Bundestagswahl 2021

Erlanger Kandidaten im Social-Media-Check

Markus Hörath
Markus Hörath

Erlanger Nachrichten

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21.9.2021, 06:00 Uhr
Social Media (Symbolbild).

 

Social Media (Symbolbild).   © Uli Deck/dpa/Illustration

Gemächlich schwebt eine Kamera über Bruck. Über fränkische Dachlandschaften, auf das älteste Kirchengebäude in Erlangens Stadtteil Bruck zu, die evangelisch-lutherische Kirche St. Peter und Paul. "Hier bin ich geboren", spricht eine Stimme aus dem Off. "Meine gesamte Kindheit habe ich sehr wohlbehütet im Erlanger Stadtteil Bruck verbracht."

Die Stimme gehört Martina Stamm-Fibich, die für die SPD im Bundestag sitzt und sich am 26. September erneut um ein Mandat bewirbt. Die Botschaft ihres Werbefilmchens ist klar: Ich bin eine von Euch, bodenständig, verwurzelt, nahbar.

Videos auf YouTube

Früher wäre ein solcher Spot, wenn überhaupt, weil viel zu teuer, im TV gelaufen. Heute heißt die Plattform YouTube und befindet sich im Internet.

Politiker, und solche, die es werden wollen, nutzen längst nicht mehr nur die eigene Homepage, um sich und ihre Inhalte unters Wahlvolk zu bringen. Die Politik hat sich auch in den Sozialen Netzwerken eingenistet. YouTube, Facebook, Instagram - kaum eine Plattform, die mehr oder weniger nicht von Politikern "bespielt" wird.

Mittlerweile bestimmen Algorithmen den Wahlkampf im Internet. Vor allem junge Wählerinnen und Wähler bewegen sich wie selbstverständlich auf Social Media – und informieren sich dort über alles Mögliche, auch über Politik. Zusätzlich hat die Corona-Pandemie den Wahlkampf mehr und mehr in den digitalen Raum verlagert.

Einer, der schon immer Social Media zur Verbreitung der eigenen Botschaften genutzt hat, ist Stefan Müller. Allein auf Facebook hat der Erlanger CSU-Abgeordnete über 2000 "Freunde".

Anders als Martina Stamm-Fibich, die, je näher der Wahltermin rückt, in immer kürzeren Intervallen Posts über Facebook absetzt, ist für Stefan Müller Twitter, der Social-Media-Dienst seiner Wahl. Hier bringt es der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag auf über 8500 Follower. Zum Vergleich: Martina Stamm-Fibich kommt gerade mal auf 951.

Aktive Kandidatinnen

Mit YouTube hat es Müller nicht so. Ganz anders seine Mitbewerber: Nicht nur Martina Stamm-Fibich ist auf YouTube vertreten. Auch die Grünen-Kandidatin Tina Prietz oder Susanne Henig, die für die Klimaliste Erlangen antritt, werben auf dem Videoportal für sich und ihre politischen Vorstellungen. Als Location dient dann schon mal das Kanzleramt oder der Reichstag.

Intensiv nutzt YouTube der Bewerber der FDP, Ralf Schwab. Unter dem Motto "Junge Fragen an einen nicht so jungen Kandidaten" (Ralf Schwab ist 63), stellt sich der Bundestagskandidat Fragen zum Klimaschutz und zum Thema Freiheit. In einem anderen Video nimmt er Stellung zu Forderungen der Jungbauern.

Instagram - die erste Wahl, um Jüngere zu erreichen

Besonders hat es den Kandidatinnen und Kandidaten aber der Onlinedienst Instagram angetan. Instagram ist eine Mischung aus Microblog und audiovisueller Plattform und ermöglicht es, Fotos auch in anderen sozialen Netzwerken zu verbreiten. Und mit Instagram erreichen die Bewerberinnen und Bewerber deutlich jüngere Wählerschichten als zum Beispiel mit Facebook.

Spitzenreiter ist, zumindest was die Zahl der Abonnenten angeht, zwar hier wieder der CSU-Parlamentarier Stefan Müller. Ihm folgt aber dicht Anna-Carina Häusler, die die Freien Wähler im Wahlkreis ins Rennen schicken, und die, im Vergleich zu Müller, politisch noch ein unbeschriebenes Blatt ist, dafür aber deutlich virtuoser mit dem Medium Instragram umgeht.

Bescheidene Reichweiten

Trotzdem: Betrachtet man die Zugriffszahlen und die Zahl der Follower, Abonnenten oder Freunden, so sind die Reichweiten im virtuellen Wahlkampf, zumindest auf lokaler Ebene, zum Teil eher mäßig.

Martina Stamm-Fibichs YouTube-Video kommt zum Beispiel nur auf bescheidene 107 Aufrufe (Stand: Montag, 20. September). Im Straßenwahlkampf dürften so viele Kontakte vermutlich innerhalb von wenigen Tagen erreicht sein.

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