Erlangen: Junges Gemüse besucht "blaue Feuerwehr"

10.8.2015, 18:00 Uhr

© Edgar Pfrogner

Am Sommerferiencamp „ist alles cool, besonders die Aktionen“, findet der zwölfjährige Awraz, aber es ist „auch okay, da was zu lernen“. Vergangene Woche besuchten fast alle der 50 Campteilnehmer das Technischen Hilfswerk Erlangen. Das Motto des THW „Helfen im Team“ galt auch an vier Aktiv-Stationen, bei denen sich die Sieben- bis Zwölfjährigen einen Eindruck von den Aufgaben der Einrichtung machen konnten. Die Kinder durften die Pumpe von Hebekissen zum Anheben eines Lkw steuern, mit einem Greifzug eine Palette ziehen, auf der andere Kinder sitzen, „Verletzte“ auf einer Trage durch einen Bierbank-Parcour befördern und Tennisbälle mit Kübelspritzen von Warnkegeln spritzen. „Die Zusammenarbeit in der Gruppe ist wichtig“, sagt Volker Schmidt, Vorsitzender des Förderverein THW Erlangen. Viele der Schüler „kannten die Einrichtung überhaupt nicht“, berichtet Katja Roßmeißl, Leiterin des Sommercamps. Jetzt weiß auch Awraz, der vor eineinhalb Jahren aus dem Irak nach Deutschland kam, dass die „blaue Feuerwehr“ bei Überschwemmungen, Unfällen und Unwettern hilft.

Aber nicht nur Spiel und Spaß gibt es im Ferienprogramm. Neben regelmäßigen Aktionen wie einem Besuch im Freizeitpark und auf der Jugendfarm steht vor allem die Sprachförderung im Fokus. „Die Kinder kommen aus 14 verschiedenen Länder, wie zum Beispiel Irak, Russland, Pakistan, Syrien und der Ukraine“, berichtet Ute Hirschfelder, stellvertretende Vorsitzende der Bürgerstiftung Erlangen. Viele von ihnen sprechen nur sehr wenig Deutsch. Eingeteilt in die Kleingruppen „Zuccini“, „Tomate“, „Möhre“, Champignon“ und „Radieschen“ und betreut von neun Lehramtsstudenten lernen die Kinder Lieder und Gedichte, schreiben jeden Tag Tagebuch und verfassen am Ende einen Bericht über ihre Erlebnisse, den sie vor den Eltern und Sponsoren präsentieren müssen.

Das Camp findet zum fünften Mal statt und legt dieses Jahr den Schwerpunkt auf die Themen Pflanzen und Lebensmittel. Jeweils zwei Gruppen kochen mittags gemeinsam mit der Hauswirtschaftslehrerin der Schule. „Wir legen Wert auf gesunde Ernährung“, betont Ute Hirschfelder. Aber selbst in der Küche geht es nicht nur darum, ein Drei-Gänge-Menü für die hungrigen Mäuler zu fabrizieren, sondern auch um die Verbesserung des deutschen Sprachgebrauchs. Sie lernen die Lebensmittel und die Kochutensilien zu benennen und welche Hygienevorschriften es zu beachten gilt. Auch das Anlegen von zwei Hochbeeten im Schulgarten steht auf dem Programm.

In Erlangen lebt laut Ute Hirschfelder fast jedes zehnte Kind von Hartz IV. Fehlende Bildung und mangelnde finanzielle Mittel macht es vielen schwer, der Armut zu entkommen. Das Hauptziel des Sommercamps ist natürlich „Freude für die Kinder“, erklärt Hirschfelder, aber ihr ist es auch wichtig den Kindern durch die Förderung von Deutschkenntnissen und sozialen Kompetenzen bessere Zukunftschancen zu ermöglichen. Dieses Jahr wurde die maximale Teilnehmerzahl erhöht, um bewusst mehr Flüchtlingskindern aufnehmen zu können. Das Camp ist ein Bildungsprojekt, das durch den seit 2007 existierenden Sonderfond „Kinderarmut“ der Bürgerstiftung Erlangen gefördert wird. Unterstützt wird das Projekt auch durch zahlreiche Sponsoren.

Verwandte Themen


Keine Kommentare