Erlanger Kultur will es ein bisschen wissen

8.5.2021, 18:30 Uhr
Leere Stuhlreihen: So wird es im Erlanger Markgrafentheater noch fast bis Monatsende aussehen, bevor man wieder den Vorhang öffnet.

Leere Stuhlreihen: So wird es im Erlanger Markgrafentheater noch fast bis Monatsende aussehen, bevor man wieder den Vorhang öffnet. © Theater Erlangen

Es geht wieder los! Mit angezogener Handbremse zwar, aber es geht wieder los. Die Kultur in der Stadt darf respektive dürfte am Montag, 10. Mai, wieder loslegen, da Erlangen den passenden Inzidenzwert dafür hat. Aber legt sie auch tatsächlich wieder los? Die Erlanger Nachrichten haben sich unter den Kulturanbietern umgehört.

Die euphorischste Reaktion kommt ausgerechnet aus Nürnberg, der Stadt mit einem (zu) hohen Inzidenzwert: Wolfram Weber, Chef des dortigen Multiplex-Kinos Cinecitta, will sein Erlanger Lichtspielhaus, das Manhattan Deluxe Kino in der Güterhallenstraße, gleich am 10. Mai wiedereröffnen. "Da die Inzidenz in Erlangen bereits seit einiger Zeit unter dem Schwellenwert liegt, zögern wir natürlich keine Minute und freuen uns sehr, dass wir im Manhattan Deluxe Kino ab Montag wieder Gäste im Café-Außenbereich und in den Sälen begrüßen dürfen", heißt es aus dem Hause Manhattan.

Negativ-Test Pflicht

An Filmen für die nächsten Monate mangele es nicht. Bevor die neuen, erwartbaren Blockbuster jedoch anlaufen, kommen in der ersten Zeit noch einmal Filme wie "Jim Knopf", "Gott, du kannst ein Arsch sein" oder "Tenet" zur Wiederaufführung. Natürlich unterliegt der Besuch im Manhattan zunächst noch den Regeln der "neuen Normalität": Ticket-Buchung und/oder Gastro-Reservierung, Einhaltung von Abstand und Maskenpflicht bis zum Sitzplatz. Bei einer derzeitigen Inzidenz zwischen 50 und 100 ist außerdem ein tagesaktueller Negativ-Test Pflicht (entfällt für vollständig Geimpfte und Genesene).

"Ich freue mich über jedes Kino, das aufmacht, aber finanziell bringt das nichts", sagt Peter Zwingmann, gemeinsam mit Elisa Coburger Betreiber der Lammlichtspiele in der Hauptstraße. Mehr als eine bloße "Öffnungsoption" könne das Lockerungsangebot nicht sein, das so nur in Bayern existiere. "Verleiher von Programmkino-Filmen haben diese bereits in den Juni verschoben", so Zwingmann. Man hatte erwartet, erst später aufmachen zu dürfen, "was die Branche braucht, ist eine vernünftige Öffnungsstrategie." Etliches habe man in der Zwischenzeit im Kino renoviert, "und um den Leuten etwas zu bieten, werden wir probeweise öffnen". Zwingmann geht "guten Gewissens" vom 20. Mai aus, "das ist mein persönliches Ziel."

Digitale Angebote

Und was passiert auf den Bühnen? Das Theater Erlangen, das seinen Mai-Spielplan wohlweislich mit kleineren digitalen Angeboten bestückt hat, startet hoffnungsfroh mit den Wiederaufführungen der "Bartholomäusnacht" im Markgrafentheater am 30. und 31. Mai ins Analog-Frühjahr.

Die Kleinkunstbühne "fifty fifty" in der Südlichen Stadtmauerstraße würde trotz des "der Situation geschuldeten, nicht vorhandenen Vorverkaufs" am 15. Mai Lizzy Aumeier ihr "Best of"-Programm und vielleicht noch Klaus Karl-Kraus am 19. Mai sein "Kerwa Gschmarri" präsentieren lassen, aber es stünden noch viele Fragezeichen im Raum und Denkprozesse an. Die Schwierigkeit der erforderlichen Testung an einem Wochenend-Tag bereite noch Sorgen, "ansonsten müssten sich die Besucher vor unseren Augen testen", so "Fifty"-Vorstandmitglied Cindy Lang. Die finale Entscheidung über die Durchführung der beiden einzigen Mai-Vorstellungen falle jedoch erst demnächst.

Nur Online-Formate

Auch im Kulturzentrum E-Werk an der Fuchsenwiese geht man die Sache vorsichtig an: "Den Mai über konzentrieren wir uns jetzt noch auf unsere bereits geplanten Online-Formate, Streaming-Konzerte und auf Aktionen, wie beispielsweise ,Kurzfilme auf dem Dach‘. Parallel dazu bereiten wir uns natürlich auch schon auf die mögliche Öffnung im Juni vor. Wir haben ein sehr gutes Hygienekonzept und entwickeln dieses stetig weiter. Insofern sind wir optimistisch, dass wir diesen Sommer wieder viele schöne Kulturerlebnisse in unserem E-Werk-Garten und natürlich auf der Kulturinsel Wöhrmühle anbieten können", erklärt E-Werk-Geschäftsführer Jan Dinger.

Unschwer zu sehen: Die Kultur agiert vorsichtig und hält den Ball erstmal flach.

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