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Mittwoch, 03.03.2021

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Erlanger Immobilienmarkt weiter unter Druck

Der Planungsausschuss beschäftigt sich heute mit dem Wohnungsbericht 2020 der Stadt - 23.02.2021 15:00 Uhr

Ein Schwerpunkt des Wohnungsbaus liegt im Westen Erlangens. Dort wird aber spätestens 2026 das bestehende Potenzial ausgereizt sein.

22.02.2021 © Christoph Thümmler


Laut Wohnungsbericht, der heute Thema im Planungsausschuss sein wird, hatte Erlangen zum Stichtag 31. Dezember 2019 114 200 Einwohner. "Wir wachsen also jedes Jahr zwischen 1 und 1,5 Prozent", so Baureferent Josef Weber. Dafür müsse natürlich auch ausreichend Wohnraum zur Verfügung stehen. Doch genau da wird’s problematisch.

Wie nämlich aus dem Wohnungsbericht für 2020 hervorgeht, sind zwar derzeit zahlreiche Wohnbauprojekte in der Planung bzw. in der Umsetzung. Außerdem werden im Außenbereich in den nächsten Jahren in Steudach, Häusling Nord, der Noetherstraße und in den letzten beiden Bauabschnitten von Erlangen-West II zahlreiche neue Wohnungen und Häuser gebaut. Trotzdem gehöre Erlangen nach wie vor zu den teuersten Immobilienstandorten in Bayern, so Weber weiter.

Beim geförderten Mietwohnungsbau gehen allerdings, nach einem Tiefststand 2016, die Zahlen wieder nach oben. Aufgrund diverser Stadtratsbeschlüsse befinde man sich deshalb in Erlangen laut Weber mittlerweile wieder auf einem "Normalstand".

Zusätzlich werde versucht, Hauseigentümer zum Ausbau von Dachgeschossen zu bewegen, was aber eher schleppend vorangeht, wie der Planungsreferent einräumt. Trotzdem würden jedes Jahr durch den Ausbau von Dachgeschossen rund 20 Wohneinheiten neu geschaffen. Auch Brachflächen will man "aktivieren". Jedes Jahr akquiriere man über das sogenannte Leerstandmanagement zwischen 20 und 30 Grundstücke.

Nachverdichtungspotenzial werde darüber hinaus auch weiterhin "in verträglichem Maß" ausgeschöpft, sagt Weber. Ein eher neuer Schwerpunkt ist hingegen die sogenannte kleinräumige Siedlungserweiterung, "wo wir versuchen, verdichtete Reihenhausbebauung zum Beispiel auf ehemaligen Kleingartenanlagen zu platzieren".

Doch das Ende der Fahnenstange scheint erreicht. So bildete die Nachnutzung von Brachflächen zwar jahrelang den Schwerpunkt der Innenentwicklung Erlangens. Beispiele hierfür sind die Entwicklung des Röthelheimparks sowie des FAG- und Gossen-Geländes. Das Potenzial für neue Wohnungen ist hier allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt weitgehend ausgeschöpft.

Langfristig dürfte es damit auf dem Erlanger Wohnungsmarkt eng werden. So wird voraussichtlich 2026 Erlangen-West II abgeschlossen sein. Danach ist Schluss, wurde doch bekanntlich "Erlangen-West III" per Bürgerentscheid abgelehnt. Die Folge ist laut Josef Weber eine Verknappung des Wohnraumangebotes. "Wir prognostizieren deshalb leider weiter steigende Mieten und Kaufpreise."

Wohnen sei nicht nur ein großes, sondern auch ein nicht immer konfliktfreies Thema, "weil es immer auch mit Veränderungen einhergeht", so OB Florian Janik gestern in einer Videokonferenz. "Ich bin nichtsdestotrotz froh, dass wir an manchen Stellen vorankommen." So steige seit einiger Zeit die Zahl der geförderten Wohnungen wieder.

"Wir nutzen aber auch andere Instrumente, wie die Zweckentfremdungssatzung, die seit vergangenem Jahr gilt." Damit hat die Stadt die Möglichkeit gegen Leerstände aber auch sogenannte "Fehlnutzungen" vorgehen zu können. "Wer über Wohnraum verfügt", so das Stadtoberhaupt weiter, "hat auch eine gesellschaftliche Verpflichtung, den zur Verfügung zu stellen."

Als einen weiteren Schwerpunkt nannte Janik das Thema Nachverdichtung. Dabei gehe es nicht darum, "einfach nachzuverdichten, um der Verdichtung willen", sondern dass eine höhere Wohnqualität und bessere Außenflächen geschaffen würden "und nicht die vielzitierte Wäschespinne zwischen zwei Häuserblocks". Eine zunehmende Rolle spielt laut Janik außerdem der Klimaschutz. Dazu habe die Stadt unter anderem Programme aufgelegt, um klimagerechtes Bauen zu unterstützen.

Selbstkritisch räumt Florian Janik allerdings auch ein, "dass wir es nicht geschafft haben, dass die Mieten auf dem freien Markt spürbar zurückgehen". Gleiches gelte auch für die Grundstückspreise. "Eine normale Familie kann sich den Erwerb von Wohneigentum, wenn wir als Stadt nicht die Finger mit drinnen haben, nicht mehr leisten."

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