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Sonntag, 20.09.2020

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Ein neuer Zaun für Erlangens jüdischen Friedhof

Die Jüdische Kultusgemeinde Erlangen freut sich über die finanzielle Zusage, doch ein Problem bleibt weiterhin. - 15.08.2020 06:00 Uhr

Der Jüdische Friedhof in Erlangen wurde vor vier Jahren 125 Jahre alt. Damals wurden der Friedhof und auch das Taharahaus renoviert. Nun bekommt der Friedhof einen dringend benötigten neuen Zaun.

© Horst Linke


Das Projekt "Zaun" hat lange gedauert, erzählt die Vorsitzende Ester Limburg-Klaus, über drei Jahre zogen sich die Suche nach Geldgebern und Vor-Ort-Begutachtungen hin. "Es war eine schwierige Sache", sagt sie — und ist über die von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei einem Rundgang über den Friedhof kürzlich verkündete Lösung überaus glücklich: Ende Juli hatte der in Erlangen lebende CSU-Politiker den Bau einer neuen Umzäunung zugesagt.

Demnach wird der Freistaat den Großteil der mit rund 51 000 Euro veranschlagten Kosten übernehmen. Die Stadt Erlangen sowie der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinde haben eine Beteiligung in Höhe von jeweils 10 000 Euro in Aussicht gestellt. "Den Rest übernehmen wir", sicherte Herrmann damals zu.

Die JKG-Vorsitzende Ester Limburg-Klaus, die bei dem Rundgang mit Herrmann anwesend war, wurde von dieser Ankündigung doch überrascht. "Wir atmen jetzt auf", sagt sie, "das war für uns eine sehr positive Neuigkeit". Mit Herrmann verbindet die Gemeinde ein gutes Verhältnis: "Er ist uns schon sehr gut gesonnen, er hat uns schon einige Mal besucht, wir haben ihn eingeladen und ihm unsere Probleme dargestellt", erzählt Limburg-Klaus. 

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Erlangen: Jüdische Gemeinde restauriert ihr Taharahaus

Noch türmen sich Schuttberge an allen Ecken und Enden, alte Kabel hängen lose aus den Wänden: Das traditionsreiche Taharahaus hinter dem Erlanger Burgberg wird derzeit generalüberholt. Noch in diesem Jahr soll das Gebäude, in dem die Leichenwaschung von verstorbenen Juden vor der Bestattung stattfindet, wieder eingeweiht werden. Diesen Termin wünscht sich die Jüdische Kultusgemeinde Erlangen. Denn im September 2016 wird der jüdische Friedhof 125 Jahre alt.


Dieser Kontakt ist dem Minister wichtig, wie er den EN auf Anfrage sagt. "Dank jüdischer Gemeinden wie hier in Erlangen ist die jüdische Kultur bei uns wieder fest verwurzelt und ein unverzichtbarer Teil unseres Landes". Das sei ein außerordentlich kostbares Geschenk und angesichts unserer deutschen Geschichte alles andere als selbstverständlich. "Daher bin in um jeden Austausch mit der Jüdischen Gemeinde in Erlangen dankbar und möchte den hervorragenden Dialog unbedingt ausbauen", betont er. Der bestmögliche Schutz jüdischen Lebens und jüdischer Einrichtung habe mit Blick auf den wieder zunehmenden Antisemitismus hier und im Rest Bayerns Priorität.

Der Friedhofszaun trägt dazu bei. Dass er nun erneuert wird, ist längst überfällig. Immer wieder wurde er in der Vergangenheit von herabfallenden Ästen beschädigt. Einige Pfosten sind umgefallen, sie werden nur noch von einem Gitter gehalten, andere sind sehr brüchig. "Der Maschendraht ist sehr alt", sagt Limburg-Klaus, "an einigen Stellen sind sogar Löcher drin". Im Zug der Bauarbeiten wird auch das Tor "wieder schön gemacht", sagt sie, "das passt dann sehr gut zum Gesamtbild."

Friedhofsschändungen gab es in Erlangen auch trotz des alten Zauns noch nicht, sagt Limburg-Klaus. Aber natürlich vermittle ein neuer Zaun den Friedhofsbesuchern etwas mehr Sicherheit. Zudem werde der Zaun später mit einer Kamera überwacht.

Mit Hinterbliebenen zum Grab

Kantor Yonatan Amrani, der manche Hinterbliebene zum Grab auf dem Friedhof begleitet, kann sich ebenfalls vorstellen, dass sich diese mit einem neuen Zaun sicherer fühlten. Er, der schon in der von Israelis und Palästinensern umkämpften Stadt Hebron gelebt hat, will sich nicht von Angst beherrschen lassen. "Wenn ich auf den Friedhof kommen, denke ich nicht an Bedrohung."

Dass aber nun durch antisemitische Anschläge, wie etwa den Terroranschlag von Halle im Oktober 2019 überhaupt verstärkter Schutz für jüdische Einrichtungen in Deutschland nötig ist, findet er schlimm. Vom gemeinsamen Feiern und Beten aber lassen er sich und seine Gemeinde nicht abhalten. Auch in Corona-Zeiten kommen sie nun wieder mit Maske und unter Einhaltung aller Hygieneauflagen in der Synagoge an der Rathsberger Straße zusammen.

Dort allerdings ist für die Jüdische Kultusgemeinde bereits im Wortsinn die nächste "Baustelle". Noch immer wünschen sich Limburg-Klaus und die Gemeinde eine eigene Immobilie oder auch ein Grundstück. Sicherheitstechnisch müsste das Haus dringend nachgerüstet werden, es bräuchte mindestens ebenfalls einen Zaun. Die Gemeinde würde das Gebäude gerne kaufen, doch der Besitzer will es behalten. Daher sucht die Gemeinde weiter — bisher ohne Erfolg.

Nicht gescheitert aber war die Renovierung und Sanierung des Jüdischen Friedhofs 2016. Pünktlich zu seinem 125. Geburtstag wurden er und das Taharahaus, also das Gebäude, in dem die Leichenwaschung (Tahara) stattfindet, von Grund auf überholt. "Wenn wir jetzt noch den neuen Zaun bekommen, dann sind die Arbeiten dort alle erledigt, das ist dann endlich der Schlusspunkt", sagt Ester Limburg-Klaus erleichtert.

SHARON CHAFFIN

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