ÖPNV-Projekt

Erlangen: Den Nahverkehr entzerren

9.7.2021, 10:28 Uhr
Busse verschiedener Unternehmen quetschen sich in Erlangen durch dieselben Straßen - und weil die Nahverkehrspläne nicht ausreichend synchronisiert sind, manchmal im Minutentakt. Das soll sich durch die Kooperation von Stadt und Landkreis ändern.

Busse verschiedener Unternehmen quetschen sich in Erlangen durch dieselben Straßen - und weil die Nahverkehrspläne nicht ausreichend synchronisiert sind, manchmal im Minutentakt. Das soll sich durch die Kooperation von Stadt und Landkreis ändern. © Harald Sippel

"Bisweilen lösen sich auf den Straßen Busse von Stadt und Landkreis beinahe im Minutentakt ab. Das muss anders werden", sagt Josef Weber, städtischer Referent für Planung und Bauen, der in Erlangen auch für Verkehrskonzepte zuständig ist. Im Laufe der Jahre hätten sich laut Weber gerade bei den Bussystemen einige Verbindungen ungewollt verdoppelt. "Das kann man dem Bürger kaum transparent machen", meint Weber. Außerdem sei es erfahrungsgemäß den meisten Nutzern, "egal, ob ein Bus jetzt von der Stadt oder vom Landkreis betrieben wird", betont Weber. Zumal die Ticket-Struktur längst entzerrt wurde und jene, die im Großraum unterwegs sind, keine unterschiedlichen Fahrkarten brauchen, um verschiedene Verkehrsunternehmen zu nutzen.

Gemeinsamer Nahverkehrsplan

Schon vor geraumer Zeit verständigten sich die Stadt und der Landkreis ERH deshalb darauf, für die Jahre 2021 bis 2026 einen gemeinsamen Nahverkehrsplan zu erstellen, in dem es keine "Doubletten" mehr geben soll. Gewünscht ist laut Landrat Alexander Tritthart die Schaffung einer "tragfähigen Grundlage für die Ausgestaltung des ÖPNV". Die dichten verkehrlichen Verflechtungen zwischen Stadt und Landkreis spielten freilich schon in früheren Planungen beider Seiten eine zentrale Rolle, waren aber nicht in dem hohen Maß synchronisiert, wie es jetzt angestrebt wird. Der Nahverkehrsplan wird von allen Beteiligten als zentrales Instrument betrachtet, die Verkehrsströme in kontrollierte Bahnen zu lenken.

Personalien kommen im August

Wer letztlich in den Arbeitskreisen vertreten sein wird, soll spätestens im August entschieden werden. Ein Initialtreffen findet bereits in den nächsten Tagen statt, konkrete Personalien folgen. "Es gibt einige Kreisrätinnen und Kreisräte, die ein starkes Interesse haben, sich bei dem Projekt einzubringen", erklärt Alexander Tritthart, ohne ins personelle Detail zu gehen. Dass in Zukunft ein konzertiertes Vorgehen notwendig ist, steht angesichts wachsender Pendlerströme außerfrage. Zur Erinnerung: Mittelfristig werden unter anderem im einstigen Siemens-"Himbeerpalast" Studierende unterkommen, die bislang in Nürnberg untergebracht werden. Und auch der "Siemens Campus" wächst immer noch. Folge: Die Zahl der Ein- und Auspendler nach und von Erlangen nimmt stetig zu - mit ein Grund, warum auch die Stadt-Umland-Bahn bis zum Ende des Jahrzehnts endlich fahren soll.

Verschiedene Arbeitsgruppen

In dem gemeinsamen Projekt wird es verschiedene Arbeitskreise beziehungsweise -gruppen geben, die sich mit Teilaspekten des am Ende erwartungsgemäß ziemlich umfangreich werdenden Planungswerks auseinandersetzen sollen. Gefragt sind dann dezidierte Verkehrsexpertinnen und -experten ebenso wie jene, die auch einmal "ums Eck denken" und Lösungsansätze analysieren, die nicht den üblichen Schemata folgen.

Josef Weber, städtischer Referent für Planen und Bauen, Erlangens OB Florian Janik, Landrat Alexander Tritthart und Manuel Hartel, Leiter der Abteilung Kommunales und Jugend beim Landratsamt (v. li.), freuen sich über die Zusammenarbeit bei der Erstellung eines gemeinsamen Nahverkehrsplans von Stadt und Landkreis ERH.

Josef Weber, städtischer Referent für Planen und Bauen, Erlangens OB Florian Janik, Landrat Alexander Tritthart und Manuel Hartel, Leiter der Abteilung Kommunales und Jugend beim Landratsamt (v. li.), freuen sich über die Zusammenarbeit bei der Erstellung eines gemeinsamen Nahverkehrsplans von Stadt und Landkreis ERH. © Hans von Draminski, NN

Ziel: Verschlanktes Nahverkehrssystem

Am Ende soll auf jeden Fall ein verschlanktes Nahverkehrssystem stehen, in dem Landkreis- und Stadtautobusse nicht Stoßstange an Stoßstange an den Ampeln stehen und die Transportaufgaben dennoch zügig bewältigt werden können. Viel Arbeit für die sich gerade gründende, übergreifende "Task Force".

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