Erlangen: Gemüse und Obst für Alle

21.7.2016, 12:00 Uhr
Projekt „Essbare Stadt“ in Andernach: Anbau von Obst und Gemüse zur freien Verfügung für die Bürger.

Projekt „Essbare Stadt“ in Andernach: Anbau von Obst und Gemüse zur freien Verfügung für die Bürger. © Stadt Andernach

Eine Stadt, die man essen kann – mit diesem Vorschlag greift die Grüne Liste (GL) eine Idee auf, die bereits 2008 in Großbritannien in die Tat umgesetzt worden ist. Dort, in der Kleinstadt Todmorden, ist man auf den Trichter gekommen, auf öffentlichen Flächen Obst, Gemüse und Blumen anzupflanzen. Das besondere dabei: Alle Bürger sollen davon ernten dürfen, was sie eben brauchen – und zwar kostenlos. Und so war das Städtchen im Nordwesten Britanniens bald in aller Munde und verdiente sich das geschmacksneutrale Prädikat "unglaublich essbar".

In Deutschland fand die Sache bald Nachahmer. Auch Erlangens Partnerstadt Jena möchte bald "essbar" werden, so die GL. Die Uni-Stadt soll folgen. Das Ganze hat für die GL gleich mehrere positive Seiten: "Die öffentlichen Nutzpflanzen zeigen, wie man sich gesund ernährt und steigern die Wertschätzung für regionale Lebensmittel", heißt es in ihrem Antrag, der jetzt im Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss aufs Tapet kam.

"Schöner Antrag"

Die Plätze in der Innenstadt, die als mögliche „Anbauflächen“ in Frage kämen, sind jedoch recht überschaubar: Der Bohlenplatz wurde erwähnt, ferner der Theaterplatz, aber auch der Altstädter Kirchenplatz oder die Ostseite des Ohmplatzes.

"Ein schöner Antrag", war vielfach zu hören. Allerdings gingen die Meinungen darüber sehr auseinander. Der angedachte Anbau von Obst, Gemüse oder Schnittpflanzen habe auch "viel mit der Optik der Plätze zu tun", gab Birgitt Aßmus zu bedenken. Außerdem monierte die CSU-Rätin, dass das Konzept der GL überhaupt nicht ausgearbeitet sei. Die Stadt Andernach, die bereits „essbar“ ist, lässt die Vorbereitung, Ansaat und Pflege der Beete durch städtische Mitarbeiter erledigen. Vor diesem Hintergrund warnte Aßmus davor, nicht „voreilig zusätzliche Stellen zu bewilligen". Anstelle einer "essbaren Stadt" sollte man doch lieber die Schulgärten "besser fördern", meinte sie. Damit stand sie nicht allein. Auch FDP-Mann Jürgen Zeus dachte in diese Richtung und sah beispielsweise eine Unterstützung der Arbeit von Stadt-Land-Kindergärten als "viel sinnvoller" an.

Das eine Essbare wird noch diskutiert, das andere ist längst da. Darauf wies ÖDP-Rat Frank Höppel hin. "Es gibt ja schon vieles, man muss nur die Augen aufmachen", und Höppel meinte damit unter anderem die stadtweit verstreuten Obstbäume. "Aber was schon da ist, wird einfach liegen gelassen", resümierte er.

Gänzlich überzeugt von der Idee ihrer Fraktion machte sich Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens schließlich für die Sache stark und plädierte für einen Versuch- und warum eigentlich nicht auf einer Fläche am Ohmplatz: "Einfach mal gucken was passiert".

Beschlossen ist nichts. Damit ist die "essbare Stadt" auch noch nicht vom Tisch oder gar schon geistig „verdaut“. Oberbürgermeister Florian Janik machte am Ende deutlich: "Das Anliegen ist noch nicht erledigt."

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