Erlangen reagiert auf immer mehr Feuerbestattungen

19.7.2018, 10:00 Uhr
Standesamtsleiterin Heidi Petri und Friedhofsmeister Bernhard Griesmann auf dem neuen Urnenfeld. 100 Baumscheiben markieren, wo zukünftige Bestattungen erfolgen sollen.

Standesamtsleiterin Heidi Petri und Friedhofsmeister Bernhard Griesmann auf dem neuen Urnenfeld. 100 Baumscheiben markieren, wo zukünftige Bestattungen erfolgen sollen. © Martin Schülbe

Der Rundgang über den Zentralfriedhof führt vorbei an akkurat geschnittenen Hecken, zwischen denen Grabfelder wie kleine Parks angelegt sind. Heidi Petri und Bernhard Griesmann schauen sich alles in Ruhe an, besprechen notwendige Eingriffe, hier und da verweilen sie. Es ist ein sonniger Vormittag. "Ein Friedhof ist auch eine Grünanlage", stellt Petri fest, "eine gewisse Aufenthaltsqualität gehört dazu."

Selbstverständlich sei diese Qualität nicht, fährt die Leiterin des Erlanger Standesamtes fort, sondern den engagierten Mitarbeitern um Friedhofsmeister Griesmann zu verdanken. Die würden nicht nur mit zahlreichen Ideen aufwarten, sondern auch gekonnt mit dem begrenzten Budget umgehen – so wie beim jüngsten Projekt nahe des Osteingangs. Dort befanden sich im Frühjahr noch Mustergräber, auf denen Steinmetze ihre Arbeiten präsentierten.

Nun liegen dort 100 Baumscheiben, unter denen zukünftig Urnen beigesetzt werden sollen: in einem immergrünen Garten, den die Mitarbeiter in gerade mal vier Wochen fertiggestellt haben. "Eine außerordentliche Leistung, die wir mit einem Vergabeauftrag nicht hätten stemmen können", so Petri.

Nicht einmal eine Zeichnung habe man gebraucht, verrät Griesmann: "So etwas legen wir immer spontan an, einfach mit gärtnerischem Wissen." Der Plan, den die Friedhofsverwaltung ja dennoch benötigt, sei eben nach Fertigstellung gemacht worden.

Petri berichtet von einem Trend zur Feuerbestattung, die mit 70 Prozent mittlerweile häufigste Bestattungsform in Erlangen. Auf dem im vergangenen Jahr entstandenen Urnenfeld sind nur noch vier von 40 Plätzen frei. "Das liegt auch daran, dass immer weniger Leute die Gräber pflegen können", sagt Petri und verweist auf das klassische Erdgrab, das traditionell eine regelmäßige Betreuung erfordert. "Dadurch kann ein Erdgrab aber auch sehr individuell gestaltet werden." 

Individualität möchte die Friedhofsverwaltung auf dem neuen Urnenfeld dennoch bieten, nämlich auf den steinernen Grabplatten, mit denen die Baumscheiben nach der Bestattung ersetzt werden müssen. Vorgegeben werden soll nur, dass die Platten rund sind einen Durchmesser von etwa 25 Zentimetern haben. Griesmann: "Welche Farbe die Platten haben, welche Schriften und Symbole drauf sind, das ist uns einerlei."

Verkauft werden sollen die neuen Plätze ab August, kündigt Petri an – erstmal soll das ältere Urnenfeld gefüllt werden. Bis dahin soll auch ein Flyer fertig sein, der über die Möglichkeiten im neuen Urnengarten informiert. Schon jetzt lädt der neue Urnengarten mit seiner Pflanzenvielfalt zum Verweilen ein.

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