Dienstag, 27.10.2020

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Ein Präriebeet in Möhrendorf

Sabine van Osenbrüggen schuf in mühsamer Kleinarbeit ein blühendes Paradies für Menschen und Insekten. - 07.08.2020 18:28 Uhr

Die blauen Schafe des Künstlers Rainer Bonk mussten auf einen Weg umziehen, damit sie nicht zuwuchern.

© Foto: Klaus-Dieter Schreiter


Im rund 300 Quadratmeter großen Garten von Sabine van Osenbrüggen summt und brummt es in einem Maße, wie man es heutzutage, wo das Insektensterben grassiert, nur noch selten erlebt. Überall in den vielen Blüten tummeln sich Hummeln, Bienen, Wespen, sogar Holz- sowie die sogenannten Wollbienen. "Leider haben wir hier nur wenige Schmetterlinge", sagt die Hobbygärtnerin, und ergänzt strahlend: "Mein Garten ist mein Fitnessstudio, meine Entspannung und Meditation, einfach ein ganz tolles Hobby".

Im Jahre 2017 ist Sabine van Osenbrüggen von Kleinseebach in den Ortskern von Möhrendorf gezogen, hat damals auch ihren gesamten Garten mit umgezogen und mit Hilfe eines örtlichen Gartenbauers ein ziemlich großes "Präriebeet" angelegt. Die Pflanzen darauf sind so gezüchtet, dass sie wenig Wasser benötigen. "Wenn sie einmal eingewachsen sind, sollen sie nicht gegossen werden", sagt van Osenbrüggen, ergänzt aber, dass das Gärtnerherz zwar sagen würde "ich glaube, da müssen doch mal ein paar Tropfen Wasser hin". Aber das müsse wirklich nicht sein. Die Pflanzen, die auf dem Präriebeet prächtig gedeihen, kommen von einer Gärtnerei aus Kitzingen, wo sie auf trockenem Areal gezogen wurden. Sie kennen also die Trockenheit. Auch ohne Bewässerung ist alles in den letzten drei Jahren "etwas größer" geworden. Man kann aber auch sagen: "In die Höhe geschossen". Und zwar nur mit Erlanger Kompost, ganz ohne künstlichen Dünger. Alles ist sogar so groß geworden, dass die "Blauschäferei" des Künstlers Rainer Bonk – das sind blaue fast lebensgroße Schafe – auf einen Weg umziehen musste, sonst wäre sie zugewuchert.

Hauptsächlich stehen dort Gräser, die sonnenliebenden Sonnenhüte und Sonnenbräute, Kokardenblumen und die Edeldistel. "Auf der landen auch schon mal die Stieglitze, um sich Samen zu stibitzen", freut sich van Osenbrüggen. Überhaupt hat sie neben den vielen Insekten allerhand gefiederte Freunde im Garten, die sich ihre Leckerchen holen. Sie sammeln sogar die Blattläuse von den Rosen ab. Und manchmal kommen auch Nachbars Hühner rüber. Die Gräser, erzählt die Hobbygärtnerin stolz, würden bis spät in den Oktober hinein blühen, und die Chrysanthemen und Herbstanemonen sogar bis in den November hinein. "Wir haben den ganzen Winter über eine Struktur im Beet, wo dann der Raureif so schön drauf liegt".

Der Klimawandel macht einigen Pflanzen im Garten allerdings arg zu schaffen. "Ich habe jetzt schon festgestellt, dass die Hortensien aufgrund des Sandbodens, der Hitze und des Winds einfach zu sehr leiden. Die muss man jeden Tag gießen". Auch die Zaubernuss "mickert" vor sich hin, leidet extrem unter dem Klima. "Ich habe darum Pflanzen wie die Storchschnäbel gepflanzt, die trockenheitsverträglich sind. Dazu Lavendel und Heiligenkraut, die sind auch hart im Nehmen. Ölweiden sollen auch sehr robust sein, die habe ich ebenfalls wegen des Klimawandels gepflanzt".

Genießt ihren vielgestaltigen Garten in Möhrendorf: Sabine van Osenbrüggen inmitten ihrer blühenden Pracht.

© Foto: Klaus-Dieter Schreiter


hr Gartenwissen teilt die Hobbygärtnerin interessierten Menschen in einem Gartenblog (www.gartenhygge.de) mit. Zudem schreibt sie mit zwei Mädels an einem phänologischen Kalender. Der kennt bekanntlich anstatt der uns geläufigen vier zwischen sieben und zehn Jahreszeiten: Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer und so weiter. Sogenannte "Zeigerpflanzen" im Garten markieren jeweils den Beginn einer neuen Jahresphase. Die Blüte, Fruchtreife, Blattfärbung oder der Blattabwurf von bestimmten Pflanzenarten sind solche "Zeiger", die den Beginn der Jahreszeiten markieren. "Wenn ich wissen will, ob ich Rosen schneiden kann oder noch nicht, dann schaue ich zur Forsythie, die weiß, wann der Winter vorbei ist." Ansonsten sitzt Sabine van Osenbrüggen liebend gern auf der Terrasse, schaut sich den bunt blühenden Garten an, lauscht dem Summen der Insekten, liest ein schönes Gartenbuch. Sie baut aber genauso gerne neue Beete auf. "Im Frühjahr aber juckt es mich dann in den Fingern, besonders wenn die Sonne scheint. Da muss Unkraut gejätet werden."

KLAUS-DIETER SCHREITER

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