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Mittwoch, 26.06.2019

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«Eine gute Sache»

Thorsten Weber und der «DJ-Führerschein» - 31.08.2007

Thorsten Weber legt als «DJ Rewerb» Musik auf. © Erich Malter


Der Bundesverband deutscher Diskotheken und Betreiber hat mit den Gesundheitsbehörden der Länder und der Techniker Krankenkasse den so genannten DJ-Führerschein ins Leben gerufen. In freiwilligen Seminaren sollen DJs über körperliche, technische und rechtliche Aspekte über zu hohe Lautstärken in Diskotheken aufgeklärt werden. Was halten Sie als DJ davon?

Thorsten Weber: An sich halte ich den DJ-Führerschein für eine gute Sache. Im Rahmen dieser Seminare lernt man eine Menge. Zum Beispiel, was im Ohr passiert, während man sehr laute Musik hört, oder welche technischen Gestaltungsmöglichkeiten es gibt, um die Musikqualität zu steigern, ohne sie dabei unnötig laut aufzudrehen.

Wie waren die Reaktionen der Kollegen auf den DJ-Führerschein?

Thorsten Weber: Die meisten DJs, die ich kenne, interessieren sich gar nicht dafür oder machen sich einfach darüber lustig. Insgesamt ist die Resonanz nicht so positiv. Der alleinige Besitz eines solchen Führerscheines macht einen DJ ja noch lange nicht zu einem guten DJ.

Haben Sie selbst den Schein schon erworben?

Thorsten Weber: Nein, noch nicht. Angemeldet bin ich zwar schon länger, aber bisher war noch keine Veranstaltung in der näheren Umgebung. An den Kosten für so ein eintägiges Seminar liegt‘s nicht, die liegen so bei 10 Euro.

Es ist zwar eine persönliche Frage, aber wurden bei Ihnen schon Gehörschäden festgestellt?

Thorsten Weber: Ja. Ich war letztens beim HNO-Arzt und der hat bei mir auf dem linken Ohr einen Hörverlust von minus 20 Dezibel gemessen. Vor allem im Sprachfrequenzbereich zwischen zwei und sechs Kilohertz höre ich nicht mehr so gut. Mein linkes Ohr war schon immer mein «Vorhörohr». Beim Auflegen habe mit dem linken Ohr immer das nächste Lied vorgehört. Früher hatte ich auch noch Kopfhörer, die nicht geschlossen waren, das heißt sie konnten nicht die Außengeräusche filtern, weshalb ich die Musik stärker aufdrehen musste. Jetzt nehme ich geschlossene Kopfhörer her, die koppeln bis zu zehn Dezibel an Außengeräuschen ab.

Warum wird in Diskotheken eigentlich die Musik so laut aufgedreht?

Thorsten Weber: Eine gute Frage! Viele Diskobetreiber lassen voll aufdrehen, weil sie befürchten, dass ihnen bei leiserer Musik die Gäste davonlaufen. Dabei wäre es technisch durchaus möglich, die Klangqualität zu behalten, ohne die Musik dabei lauter aufzudrehen. Zum Beispiel, wenn man über den gesamten Raum verteilt die Boxen aufstellt, statt nur vorne bei der Bühne oder beim DJ-Pult. Denn so müssen nicht die enormen Distanzen bis in den hintersten Winkel durch eine besonders hohe Lautstärke überwunden werden. Allerdings ist eine Frontbeschallung für den Betreiber einfach billiger, da er nicht so viele Boxen aufzustellen braucht. Außerdem klingt bei einer vollen Tanzfläche die Musik einfach gedämpfter, da die vielen Körper bestimmte Frequenzen auslöschen. Aus diesem Grund hat man manchmal das Gefühl, dass die Musik lauter wird, wenn sich die Disko leert. Interview: EMMA HAUER 

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