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Ein Erlanger Pionier der Elektro-Mobilität

Der Physikprofessor Martin Hundhausen fährt seit über 15 Jahren E-Autos - 26.01.2017 12:00 Uhr

Der Physikprofessor Martin Hundhausen würde sein Elektro-Auto gerne, wie es unser Bild andeutet, direkt am Arbeitsplatz auf dem Südgelände aufladen. Das ist aber bisher nicht möglich. © Harald Sippel


Wenn Martin Hundhausen heutzutage mit seinem Elektroauto, einem Twike.you, durch die Stadt fährt, zieht er noch immer so manchen Blick auf sich. Er werde nach wie vor bisweilen belächelt, erzählt der Professor für Laserphysik an der Friedrich-Alexander-Universität. Für viele komme so ein Gefährt nicht in Frage, sagt Hundhausen, der bei der Elektromobilität zu den Pionieren gehört.

Schon im Jahr 2001 hatte der Hochschullehrer sein erstes Elektroauto angemeldet. Damals, erzählt er, habe man Fahrzeuge, die mit Strom betrieben werden, in Erlangen an einer Hand abzählen können. Heute sind es immerhin 59 Pkw (siehe auch Text links).

Angst vor Unfällen hat er nie empfunden. „Die Autos sind sehr leicht und sehr stabil“. Bei diesen Fahrzeugen brauche man keine Knautschzonen wie bei einem „dicken SUV“.

Der Trend hin zu immer schneller und größeren Wagen hält der 59-Jährige ohnehin allein schon wegen der klimaschädlichen Abgase und der fossilen, also endlichen Brennstoffe, für eine völlig falsche Entwicklung. „Die kleinen Autos sind viel sparsamer als die großen Kisten, mit denen heute leider immer noch viele herumfahren“, betont er. 85 km/h sind aus seiner Sicht für die meisten Fahrten völlig ausreichend.

Ungewohnt war das Fahrgefühl in den Elektroautos für ihn nie. Ein wenig, sagt der Hobby-Segelflieger, erinnert ihn das Auto an die Flugzeuge ohne Motor. „Mit der großen Haube sieht man viel, das ist ein schöner Ausblick.“

Gleich in der Anfangszeit ist Hundhausen vor mehr als 15 Jahren mit dem Auto in den Urlaub nach Norwegen gefahren. Zwei Wochen waren Hundhausen und seine Tochter Anfang der 2000er Jahre damals mit dem neuen Auto unterwegs, ohne auch nur ein einziges Problem. Zwar habe es damals, etwa bei den Ladestationen, noch nicht die Infrastruktur gegeben wie heute, aber auch das konnte Hundhausen regeln. „Ich habe das Auto eben an normalen Steckdosen während eines Besuches im Restaurant geladen“, erzählt er. Das habe immer funktioniert.

Inzwischen gibt es an vielen Tankstellen (Schnell)Ladestationen. Das erleichtere vieles. Zudem hat sich die Familie Hundhausen heutzutage für weitere Strecken ein etwas moderneres Elektroauto zugelegt, einen VW „E up“ mit vier (statt zwei) Sitzen und einer größeren Reichweite. 25 000 Euro (bzw. abzüglich der 4000 Euro Anschaffungsprämie 21 000 Euro) hat der Volkswagen gekostet.

Für Hundhausen ist das aber immer noch zu viel. „Wenn die Industrie diese Autos irgendwann serienmäßig produziert, müssten die Fahrzeuge viel billiger sein als fossil betriebene Fahrzeuge“, erläutert der Physikprofessor. Schließlich seien Ausstattung und Motor in der Herstellung bei weitem nicht so teuer wie bei konventionellen Autos.

Seinem eher schlichteren Modell Twike.you aber bleibt der Professor treu. Seit acht Jahren nun hat er das kleine weiße Gefährt, das er beispielsweise für den täglichen Weg zwischen seinem Wohnort in Büchenbach und der Arbeitsstelle auf dem Erlanger Südgelände der Universität oder zu Terminen nach Nürnberg nutzt.

Seine eigene Tankstelle hat Hundhausen, der auch Vorsitzender des Vereins Sonnenenergie ist und die Photovoltaik in Erlangen in der Vergangenheit weit vorangebracht hat, direkt vor Ort.

Hundhausen nämlich lädt sein Elektrofahrzeug zu Hause an der Steckdose auf. Sein Haus hat bereits seit dem Jahr 2000 eine Solaranlage und er produziert damit jährlich 3300 kWh Solarstrom. Das ist deutlich mehr als der jährliche Stromverbrauch von 1800kWh, den das Haus hat — dabei ist auch der Strom des Elektrofahrzeugs enthalten.

Praktisch und sinnvoll, sagt Hundhausen, wäre es, wenn er auch an seinem Arbeitsplatz sein Auto aufladen könnte. Das aber ist derzeit (noch) nicht möglich. „Vielleicht aber ändert sich das noch“, meint er zuversichtlich.

Denn seit seinem ersten Elektro-Auto hat sich doch schon einiges geändert — auch durch Hundhausens langjähriges Engagement. Als besonders weitsichtig möchte er sich selbst aber deshalb noch lange nicht bezeichnen.

Dazu ist er zu bescheiden. „Ich war einfach der Überzeugung, dass fossile Brennstoffe endlich sind und wird deshalb gerade beim Verkehr umdenken müssen.“ 

SHARON CHAFFIN

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