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Erlangen: Für Fanta und Bu ist Humor ein Mittel gegen alle Krankheiten

Die beiden Klinikclowns arbeiten eng mit Psychologen und Ärzten zusammen - 09.06.2016 12:00 Uhr

Judith Niehaus („Fanta“) und Joakim Svenson („Bu“) erheitern kleine Patienten mit ihren Späßen. © Harald Sippel


Bevor sie in den Flur gehen, setzen sie ihre Nasen auf und steigen in ihre Rollen. Ein seriöses Gespräch ist jetzt nicht mehr möglich. Auf ihrem Weg zu den Kinderzimmern treffen sie auf Ärzte, Schwestern und Besucher. Keiner von ihnen kann an den Clowns vorbeilaufen, ohne zu schmunzeln.

Vor dem Aufzug treffen sie auf eine Familie mit zwei kleinen Mädchen, eines davon mit einer Handverletzung. Beide können noch nicht richtig sprechen und verstehen auch kaum Deutsch. Kein Problem für die geübten Clowns. Sie knien sich mitten im Flur mit den Kindern auf den Boden, lassen sie Seifenblasen pusten und Clownsnasen verschwinden. Lachend und mit Clownsnasen beschenkt zieht die Familie weiter.

Fanta und Bu erreichen das erste Zimmer. Patient Tobias ist ein Fan der Klinikclowns. Besonders Fanta hat es ihm angetan. Zwei Wochen lang wartet er immer, bis sie wieder zu Besuch kommen. Allein fünf Minuten verbringen die beiden Schauspieler an der neuen Schiebeglastür, bis ihnen Tobias erklärt, wie sie eigentlich hereinkommen. Er hat ein großes Grinsen im Gesicht. „Wie geht’s euch?“, fragt er. Fanta und Bu antworten, in dem sie die Daumen hochstrecken, dann ihre und Tobias Daumenfäuste aufeinander stapeln, bis sie nicht mehr dran kommen. „Und wie geht es dir, Tobias?“, fragt Fanta. „Wenn ich dich sehe, immer gut“, antwortet er begeistert.

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Lachen für kranke Kinder: Clowns in der Kinderklinik

Wenn Judith Niehaus und Joakim Svenson die Kinderklinik des Erlanger Universitätsklinikums betreten, sind sie nicht mehr Judith und Joakim, sondern Fanta und Bu. Die beiden gehören zum Team der Klinikclowns und zaubern den oft schwerkranken kleinen Patienten bei ihren Besuchen oft für ein paar Minuten ein Lächeln auf die Lippen. Die Kooperation mit der Klinik besteht bereits seit mehreren Jahren und läuft gut. Die Arbeit der Clowns finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Fördergelder.


Tobias ist bereits 29 Jahre alt, wird aber seit seiner Geburt in der Kinderklinik stationär behandelt. Er leidet unter dem Kabuki-Syndrom, einer seltenen Erbkrankheit. Während des außergewöhnlichen Besuches steht seine Mutter an seiner Seite und freut sich mit. „Er liebt die Klinikclowns“, erklärt sie.

Judith Niehaus war früher Ergotherapeutin, spielte aber auch schon ab und zu Theater. Vor 13 Jahren beschloss sie, eine Fortbildung zum Klinikclown zu machen. Jetzt ist sie hauptberuflich freie Künstlerin und als Teil der Klinikclowns in Erlangen, Fürth und Nürnberg unterwegs. Sie arbeiten nach dem Motto des amerikanischen Arzt und Profi-Clown Hunter Doherty „Patch“ Adams: „Humor ist ein Mittel gegen alle Krankheiten“. Insgesamt sind sie neun Leute, von denen jeweils zwei gemeinsam auf einen Termin gehen. Wer mit wem spielt, wechselt ständig.

Die Schauspieler improvisieren ihr Programm für die kranken Kinder. Dafür ist viel Sensibilität gefragt. „Wir nehmen uns den Druck, dass wir lustig sein müssen.“, erklärt Niehaus. „Es ist schön, wenn wir einfach ein bisschen Sonne ins Krankenhaus bringen können“.

Mit schwerkranken Kindern zu arbeiten, ist immer eine Herausforderung. „Unser ganzes Team steht total hinter dieser Idee. Wir fühlen uns auch dadurch beschenkt, dass wir den Kindern Freude bringen dürfen“, so Niehaus. Jeder Schauspieler hat seinen eigenen Weg, mit dieser Situation umzugehen. „Bei mir ist es, als würde ich quasi in meinen Clown hineinsteigen. Wenn ich in meiner Rolle bin, bleib’ ich dort. Dann können mir emotionale Dinge nicht mehr so viel anhaben.“

Niehaus erzählt von einer Situation, die sie sehr berührte: „Wir hatten einmal ein Kind, das sehr geweint hat. Als wir reinkamen und Späße machten, hat es plötzlich aufgehört zu weinen und dafür mit uns gespielt. Im Hintergrund habe ich gesehen, wie plötzlich der Vater zu weinen begann. Später haben wir den Vater auf dem Gang wieder getroffen und er hat uns umarmt. Er erzählte, dass sein Sohn zuvor drei Tage durchgeweint hat. Erst als an diesem Tag die Clowns zu Besuch waren, hörte er damit auf.“

Die Klinikclowns gehen nicht einfach in alle Zimmer, sondern bekommen einen Plan der pädagogischen Leitung. Ihre Besuche erfolgen in enger Zusammenarbeit mit Ärzten, Psychologen und Pflegern. In dem Plan stehen Informationen über die Patienten. Darunter fällt beispielsweise, welche Sprache sie sprechen, ob die Schauspieler Schutzkleidung tragen müssen oder wie lange sie zu Besuch sein dürfen.

Die Klinikclowns finanzieren sich als Verein seit 2005 ausschließlich durch Spenden und Fördergelder. Ihre Zeit ist quasi ein Geschenk für die Klinik. Unter www.clownproject.de sind Spenden jederzeit möglich und sehr willkommen. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass die Kinderklinik Clownbesuche erlaubt. „Ein Clown bringt Chaos in die Klinik. Es ist toll, wenn das Krankenhaus so etwas mitmacht“, meint Niehaus. Die Kooperation mit der Kinderklinik der Universität besteht bereits seit mehreren Jahren. „Seid die Klinikclowns bei uns sind, läuft es super. Wir sind sehr zufrieden. Die Clowns werden hier gebraucht und sie machen ihre Arbeit sehr gut“, kommentiert Professor Wolfgang Rascher, Direktor der Kinderklinik. Alle Patienten ab zwei Jahren, die gesundheitlich dafür in Frage kommen, werden gefragt, ob sie sich einen Besuch wünschen.

Professor Rascher weiß die Arbeit der Clowns sehr zu schätzen: „Das hilft den Kindern. Sie merken dadurch, dass es ein Leben außerhalb der Krankheit gibt. Falls sie dann noch einmal zurück in das Krankenhaus müssen, haben sie auch positive Erlebnisse, an die sie sich erinnern können.“

Selina Bettendorf

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