Erlanger Ärzte starten Transplantations-Projekt

8.7.2020, 18:30 Uhr
Hoffnung für alle, die auf Organspenden warten: In einem neuen Projekt wollen Erlanger Ärzte die Patienten fit machen für die Operation.

Hoffnung für alle, die auf Organspenden warten: In einem neuen Projekt wollen Erlanger Ärzte die Patienten fit machen für die Operation. © dpa

Herr Prof. Schiffer, wie groß ist die Freude über das Geld aus München?

Die Freude ist riesig, weil wir damit die Möglichkeit haben, eine Menge für unsere Patienten zu tun und letztlich nicht nur Leben retten können, sondern auch die Lebensqualität während der Wartezeit verbessern werden.

Was heißt das für die Betroffenen?

Patienten, die auf eine Nierentransplantation warten, brauchen einen langen Atem. In der Regel dauert es acht bis zehn Jahre, bis ein passendes Spenderorgan gefunden wurde. In dieser Zeit verschlechtert sich oft der Gesundheitszustand. Wir wollen, dass unsere Patienten, die auf eine Nierentransplantation warten, die Wartezeit nicht ungenutzt lassen. Wir wollen sie körperlich und mental auf die Transplantation vorbereiten. Denn je besser ein Patient in die Transplantation geht, desto besser kommt er da heraus.

Wo setzt das Projekt an?

Prof. Mario Schiffer

Prof. Mario Schiffer © Foto: Melanie Schmitz/Uniklinik

Wir wollen vor allem ältere Patienten erreichen, da sich bei ihnen der Gesundheitszustand schneller verschlechtert. Bewegung und Sport spielen dabei eine große Rolle und wir entwickeln individuelle Programme für jeden einzelnen. Da unsere Patienten ein unterschiedliches Leistungsniveau mitbringen, reicht unser Programm vom Leistungssport bis zum Mobilitätserhalt.

Wie oft passiert es, dass Kranke kein Organ bekommen, weil sie zu lange auf der Liste stehen?

Das hängt vom individuellen Gesundheitszustand und vom Alter ab. Die Verschlechterung erfolgt meist langsam und schleichend. 2019 standen auf der Warteliste des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg 503 Patienten, die auf eine Spenderniere warteten. Von den Patienten auf der Warteliste wurden 68 transplantiert. Drei Patienten schieden aus, weil sich der Gesundheitszustand so stark verschlechterte, dass sie für eine Transplantation nicht mehr in Frage kamen. 14 Patienten verstarben.

Welche Hoffnung steckt im Projekt?

Wir gehen von einer deutlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes durch das Training aus. Die genauen Auswirkungen sollen in einer begleitenden Studie untersucht werden.

 

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