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Mittwoch, 16.10.2019

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Erinnerung an die Juden aus Forth

Junge Eckentaler entwickeln informative Hörpfade - 12.04.2019 14:30 Uhr

Ihre letzte Ruhe fanden die Forther Juden auf dem Friedhof des Medinats in Schnaittach. Aufwendig wurden die Grabsteine dokumentiert. Über die Epidat-Datenbank lassen sich auch verwandschaftliche Beziehungen rekonstruieren. © Isabel Krieger


2016 startete die Dokumentation der Grabinschriften auf den jüdischen Friedhöfen in Schnaittach. Nun geht das Projekt dem Ende entgegen. 450 Inschriften sind entziffert. Das über 350 Jahre währende jüdische Leben im Medinat "OSchPaH" mit Forth, Ottensoos, Schnaittach und Hüttenbach ist damit für die Nachwelt greifbar geworden.

Heimatforscherin Birgit Kroder-Gumann war es, die 2014 den Gemeinderat überzeugte, die jüdische Vergangenheit von Schnaittach aufzuarbeiten und dem Vergessen des jüdischen Lebens im Ort aktiv entgegenzuwirken. Mit Fördermitteln der EU, des Landkreises Nürnberger Land und des Bezirks Mittelfranken wurde das renommierte Steinheim-Institut beauftragt, die verwitterten Grabinschriften auf den drei jüdischen Friedhöfen, die als letzte Ruhestätte für Juden aus der gesamten Region dienten, zu entziffern, auszuwerten und in eine Datenbank einzupflegen. Diese soll es ermöglichen, das Leben der im Zuge der Reichspogromnacht und schon vorher vertriebenen Juden nachzuverfolgen.

Was sich Kroder-Gumann gewünscht, aber nie erwartet hatte: Das Dokumentationsprojekt mobilisierte in den Gemeinden des früheren Medinats zahlreiche Unterstützer. So erstellten Schüler der Mittelschule Schnaittach in Zusammenarbeit mit der VHS Unteres Pegnitztal und dem Bayerischen Rundfunk "Hörpfade" zum jüdischen Leben in Schnaittach, die auf der klingenden Landkarte des Bayerischen Rundfunks abgerufen werden können. Ottensoos folgte mit eigenen Hörpfaden. Hüttenbach errichtete zum Gedenken an die aus dem Ort vertriebenen und ermordeten Juden Stolpersteine.

Schließlich realisierte nun die Eckentaler Volkshochschule gemeinsam mit dem Gymnasium in Eckental, der Journalistin Michaela Moritz und der Forther Historikerin Martina Switalski Hörpfade über das jüdische Leben in Forth. 350 Juden lebten einst in dem Eckentaler Ortsteil, deren Spuren nun nachvollzogen werden können.

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Bereits seit sechs Jahren gibt es darüber hinaus Führungen von Schülern des Eckentaler Gymnasiums durch das jüdische Forth. Mehr als 150 sogenannte Peer Guides waren
es bisher. Sie wurden nun im Rahmen einer Feierstunde, bei der auch die Hörpfade vorgestellt wurden, geehrt.

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Bislang können Geschichtsinteressierte nur über die Klingende Landkarte des BR online auf die Hörpfade zugreifen, doch sind alle drei an den Hörpfaden beteiligten Gemeinden bereits in der Planung, an zentralen Stellen im Ort Gedenktafeln zu errichten, wo Besucher dann einen QR-Code scannen können und mitten im jüdischen Leben sind. In Schnaittach soll diese Stele nach Wunsch von Birgit Kroder-Gumann am Eingang zu den Friedhöfen stehen, dort, wo das mannigfaltige jüdische Leben in der Region noch immer spürbar ist. In Eckental ist die Diskussion über den richtigen Standort der Stele noch in vollem Gange.

Isabel Krieger

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