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Erlangen: Junge Äthiopier sitzen Modell für Plastiken

Wolfram von Bieren gewann Flüchtlinge aus Baiersdorf für VHS-Kurs in Erlangen - 20.12.2015 12:00 Uhr

Die jungen Äthiopier saßen nicht nur Modell, sie formten auch selber Figuren aus Ton. © Julia Beeck


„In Österreich habe ich im Spätsommer die Flüchtlingsströme mit eigenen Augen gesehen. Die vielen Gruppen und Grüppchen, die sich auf den langen Weg machen“, erklärt von Bieren seine Motivation. Die Bilder ließen ihn nicht los; er wollte das Thema Flüchtlinge in seinen Kurs einbinden.

Dazu nahm er Kontakt zu einem Flüchtlingsheim in Baiersdorf auf. Er berichtete den Männern von dem Kurs, zeigte Fotos und Tonskulpturen und gab ihnen selbst die Gelegenheit, mit Ton zu modellieren.

Schließlich konnte er einige der Flüchtlinge aus Äthiopien dafür gewinnen, in seinem Kurs Modell zu stehen. „Die jungen Männer waren sehr interessiert und aufgeschlossen. Es ist sehr bewegend, wie über die Arbeit am Ton, Nähe aufgebaut werden kann“, sagte von Bieren.

Mittlerweile kommen die jungen Männer jeden Donnerstagabend nach Erlangen; in die Kellergewölbe des Dreycedern e. V., wo der Modellierkurs stattfindet. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, oder eine Kursteilnehmerin aus Baiersdorf nimmt sie mit dem Auto mit.

Während des Kurses gruppieren sich die jungen Männer auf Stühlen in der Mitte des Raumes. Allerdings nicht für lange. Die „Auflösung“ der Gruppe ist bewusst gewollt. „Denn vor allem ist wichtig, dass sich die Modelle wohlfühlen“, erklärte der Künstler von Bieren.

Immer wieder stand einer der Äthiopier auf, wanderte durch den Raum und betrachtete dabei die entstandenen Figuren. Ein Anderer versuchte selbst eine Figur aus Ton zu modellieren; einen Vogel. Auch eine Frau, die einen Säugling stillt, ist ein Motiv, das zwei der Flüchtlinge bereits aus Ton geformt haben.

Bestärkt durch die positiven Erfahrungen, möchte von Bieren auch im kommenden Semester wieder einen Kurs anbieten. Doch dann sollen Flüchtlinge noch aktiver teilnehmen. „Denn über das gemeinsame Arbeiten am Werkstoff Ton, entwickelt sich auch ein kultureller Austausch. Im wahrsten Sinn des Wortes“, so von Bieren. 

JULIA BEECK

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