Enttäuschter Siegfried Balleis: "Mein Gefühl ist ein anderes gewesen"

17.3.2014, 14:09 Uhr
Die Ernüchterung stand Siegfried Balleis am Sonntagabend ins Gesicht geschrieben. Er verlor im Vergleich zur letzten Kommunalwahl im Jahr 2008 deutlich an Stimmen und muss in die Stichwahl gegen Florian Janik von der SPD.

Die Ernüchterung stand Siegfried Balleis am Sonntagabend ins Gesicht geschrieben. Er verlor im Vergleich zur letzten Kommunalwahl im Jahr 2008 deutlich an Stimmen und muss in die Stichwahl gegen Florian Janik von der SPD. © Harald Sippel

Mit einer Stichwahl hat Siegfried Balleis gerechnet, zumal er dieses Mal sechs Gegenkandidaten hatte. Nicht aber mit „so einem knappen Ergebnis“, wie er den EN sagt, kurz nachdem das vorläufige Endergebnis über die Leinwand im Ratssaal geflimmert ist. Der CSU-Kandidat kratzt zwar an der 40-Prozent-Marke, kommt am Ende aber nur auf 39,2 Prozent. Dass er sich nicht klarer absetzen konnte, verblüfft ihn. „Mein Gefühl ist ein anderes gewesen“, sagt Balleis enttäuscht, der auch mit der niedrigen Wahlbeteiligung hadert.

Diese bleibt bei der OB-Wahl sogar unter 50 Prozent. Dabei seien die Erlanger doch „in hohem Maße politisch partizipatorisch“, wundert sich der amtierende Rathauschef und hofft, dass sich die Beteiligung in zwei Wochen bei der Stichwahl steigern lässt. Auf die Mobilisierung all jener, die in der ersten Runde nicht gewählt haben, wollen Balleis und seine Partei jetzt vor allem setzen. Helfen sollen insbesondere Mailings und Briefe.

In einer ersten Ursachenforschung „für die sehr schwierige Ausgangslage“ nennt der Christsoziale als Grund für sein überraschend schwaches Abschneiden den letztlich verlorenen Kampf um den Erhalt der Erlanger GBW-Wohnungen in öffentlicher Hand. „Ich bin im Wahlkampf auf kein anderes Thema so häufig angesprochen worden“, bilanziert Balleis und meint: „Die GBW-Wohnungen haben eine sehr große Rolle gespielt.“ Trotz aller Bemühungen des Stadtrats sei das eigentliche „Ziel einfach nicht erreicht worden“. Und: „Das wird der CSU angelastet.“ Punkte gekostet habe ihn sicherlich auch die befürwortende CSU-Position zum geplanten Gewerbegebiet Geisberg.

Balleis’ erwartungsgemäß schärfster Konkurrent um den Posten des Rathauschefs, der Sozialdemokrat Florian Janik, schafft auf Anhieb 37,2 Prozent. „Unglaublich“ findet der Genosse das Resultat, „schlicht den „Wahnsinn“. Zwar hatten die SPD und ihr Kandidat auf die Stichwahl gesetzt. „Aber, dass wir auf Augenhöhe in die Stichwahl gehen würden, damit haben wir niemals gerechnet“, bilanziert Janik und schiebt hinterher: „Der amtierende OB ist abgewählt worden. Es gibt ein sehr deutliches Signal aus der Bürgerschaft, dass die Bürger eine andere Politik wollen.“ Als das Thema, das sehr dominant im Wahlkampf gewesen sei, nennt der SPD-Spitzenkandidat bezahlbaren Wohnraum. „Die Menschen wollen, dass diesbezüglich etwas passiert.“ Außerdem wünschten sich die Erlanger Bürger offenbar einen „OB, der ansprechbar ist, der gemeinsam mit ihnen gestaltet“.

Nachdenklich stimmt Janik einzig die schwache Wahlbeteiligung, zumal „unser Wahlkampf stark auf die Mobilisierung der Wähler ausgelegt war“. Hoffentlich, so der SPD-Mann, nähmen mehr Menschen an der Stichwahl teil. Ihren Teil dazu beitragen wollen die Sozialdemokraten, deren Plakatierungsteam noch am Wahlabend erneut ausrückte. Ab Mitte der Woche werden auch die SPD-Wahlkämpfer „genau da weitermachen, wo sie vor der Wahl aufgehört haben“.

Jeweils „zufrieden“ beziehungsweise „sehr zufrieden“ mit ihren Ergebnissen sind Elisabeth Preuß (FDP) und Susanne Lender-Cassens (Grüne/GL) — „bei der Konkurrenz“, wie die GL-Kandidatin anfügt. Die Liberale freut sich nicht zuletzt über den dritten Platz. „Als uns das zuletzt gelang, das ist schon lange her.“

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