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Eine Halle voller Freude in Erlangen

Beim Fußballturnier der Lebenshilfe gab es nur Sieger - 22.02.2017 12:00 Uhr

„Sport besitzt eine große Kraft“: Fußball lässt die Spieler ihre Handicaps vergessen. Foto: Hofmann


Jürgen Kaiser strahlt. "Wirklich, hat es wieder gereicht?", fragt er Astrid Bartholomeyczik. Die Veranstalterin des Hallenturniers für Werkstätten der Lebenshilfe nickt und lächelt. Es sind diese Momente, die Bartholomeyczik so liebt: "Jemandem eine Freude zu machen ist das Schönste auf der Welt." Die größte Freude aber, die Qualifikation zum Finalturnier am 18. März am selben Ort, der Uni-Sporthalle in Erlangen, haben sich die Fußballer der Wabe Erlangen, des Vereins zur Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen, dann doch selber bereitet. "Wir hatten es gehofft, immerhin sind wir ja Titelverteidiger", sagt Jürgen Kaiser, der Trainer.

Kaiser ist Gruppenbetreuer in der Einrichtung, in der psychisch kranke Menschen mit viel Liebe und Fürsorge ihrer Betreuer den Alltag meistern. Manche Dinge bleiben dabei manchmal furchtbar schwierig, "beim Fußball merke ich das daran, wenn jemand nicht zum Treffpunkt kommt", sagt Kaiser.

Planen kann er wenig, manchmal fühlen sich seine Spieler nicht in der Lage mitzumachen. "Ansonsten merkt man nicht viel von den Beeinträchtigungen — wir sind eine Mannschaft, wir gewinnen zusammen, verlieren zusammen, schießen Tore und machen auch mal Fehler." Fußball, Sport allgemein, besitzt eine große Kraft, sagt Kaiser.

Er selbst spielte um die Neunziger beim BSC Erlangen Landesligafußball, "das Niveau hier", sagt er, "ist sehr, sehr ordentlich." Alle Altersklassen sind vertreten, 20-Jährige spielen mit 50-Jährigen zusammen, auch eine Frau kickt mit.

Plötzlich schimpft auf der Tribüne ein Torhüter laut über die Schiedsrichter. "Sie sehen: Es ist wie im Amateurfußball", sagt Kaiser und grinst.

"Für mich ist das etwas Besonderes", verrät Alois Albrecht. Er ist einer der drei Schiedsrichter, auch ihn kennt man im Amateurfußball. "Wir pfeifen nicht ganz so streng, versuchen einfühlsamer mit den Spielern zu sprechen. Sonst ist alles wie immer."

Rund 110 Spieler waren für elf Teams im Einsatz. Alle haben körperliche oder geistige Handicaps. Bei der Siegerehrung später strahlen alle, auch Astrid Bartholomeyczik, als sie jedem eine Medaille um den Hals hängen kann. Eine Freude machen, das ist eben immer noch das Schönste auf der Welt.

CHRISTOPH BENESCH

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