Erlangen: Schwere Steinblöcke schützen zartes Grün

5.10.2016, 13:20 Uhr
Die Natursteinquader, die im ganzen Stadtgebiet ausgelegt worden sind, sollen Wildparker von den städtischen Grünflächen fern halten. Für die Stadt sind die Steine die kostengünstigste Möglichkeit, diese Falschparkerei einzudämmen. Für einen Quader werden lediglich 60 Euro Materialkosten und 20 Euro Arbeitskosten angesetzt.

Die Natursteinquader, die im ganzen Stadtgebiet ausgelegt worden sind, sollen Wildparker von den städtischen Grünflächen fern halten. Für die Stadt sind die Steine die kostengünstigste Möglichkeit, diese Falschparkerei einzudämmen. Für einen Quader werden lediglich 60 Euro Materialkosten und 20 Euro Arbeitskosten angesetzt. © Harald Sippel

Aber diese Brocken lasten auch zentnerschwer auf dem Gemüt etlicher Bürger. Der Ärger ist jedenfalls groß. Die Meinungen sehr geteilt. Das wurde auch in der jüngsten Sitzung des Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschusses deutlich.

Auch wenn es von manchem so verstanden wird: Aber diese Steine sollen durchaus „keine Schikane der Bürger“ sein, wie es hieß. Allein Schäden an den Grünstreifen zu vermeiden, ist der einzige und tiefere Sinn dieser Aktion. Denn das unzulässige Zuparken von Grünflächen hinterlässt reichlich Schäden, die zunehmend ins Geld gehen. Von „nicht hinnehmbaren Wiederherstellungskosten“ ist die Rede. Da werden junge und alte Bäume angefahren, und das schlechterdings, wo geeignete Standorte für Bäume ohnehin schon dünn gesät sind, da werden Boden und Wurzelbereiche durch Radschlupf verdichtet und beschädigt, Wiesen und Rasenstücke buchstäblich zerstört. Darauf wies einmal mehr Baureferent Josef Weber hin.

Nach Beobachtungen des städtischen Betriebs für Stadtgrün hat das Ganze noch „deutlich zugenommen“. Aus Gesprächen mit Bürgern vor Ort war herauszuhören, dass offenbar ein „gestiegener Parkdruck“ herrscht bei einem gleichzeitig ganz subjektiv empfundenen Parkplatzmangel. Das wiederum führt letztlich dazu, dass Pkw-Fahrer ihr Gefährt geradezu selbstverständlich auf dem Grün abstellen.

Kein Zweifel: Die Stadt als Eigentümerin des öffentlichen Grüns ist befugt, jene Flächen zu schützen. Dass das gleichsam in einer Nacht- und Nebelaktion passierte wie in Kriegenbrunn, kam dort nicht besonders gut an — die EN berichteten. Da wäre „ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl im Vorfeld nötig gewesen“, monierte CSU-Mann Jörg Volleth, der die Verwaltung aufforderte, nochmals mit Bürgern und Ortsbeirat zu sprechen. Bekanntermaßen gab und gibt es im Vorort erhebliche Proteste gegen die Steinquader, die gänzlich ohne Ansage dort „gepflanzt“ wurden.

Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens räumte ein, dass da etwas „schief gelaufen“ ist, auch, dass die Steine teils zugewuchert und deswegen für Kinder und Autos nicht ganz unproblematisch sind.

Die Bürger frühzeitig zu beteiligen, dafür plädierte auch SPD-Sprecherin Felizitas Traub-Eichhorn. Zudem regte sie an, die strittigen Steinblöcke durch Büsche und Hecken dort zu ersetzen, wo es eben geht. Und Jürgen Zeus (FDP) wies darauf hin, dass es auch Bereiche gibt, wo derartige Natursteinquader nicht geeignet sind und Bürger schließlich dadurch Nachteile haben.

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