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Erlangen genehmigt Heizpilze trotz Klimanotstand

Mehrheit im Stadtrat will damit der notleidenden Gastronomie in der kalten Jahreszeit unter die Arme greifen. - 27.09.2020 05:57 Uhr

Heizpilze sind ökologisch umstritten, trotzdem sollen sie in Erlangen zum Einsatz kommen dürfen, um die Gastronomie in der kalten Jahreszeit zu unterstützen.

25.09.2020 © Gero Breloer dpa/lrs


Auch deshalb hat die Stadt den Einsatz solcher Anlagen im öffentlichen Raum 2010 über den Umweg der Sondernutzungssatzung untersagt. Von dem "Verbot" nicht betroffen sind hingegen Privatleute, die auf ihren Grundstücken Heizpilze aufstellen.

Durch Heizpilze und ähnliche Wärmegeräte solle der durch die Corona-Pandemie notleidenden Gastronomie geholfen werden, führte CSU-Fraktionschef Christian Lehrmann im Stadtrat aus. Weil in den Innenräumen bis zu 50 Prozent weniger Sitzplätze zur Verfügung stünden, seien die Wirte darauf angewiesen, ihre Gäste auch in den kalten Monaten im Freien zu bedienen. Die Initiative sei von dem "Wunsch getragen, den Schaden für die Gastronomie möglichst gering zu halten", so Christian Lehrmann weiter.

Heizpilze sind umstritten, weil sie viel Kohlendioxid ausstoßen; Infrarotstrahler und Heizdecken verbrauchen viel Strom und belasten damit ebenfalls das Klima. "Es ist uns klar, dass der Antrag nicht zum Klimanotstand passt", sagte CSU-Fraktionschef Lehrmann. Man habe abwägen müssen zwischen Umwelt- und Klimaschutz auf der einen Seite und Gastronomie auf der anderen Seite.

In der Sitzung des Stadtrats wurde allerdings auch betont, dass die Genehmigung nicht dauerhaft, sondern nur für diesen Herbst und Winter gelten soll. Im nächsten Jahr solle darüber erneut beraten werden.

Wie der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Munib Agha, sagte, erfordere die Corona-Pandemie "Maßnahmen, die wir normalerweise nicht erwägen würden". Kaum eine Branche sei von der Krise so betroffen wie die Gastronomiebetriebe. "Das war keine einfache Entscheidung in der Fraktion, weil wir wissen, wie klimaschädlich Heizpilze sind."

Pilze sollten dort bleiben, wo sie hingehören, "zum Beispiel im Wald", sagte hingegen ÖDP-Stadtrat Frank Höppel. "Ich hoffte, dass die Bürger mit den Füßen abstimmen und nicht zu Gastronomen gehen, die Heizpilze aufstellen." Sebastian Hornschild von der Klimaliste formulierte Zweifel an der Aussage, die Gastronomie sei aufgrund der Corona-Beschränkungen besonders notleidend. "Finanziell sind die Gastronomen gut aufgestellt", behauptete er. Stattdessen würden CSU und SPD mit ihrem "Schaufensterantrag" versuchen Corona und Klimaschutz gegeneinander auszuspielen.

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