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"Eine Generation, die alles nimmt"

Drogensucht: Einrichtungen wie die Laufer Mühle im Landkreis ERH passen Therapien an - 15.08.2019 10:00 Uhr

Bei Partys wie diesen gehören für viele Jugendliche Drogen dazu. Die großen Gefahren, die von den Substanzen ausgehen, werden dabei ignoriert. © Foto: colourbox.de


"Der Einstieg ist heute viel früher und viel brutaler, der Verfall absolut rasant." Die Substanzen, die junge Menschen sich einpfeifen, sind außerdem unberechenbar. Die Therapeuten müssen reagieren.

Für den Raum Erlangen, Herzogenaurach, Fürth und Höchstadt stellen das Klinikum am Europakanal und die Laufer Mühle die Versorgung von schwerstabhängigen Menschen sicher und bieten eine Behandlungskette, die von der qualitativen Entgiftung, Entwöhnung, Therapie, Nachsorge bis zur beruflichen Wiedereingliederung reicht.

Damit die Hilfen ineinandergreifen und die Prozessschritte passgenau aufeinander abgestimmt bleiben, überprüfen die verschiedenen Fachdisziplinen der beiden Kooperationspartner die Wirksamkeit ihrer Angebote.

Aktuell thematisierten die Ärzte, Sozialarbeiter und Psychologen des Bezirksklinikums mit den Therapeuten, Krankenschwestern und Facharbeitern aus der Laufer Mühle die Problematik des schnell anwachsenden Drogenmissbrauchs junger Menschen mit gefährlichen chemischen Substanzen. Diese können problemlos über das sogenannte Darknet frei Haus bestellt werden und haben deswegen mittlerweile eine enorme Verbreitung. "Die Gehirnschädigungen solcher jungen Drogenabhängigen sind gravierend und teilweise irreversibel, was die persönlichen Zukunftschancen enorm einengt und manchmal sogar die beruflichen Aussichten zunichte macht." sagt die leitende Oberärztin Dr. Ute Hamers vom Erlanger Klinikum.

Einig sind sich die Experten in der Bewertung, dass der Drogengebrauch gerade in den sozialen Medien und Foren in erschreckender Weise nicht nur verharmlost, sondern teilweise sogar glorifiziert wird. "Das weckt die Neugierde junger Menschen und führt sie schnurstracks in die Abhängigkeit", sagt Michael Thiem.

Franz Götz, Leiter der Patientenaufnahme in der Laufer Mühle, berichtet, dass auf diese Entwicklung mit neuen Hilfsangeboten für hirnorganisch gestörte junge Suchtabhängige im Therapiezentrum in Adelsdorf seit geraumer Zeit reagiert wird. "Wir arbeiten hier mittlerweile viel niederschwelliger, da das Belastungsniveau dieser Jugendlichen sehr niedrig ist."

Die enge Zusammenarbeit mit dem Erlanger Fachkrankenhaus ermöglicht dabei eine engmaschige medizinisch-psychiatrische Versorgung. Die wird immer häufiger notwendig, da die Wirkungen der neuen Drogen häufig psychotische Episoden auslösen.

"Doppeldiagnosen sind inzwischen die Regel", berichtet Thiem. Selten sei jemand nur suchtkrank, hinzu kämen die Psychosen. Außerdem seien die Patienten und Bewohner inzwischen oft so jung, dass sie in ihrem Leben nie eine Alltagsstruktur erlebt haben und ihnen feste Bindungen und Ziele im Leben fehlen. "Wir müssen hier wirklich mit einer Art Kleinkind-Pädagogik arbeiten." Während der "klassische" Alkoholiker im Alter zwischen 50 und 60 in die Einrichtung gekommen sei, stammen inzwischen die meisten Aufnahmebewerbungen von 18- bis 20-Jährigen. Volljährigkeit ist Voraussetzung, um einen der rund 138 Plätze bei der Laufer Mühle zu bekommen. Rund 85 Prozent der Bewohner sind freiwillig da, die übrigen in der geschlossenen Intensivbetreuung.

Früher habe sich die Sucht langsam gesteigert, berichtet Thiem, der selbst trockener Alkoholiker ist und mit elf Jahren angefangen hatte zu trinken. Wenn jetzt ein Kind mit vielleicht neun Jahren Kräutermischungen im Internet kauft und dann bald an synthetische Drogen gerät, "ist die Sache ganz schnell lebensbedrohlich." Die sozialen Medien wirken als Katalysator, wenn Jugendliche beispielsweise sich selbst filmen, wenn sie auf irgendwelchen Trips sind und zusätzlich Tipps geben zur Dosierung. "Die Neugier war auch früher schon im jungen Alter sehr ausgeprägt, aber die Suchterkrankungen haben sich nicht so rasant entwickelt", sagt Thiem.

  

CLAUDIA FREILINGER

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