlanger Bergkirchweih sehr viele Jugendliche dort treffen; "und wir haben die größten Probleme, den Platz im nicht gemähten Zustand wieder sauber zu bekommen."

Ebenso müsse die Gemeinde ihre Hochwassergräben einschließlich der Ränder regelmäßig pflegen, da sie sonst ihre Aufgabe nicht erfüllen könnten. "Ich würde mir wünschen, dass die Bürger auch in ihren Gärten Grün- und Blühflächen für die Insekten schaffen." Naturschutz funktioniere nur, wenn alle mitmachten.

HEINZ REISS

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