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Erlangens Universitäts-Bibliothek ist neu gewandet

Für vier Millionen Euro ist die Fassade freundlicher gestaltet und das Haus energetisch saniert worden - 04.01.2013 15:14 Uhr

Eine geschlossene und trotzdem gut gegliederte Fassade, eine nur wenig auftragende, aber effiziente Wärmedämmung und neue Strukturelemente kennzeichnen die renovierte „Zentralbibliothek“ der Universität. © Staatliches Bauamt/oh


Der zu Beginn der 70er Jahre errichtete „Neubau“ der Universitätsbibliothek an der Ecke Universitäts- und Schuhstraße hatte erkennbare Schäden an seinen Betonteilen, die zudem durch jahrelange Witterungseinflüsse ziemlich schmuddelig wirken. Hinzu kam: Das Haus entsprach längst nicht mehr der heute gültigen Energieeinsparverordnung. Das Staatliche Bauamt Erlangen-Nürnberg hatte deshalb im Frühjahr 2011 mit den Sanierungsmaßnahmen begonnen — Geld und Auftrag stammten aus dem bayerischen Sonderprogramm „Energetische Sanierung staatlicher Gebäude“.

Reine Routinearbeit

Für den Leiter des Staatlichen Bauamtes, Baudirektor Dieter Maußner, gehörte dieser „Sanierungsfall“ zu den Routinearbeiten, weshalb die Behörde nach Abschluss der Arbeiten auch auf eine feierliche „Wiedereröffnung“ verzichtete. „Die Bibliothek war nie geschlossen – wir haben sozusagen bei vollem Betrieb gearbeitet.“ Mit dem Ergebnis ist er aber trotz fehlender Festlichkeit „sehr zufrieden“.

Zu den Arbeiten gehörte im konkreten Fall eine grundlegende Sanierung des Dachs, der Fassade und der Beleuchtung. Seit dem Abschluss der Maßnahme im Spätsommer 2012 sind Einsparungen von zirka 352 Tonnen CO2, entsprechend 1,1 Mio. kWh elektrischer Energie pro Jahr prognostiziert.

In Verbindung mit der dazu notwendigen massiven Verstärkung der Wärmedämmung durch eine 18 Zentimeter dicke Dämmschicht wurde auch die Fassade grundlegend verändert. Nach einem Entwurf von „Brückner & Brückner Architekten“ aus Tirschenreuth — sie haben sich mit ansprechenden Renovierungen des Heizkraftwerks Würzburg und des benachbarten Kunstmuseums Kulturspeicher einen Namen gemacht — konnte die ursprünglich geschlossene und monolithische Sichtbetonfassade aufgelöst werden. Die Fassaden des Sockelbaus und des Bücherturms wurden optisch über durchlaufende vertikale Bänder aus Natursteinelementen aufeinander verzahnt.

Die Betonung des ursprünglich roten Bücherturms wurde aufgehoben, seine Masse durch eine zum Himmel hin heller werdende Oberflächengestaltung aus Glas und Metall aufgelöst. Zusammen mit einigen schrägen Elementen soll ein Bild entstehen, das an Bücherrücken in Regalen erinnert. Der Sockelbau wird durch Verwendung von Naturstein und Putzfassaden in gedeckten Farben aus Beige-/Brauntönen die Bezüge aus der Nachbarbebauung aufnehmen. Insgesamt bekam die Bibliothek ein frischeres Gesicht, die Wärmedämmung„trägt“ nur wenig auf.

Abstimmungen

Die Gestaltung der Fassade wurde mit der Stadt und der zuständigen Denkmalschutzbehörde des Bezirks abgestimmt – wesentliche Einwände gab es von beiden Seiten nicht.

Galt in den 70er Jahren als ambitionierte Architektur: Der Waschbeton der Uni-Bibliothek wurde immer grauer, die Fassade unansehnlicher, und die Wärme verflüchtigte sich nach Belieben.



Allerdings verliefen die Renovierungsarbeiten bereits beim Beginn der Sanierungsmaßnahmen im April 2011 alles andere als ereignisfrei. Bei der notwendigen Abdeckung des Dachs, bei der die Außenhaut des Baus geöffnet wurde und innen ein zeltartiges Behelfsdach Regen abhalten sollte, passierte es: Ein sogenannter Starkregen drang durch das Zeltdach und richtete erheblichen Schaden an den Buchbeständen an.

Viele der rund 20.000 beschädigten Bände – überwiegend keine wertvollen Unikate – wurde nach Leipzig verfrachtet, wo sie mit einem Spezialverfahren zumindest erhalten werden sollen.
 

PETER MILLIAN

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