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Freitag, 24.05.2019

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Erlangen: Eltern unterstützen Kita-Streik

Demo mit Kundgebung und Aktion mit Bobby Cars und Kuschelecke im Rathaus - 18.05.2015 19:30 Uhr

Mit Bobby Cars und Bällen rückten Eltern und Kinder gestern im Rathaus an, um bei OB Florian Janik für Forderungen der Streikenden zu werben. © Anestis Aslanidis


Im Foyer des Rathauses herrscht am Nachmittag ein Höllenlärm. Kinder fahren mit Bobby Cars herum und spielen Softball. Daneben ist eine Kuschelecke eingerichtet. Als Oberbürgermeister Florian Janik die Treppe herunter kommt, verliest der achtjährige Emil einen kleinen Text. „Unsere Kindergruppe streikt“, sagt er, zählt die Nachteile auf, die sich aus diesem Umstand ergeben und schließt mit den Worten: „Können Sie bitte die Erzieherinnen bei ihren Forderungen unterstützen. Das wäre nett.“

Emil bekommt Beifall, auch vom OB. Dessen Antwort fällt jedoch differenziert aus: Er könne die Erzieherinnen und ihre Forderungen grundsätzlich sehr gut verstehen, sagt Janik, schickt jedoch eine Einschränkung hinterher, die er auch gegenüber den Streikenden bei der Kundgebung geäußert hat: Dies stelle die Kommunen vor finanzielle Probleme. Klar sei wiederum, dass die Gewerkschaft Ver.di und die kommunalen Arbeitgeberverbände möglichst schnell zu einer Einigung kommen müssten, wobei beide Seiten Kompromisse schließen müssten.

Der Streik treffe auch sie, sagt Emils Mutter Gabriele Schüßler. Trotzdem sei es ihr ein großes Anliegen, die Erzieherinnen im Elternverein „Netz für Kinder“, in dem ihr Sohn betreut wird, mit dieser Aktion zu unterstützen. Allein schon die Geräuschkulisse im Rathaus zeige, dass Erzieher in ihrer Arbeit sehr gefordert seien und viel Aufmerksamkeit brauchen. Zwar sei der Elternverein keine kommunale Einrichtung, doch seine Erzieherinnen seien, auch durch die Bezuschussung, an den Tarif im öffentlichen Dienst angelehnt. Und für Gabriele Geinzer, eine der Erzieherinnen, ist klar, dass sie sich, auch wenn sie nicht bei der Stadt angestellt ist, dem Streik anschließt.

Unterstützung von Eltern erhalten die Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen auch beim Demonstrationszug und auf der Kundgebung. „Ohne Krippe, Kindergarten und Hort würde es für uns nicht gehen“, macht Monika Beyer vom Elternbeirat der Kindertagesstätte Rasselbande deutlich. „Wir stehen hinter euch.“

Das Aufgabenprofil von Erziehern habe sich in den letzten Jahren sehr stark verändert. „Wir können es uns nicht leisten, dies noch länger zu ignorieren“, sagt sie. Eine andere Mutter sagt: „Durch den Hortplatz war für mich die Rückkehr in die Arbeitswelt möglich.“

Die Erzieher hätten einen Beruf gewählt, der für sie eine Berufung darstellt. „Und ich möchte nicht, dass die Leute diesen Beruf wegen seiner geringen Bezahlung nicht mehr erlernen wollen oder Nebenjobs machen müssen.“

„Wir haben Sozialpädagoginnen, die so wenig verdienen, dass sie nicht mal ihr Bafög zurückzahlen können“, sagt Gudrun Wagner, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats des Landratsamtes. „Soziale Arbeit ist mehr wert als Discounterpreise“ fügt sie hinzu. Und: „Glaubt dem OB nicht, das Geld ist vorhanden.“ 

EVA KETTLER

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