Erlangen: Gedenken an Rechtsradikalismus-Opfer

21.12.2015, 15:00 Uhr
Oberbürgermeister Florian Janik betonte in seiner Gedenkrede zur Ermordung von Frida Poeschke und Shlomo Lewin, die Demokratie müsse sich wehrhaft gegen Rechtsextremismus zeigen.

Oberbürgermeister Florian Janik betonte in seiner Gedenkrede zur Ermordung von Frida Poeschke und Shlomo Lewin, die Demokratie müsse sich wehrhaft gegen Rechtsextremismus zeigen. © Harald Sippel

Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass sich Frida Poeschke und Shlomo Lewin in der Stadt um die Versöhnung von Juden und Christen bemüht haben. Ihre Ermordung „war keine Einzeltat“. Vielmehr begingen rechte Netzwerke bis heute Verbrechen in Deutschland.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann fand am Bürgermeistersteg in der Poeschke-Lewin-Anlage klare Worte: Die Sicherheitsbehörden, blendete er zurück, hätten lange Zeit die Gefährlichkeit der Wehrsportgruppe Hoffmann unterschätzt. Bis heute sei vieles unklar im Mordfall Poeschke/Lewin. Karl-Heinz Hoffmann und seine Lebensgefährtin Franziska Birkmann, so der Minister, seien damals nur aus Mangel an Beweisen an ihrer Mitschuld freigesprochen worden. „Dass dieser Hoffmann nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe heute wieder rechtsextremistische Propaganda betreibt, ist für viele von uns unerträglich“, betonte er. Doch das ermordete Paar Frida Poeschke und Shlomo Lewin hätten eine positive Botschaft hinterlassen: die des demokratischen Engagements und des liebe- und respektvollen Zusammenseins von Christen und Juden.

Noch klarer benannte Hans Markus Horst von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit die Fehler der Politik bis 1980. Ministerpräsident Franz Josef Strauß und der damalige Innenminister Gerold Tandler hätten die Gefahr von rechts bagatellisiert und schlicht falsch eingeschätzt. Der heutige Innenminister, der Erlanger Joachim Herrmann, sehe das differenzierter. Es liege in der Verantwortung „von uns allen, dem Hass von Rechtsextremen entgegenzutreten“. Lewin, sagte er, hatte den Mut und den Weitblick, nach dem Holocaust wieder auf die Deutschen zuzugehen. Den Dialog zwischen Juden und Christen „müssen wir heute auf den Islam erweitern“, betonte er.

Die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Erlangen, Esther Klaus, blendete zurück auf die Vita von Shlomo Lewin, der maßgeblichen Anteil am Aufbau jüdischen Lebens in Bayern habe. Sie dankte den jungen Leuten der antifaschistischen Aktion für ihren Mut, am Samstag bei ihrer Kundgebung öffentlich über die antisemitischen Umtriebe zu informieren.

Das Gedenken endete mit einer Schweigeminute für Frida Poeschke und Shlomo Lewin.

An das ermordete Paar erinnern künftig auch zwei Kirschbäume, die die Stadt am Bürgermeistersteg gepflanzt hat.

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