Entlas Bräu will Erlangens Tradition als Bierstadt fortsetzen

29.8.2020, 06:00 Uhr
Brauer Vinzenz Schiller.

Brauer Vinzenz Schiller. © Harald Hofmann

Die einstige Größe – mit namhaften Brauereien wie der Reif-Bräu, der Henninger oder der Erich-Bräu – ist dahin, und nachdem auch die Brauerei Karl Kitzmann als letztes großes Familienunternehmen die Segel gestrichen hat und in einer großen Kulmbacher Brau-Familie aufging, schien Erlangen als Bierstadt fast ausgelöscht. Wären da nicht die Bemühungen, an die großen Traditionen anzuknüpfen. 

Der Brauerei, der das zweifellos (und noch zu Glanzzeiten von Kitzmann) gelungen ist, ist die Brauerei Steinbach in der Vierzigmannstraße, die bereits 1995 – noch unter Senior Dieter Gewalt, aber bereits mit Unterstützung seiner Söhne Jörg (als Mälzer in Zirndorf) und Christoph (als Braumeister) einen anfangs misstrauisch beäugten Neustart hinlegte und alle Skeptiker längst überzeugt hat.

Doch nicht von der mittlerweile größten Erlanger Brauerei soll hier die Rede sein, sondern von einer "Brauerei i.G.", wobei das "i. G." in Gründung bedeutet. 

Es geht um die (künftige) Brauerei von Vincenz Schiller, der als Sohn von Entlas-Keller-Wirt Fritz Engelhardt seit einigen Jahren Ambitionen auf eine eigene Brauerei hat – und nun wohl nah vor deren Gründung steht.

Denn Vincenz Schiller ist seit einigen Jahren Braumeister und hat in zahlreichen Versuchs-Suden in heimischen Gefilden unterschiedlichste Biersorten hergestellt – kleine Margen im Stile eines Hobby-Brauers, aber mit großen Absichten. Und "sein" Bier befindet sich auf dem Entlas-Keller seit einem Jahr auch im Ausschank, auch wenn dieses Bier nicht in Erlangen, sondern nach seiner Rezeptur bei einer befreundeten Brauerei in Memmelsdorf bei Bamberg entsteht. 

Um das stets durstige Publikum auf dem Entlas-Keller trotz der jeweils zehn Hektoliter "Entlas" nicht auf dem Trockenen sitzen zu lassen, reichen Schiller und sein Vater seit der Biergartensaison 2019 zwei weitere fränkische Biere aus, die ausgewiesen schmackhaft sind bzw. sogar Kultcharakter haben, wie das Bamberger Mahrs Bräu und das mehrfach ausgezeichnete Kellerbier der Brauerei Hofmann aus Pahres.

Schillers geplante Brauerei hat mit bereits vorhandenen Gär- und Lagertanks im Neubau neben dem als "Kessel" bekannten Bergabschnitts schon handfeste Komponenten vorzuweisen, letzte Details müssen allerdings noch mit städtischen Baubehörden geklärt werden. 

Sein Ass im Ärmel, eine kleine Brauanlage auf dem eigenen Keller-Grundstück genehmigt zu bekommen, ist die umweltfreundliche Bau- und Betriebsweise die ohne die früher unvermeidlichen Emissionen auskommt und durch eine ausgeklügelte Kombination aus Kühl- und Heiztechnik sogar CO2-neutral werden soll. "Ökologischer geht’s nicht mehr", sagt Vincenz Schiller, der auch auf eigenes Brauwasser zurückgreifen will.

Mit der geplanten Größe von 1000 bis 1500 Liter pro Sud wäre seine Anlage, die spätestens 2022 in Betrieb gehen soll, etwas größer als die der Brauerei Oberle – aber immer noch eine vergleichsweise kleine Brauerei. 

Trotzdem wäre dies "kein Ein-Mann-Job mehr", wie Schiller sagt, zumal er als Kellerwirt mit weitläufigen Flächen auf drei Etagen bereits heute nicht unterbeschäftigt wirkt.

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