Ekstatisch-rauschhafte Musik mit Temperament

21.9.2020, 18:11 Uhr
Ein junger, erfolgreicher Trompeten-Virtuose und ein temperamentvoller Orchesterleiter: Simon Höfele (links), Dirigent Pietari Inkinen und die Deutsche Radio Philharmonie begeisterten in der Ladeshalle das Publikum.

Ein junger, erfolgreicher Trompeten-Virtuose und ein temperamentvoller Orchesterleiter: Simon Höfele (links), Dirigent Pietari Inkinen und die Deutsche Radio Philharmonie begeisterten in der Ladeshalle das Publikum. © Foto: Harald Hofmann

Die Deutsche Radio Philharmonie präsentierte bei ihrem Erlanger Debüt im GVE-Konzert dieses emotionale, subtile und nachdenkliche Klanggebilde in einer Fassung für Streichorchester, die der polnische Dirigent und Komponist Stanislaw Skrowaczewski kreiert hatte. Pietari Inkinen, dem engagierten und einfühlsamen Chefdirigenten des Orchesters, der sich seit langem mit der Musik Richard Wagners, dem von Bruckner bewunderten Zeitgenossen, beschäftigt, gelang es mit seiner präzisen und zugleich inspirierenden Art, sein Publikum für diese musikalische Kostbarkeit zu motivieren. Die beiden lyrischen und expressiven Themen in der Anfangsphase des Satzes und die differenzierte Ausgestaltung dieser unendlichen Melodie in der Durchführung vermittelten die Interpreten auf beeindruckende Weise.

Harmonierender Klangkörper

Im Anschluss daran begleitete dieser auf allen Positionen harmonierende Klangkörper den exzellenten Solisten Simon Höfele bei Joseph Haydns berühmtem und populärem Trompetenkonzert Es-Dur. Das Kaiser-Hymnen-Motiv im Mittelteil findet sich in der deutschen Nationalhymne wieder. Den in Sonatenform komponierten Beginn mit seinen komplizierten Passagen gestaltete dieser junge, inzwischen international erfolgreiche Virtuose höchst wirkungsvoll mit großem Engagement, musikalisch und technisch in gleicher Weise brillant. Sowohl der melodiöse zweite Satz als auch das Rondo-Finale mit seinen rasanten Läufen und Finessen gerieten Höfele – vor allem in den Höhen – vorzüglich. Seine Präsentation dieses Instrumental-Klassikers honorierte das Publikum mit Riesenapplaus.

Im Auftrag des Schweizer Millionärs und Mäzens Paul Sacher komponierte der Ungar Béla Bartók, der zu den führenden Repräsentanten der musikalischen Avantgarde im 20. Jahrhundert gehört, ein Divertimento. Dieses, eher in Form eines aktualisierten italienischen Concerto grosso mit dem rasanten Wechsel von Solo- und Tutti-Passagen, geriet bereits im ersten Satz zu einem aufregenden musikalischen Event.

Mit großer Anteilnahme

Auch hier bewies das gut disponierte Orchester mit seinem temperamentvollen Leiter Inkinen, dass es diese ekstatisch-rauschhafte Musik mit ihren Bezügen zur ungarischen Folklore und Anklängen zum Jazz vorzüglich zu gestalten vermag. Vor allem die in allen drei Sätzen auftauchende Polarität zwischen harmonisch-verspielten Teilen und grellen, rhythmisch aufreizenden Dissonanzen vermittelten diese mit großer Anteilnahme aufspielenden Musiker und ihr souveräner Dirigent sehr intensiv. Neben dem "Konzert für Orchester" ist dieses, vom Publikum heftig applaudierte Werk eines der meist gespielten Kompositionen Bartóks.

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