Erlangen: Klingendes Institut

27.11.2016, 08:00 Uhr

© Harald Sippel

Tilmann Stiehler ist noch ganz beschwingt vom Jubiläumskonzert, spricht stolz und begeistert vom Musikinstitut, das er seit 2008 leitet. Das ist durchaus begründet, denn was am 14. November 1966, am Tag des Eintrags ins Vereinsregister, klein mit fünf Musiklehrkräften und 30 Schülern in einem Wohnhaus in der Hauptstraße begann, kann heute auf ein eigenes Gebäude mit Konzertsaal (der „Konzertwerkstatt“) und ein Lehrerkollegium von 30 Instrumentalisten und Sängern und 334 Schüler verweisen.

Damals, 1966, stellte sich in Erlangen die Frage, ob eine Stadt mit rund 70 000 Einwohnern neben der „Städtischen Singschule“ und der „Musikstätte Frankenhof“ noch eine weitere, ambitionierte Musikschule benötigte, in der ausschließlich Einzelstunden angeboten werden. Der fränkische Pianist Ernst Gröschel und Otto Beß führten die ersten Gespräche mit Oberbürgermeister Heinrich Lades. 50 Erlanger Bürger erklärten sich bereit, dem geplanten Verein beizutreten. Der Flötist Gerhard Hildenbrand wurde nach anfänglicher gemeinsamer Führung mit Ernst Gröschel erster Leiter des Musikinstituts.

Unter Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg bekam das Musikinstitut ab 1975 die Hälfte seines Jahresetats von der Stadt Erlangen als festen Zuschuss zugesichert. Bereits ab 1977 führte das Musikinstitut eigene Förderklassen ein, die sich intensiv um den Musikernachwuchs kümmerten. Das Konzept ging und geht auf: Bis heute gibt es eine Reihe an Institutsschülern, die erfolgreich aus Musikwettbewerben hervorgingen und die später eine musikalische Laufbahn einschlugen. Fünf von ihnen sind inzwischen selbst Lehrer am „EMI“.

1979 wurde der Bratschist Eberhard Klemmstein Nachfolger von Gerhard Hildenbrand. In Klemmsteins 29-jährige Amtszeit fiel auch der Bau eines Veranstaltungsraums. Das bis dahin genutzte Zimmer 10 war längst für Konzerte zu klein geworden. 1982 erhielt der Architekt Claus Uhl den Auftrag, einen Entwurf zu planen. Durch großzügige erste Spenden der Elternschaft kamen fast 30 000 Mark zusammen. Der Erlanger Stadtrat beschloss 1986/87, dem Bau 900 000 Mark bereitzustellen, auch der Bezirkstag Mittelfranken beteiligte sich.

© Fotos: Harald Sippel

1988 wurde der in den Berg gebaute Anbau, die „Konzertwerkstatt“, offiziell eingeweiht. Der gelungene und vergleichsweise kostengünstige Saal mit 234 Sitzplätzen und 17 Stehplätzen ist nicht nur für das „EMI“ eine wunderbare Ergänzung, sondern es ist in Erlangen der beste Saal für kammermusikalische Konzerte. Als solcher wird er auch von Musikern aus der Region, aber auch von teils international renommierten Künstlern erfreulich viel genutzt und geschätzt. Eine feste Konzertreihe ist etabliert, die Veranstaltungen unterschiedlichster Couleur sind bestens besucht, manchmal ausverkauft. Das Institut verfügt – dank vieler großzügiger Spenden – über heute insgesamt acht Flügel sowie viele hochwertige Leihinstrumente.

Tilmann Stiehler lehnt sich zufrieden zurück. Er ist dankbar, dass Stadt und Sparkasse weiterhin ihre Unterstützung zugesagt haben. Das „EMI“ steht auf solidem Fundament – in jeder Hinsicht. Positiv sieht Stiehler auch den geistig-kulturellen Nährboden der Universitätsstadt: In Erlangen gibt es ein breites Klientel an Eltern, die den Wert von gutem, niveauvollen Musikunterricht zu schätzen wissen und ihre Kinder daher ins „EMI“ schicken.

 Der Musikschulleiter betont die Elternschaft als Stütze des Unterrichtspaktes: Ihr Interesse, ihre Unterstützung und Motivation sind die Basis für das weitere Bestehen und eine erfolgreiche Entwicklung.

Natürlich haben auch das „EMI“ die Zeichen der Zeit eingeholt: Die schulische Belastung ist bei den Kindern und Jugendlichen größer geworden, die Schüler sind deshalb in ihrer Freizeit weniger belastbar und leistungsbereit. Das Langzeitgedächtnis ist durch zu viel Ablenkungen aller Art schlechter geworden. Der hohe, disziplinierte Einsatz beim Erlernen eines Musikinstruments macht sich jedoch – davon ist Stiehler überzeugt – in jeder Richtung bezahlt.

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