Coronavirus

Eigenes Testzentrum für den Entlas-Keller in Erlangen

22.5.2021, 20:31 Uhr
Seit Freitagmorgen vor Pfingsten im Einsatz: Das neue Schnelltestzentrum am Fuße des Entlas Kellers. 

Seit Freitagmorgen vor Pfingsten im Einsatz: Das neue Schnelltestzentrum am Fuße des Entlas Kellers.  © Christoph Benesch, NN

Eine Punktlandung war die Öffnung der Biergärten in der Corona-Pandemie am 10. Mai: Die Sonne schien von einem knallblauen Himmel, als neben der Außengastronomie auch die ersten Bierkeller und Biergärten wieder öffnen durften. Das mit heiß gestrickter Nadel: Kaum jemand hatte damit gerechnet, plötzlich wieder öffnen zu dürfen. Einen großen Teil der Kunden zog auch der Entlas-Keller auf dem Bergkirchweihgelände traditionsgemäß an -hier verkauft Betreiber Vincenz Schiller unter anderem sein selbst gebrautes Bier, das viele, die hier oben unter den schattigen Bäumen auf den Bierbänken einkehrten, besonders genossen.

QR-Code zur Nachverfolgung

Wer Platz auf einer der Bänke nimmt, muss hier den QR-Code mit dem Handy scannen und seine Daten hinterlassen - zum Zwecke der Nachverfolgbarkeit im Falle eines Corona-Ausbruchs. "Unser System ist bekannt und etabliert, man scannt den QR-Code und trägt seinen Namen ein", erinnerte auch Schiller und appellierte an die Gäste, sich an die Regeln zu halten für einen sorglosen Besuch auf seinem Keller.

Weil aber nicht alle dies taten und teilweise auch Gäste die Voraussetzung für einen Sitzplatz nicht erfüllten - laut Hygieneschutzgesetz dürfen maximal zwei Haushalte an einem Tisch Platz nehmen - rief dies das Ordnungsamt der Stadt auf den Plan. Mehrere Gäste hatten zudem feiernde Jugendliche beobachtet und auch Biergartenfreunde, die durch die Flatterband-Absperrungen der anliegenden Keller schlüpften, um einen Platz auf dem städtischen, gesperrten Teil der Bergkirchweihanlage zu ergattern.

"Lediglich beobachtend unterwegs"

Diese um ihre Gesundheit besorgten Personen meldeten sich bei der Stadt und auch bei unserer Redaktion. Eine Nachfrage bei der Stadt ergab in der Folge, dass in den ersten Wochen nach Öffnung der Biergärten Kontrollen gar nicht stattfinden: "Polizei und Ordnungsbehörde waren in erster Linie beobachtend unterwegs. Der Schwerpunkt der Ordnungsbehörde wird in dieser Woche vor allem auf der Beratung liegen", so ein Sprecher. Die Ordnungsbehörde wolle "die Erfahrungen erst einmal auswerten, noch einmal auf die Gastronomen zugehen, Nachbesserungen anregen und an einzelnen Stellen auch für mehr Klarheit bei den Regeln sorgen." So unter anderem auch beim Entlas Keller, dessen Betreiber zugibt:
"Wir haben das Personal gar nicht, jeden Impfpass oder Schnelltest zu kontrollieren."

Vor dem Pfingstwochenende nun fanden intensive Gespräch zur Nachbesserung beim Hygienekonzept und zu dessen konsequenter Umsetzung statt, so die Stadt auf neuerliche Anfrage. "Soweit vorgeschrieben wird nun von den Gästen ein negatives Testergebnis in Bezug auf das Coronavirus verlangt." Einen besonderen Service für seine Gäste hat Vincenz Schiller nun am Fuße seines Kellers einrichten lassen: Dort, wo die ehemalige Tankstelle in der Bayreuther Straße steht und vor allem als Lagerplatz für den Entlas Keller dient, hat nun ein Schnelltestzentrum seine Zelte aufgeschlagen. Alexander Benedikt und Daniel Gürtler sind die Betreiber, die schon zwei Schnellteststraßen in Herzogenaurach (Schützengraben) und in der Erlanger Schornbaumstraße, Nahe der Polizei, aufgebaut haben.

Mit heißer Nadel gestrickt

"Am Donnerstagabend haben wir uns unterhalten, am Freitag den Aufbau begonnen", sagt Benedikt. Zwei Zelte, eigens noch schnell aus Anzing geholt, stehen nun also auf dem Weg Richtung Hintereingang des Entlas Kellers. "Wir bieten hier die doppelte Kapazität an", sagt Benedikt weiter. Bedeutet: Anstelle von einem Administrator und einem Tester, wie an den übrigen Stationen, sitzen am Fuße des Entlas Kellers vier bis sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Testergebnis des Nasenrachenabstrichs wird binnen 15 Minuten per Ausdruck oder aufs Handy versprochen. "Wir können so am Tag bis zu 800 Personen vor Ort testen."

Eine Terminauswahl, wie an den beiden andren Standorten, die als Drive-in-System funktionieren, ist am Fuße des Entlas Kellers jedoch nicht möglich. Hier setzt man auf Fußvolk, das auf dem Weg zum Biergarten kurz durch die Teststraße läuft. "Auch am Wochenende nach Pfingsten sind wir auf jeden Fall noch von Freitagabend bis Sonntagabend da. Danach müssen wir sehen, wie gut das Angebot angenommen wurde", sagt Benedikt. Stand Freitagnachmittag waren schon über 120 Personen so mit Negativtests auf den Keller geschickt worden.

Stadt begrüßt die Testmöglichkeit

"Bei der Einrichtung des Schnelltestzentrums handelt es sich um keine Auflage, wir begrüßen solche Möglichkeiten aber ausdrücklich", teilt die Stadt in einer Stellungnahme weiter mit. "Je mehr getestet wird, umso besser ist es."

Auch deshalb, weil die Ordnungsbehörde ihre anfängliche Zurückhaltung nun aufgegeben hat: "Die Corona-Auflagen für die Gastronomie im gesamten Stadtgebiet werden kontrolliert. Verstöße sind sowohl für die Gastronomen als auch die Gäste bußgeldbewehrt", schreibt sie.

Alexander Benedikt und Daniel Gürtler sind indessen gern auch zur Zusammenarbeit mit weiteren Partnern bereit, sagen sie - neben der Spielvereinigung Erlangen betreuen sich mit Schnelltest-Stationen auf dem Vereinsgelände auch noch den Turnerbund 88 Erlangen. "Unser Ziel ist es dort, Menschen vor dem Kontaktsport im Freien die Sicherheit zu geben, dass sie sich nicht anstecken können", sagt Alexander Benedikt.