Freitag, 26.02.2021

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Erlanger Original singt den Mundart-Blues

Winni Wittkopp hat mit Musikerfreunden ein neues Album herausgebracht - 17.01.2021 15:30 Uhr

Glücklich, wer ein solches Wohnzimmer hat: Gitarrist Winni Wittkopp (rechts) und Pianist Arne Unbehauen haben musikalischen Spaß.

14.01.2021 © Harald Sippel


Wissen Sie, was ein "Schlenderer" ist? Na klar: Das ist ein mit offenen Augen und Sinnen vor sich hin gehender Spaziergänger ohne großes Ziel, ein die schönen Dinge, Situationen und Menschen genießender Flaneur, ein Gourmet des intensiv beobachteten Augenblicks. Das kann man aber auch so sagen: "Ich bin a Schlenderer/Wu gern flanierd und rumspazierd/Ich schlender durch die Gegnd/Ergendwos gibbds immer zu sehng/Ich bin halt a Schlenderer/Der wu genießd und schnabulierd."

Eine Lebenseinstellung in fränkischer Mundart, das Ganze als Songtext von Helmut Haberkamm, in musikalischer Form dargebracht von Sänger, Gitarrist und Perkussionist Winni Wittkopp: Nur eines von 14 Liedern, die auf der nagelneuen Winni Wittkopp-CD "Derhamm bis dordhinaus" versammelt sind.

"Du wirst bald 70, jetzt mach noch mal was", soll der fränkische Mundart-Poet, Schriftsteller, Dramatiker und Lehrer Helmut Haberkamm zu seinem langjährigen Freund Winni Wittkopp, fast 40 Jahre Ensemblemitglied am Theater Erlangen, gesagt haben. Eine Musik-Produktion sollte es sein. Reaktion Wittkopp: "Wer kauft denn in Corona-Zeiten eine CD?"

Lokaler Zungenschlag

Aber Haberkamms Songtexten ist schlecht zu widerstehen: Was der im hiesigen Sprach-Idiom zu sagen hat, ist nicht tümelnd, sondern tief menschlich, mal voll des Schalks ("Flindn im Korn"), mal nachdenklich ("Middwochskind"), mal melancholisch ("A boor Jährli scho aufm Buggl"). Wahr- und Weisheiten, so was von authentisch im lokalen Zungenschlag, ungefiltert durchlebbar in Gehirn und Gefühl, dass der dem Dialekt oft angedichtete klamottenhafte Blödsinn keine Chance hat.

Frecher Schlaks: Winni Wittkopp im Alter von vier Jahren auf dem CD-Cover.

14.01.2021 © Repro: EN


Also das war dann schon mal klar. Aber ein Musiker braucht halt auch Musiker-Kollegen, um was zu schaffen. Und die, Kumpels seit vielen Jahren, hat Wittkopp dann um sich versammelt: Den Pianisten und Sänger Arne Unbehauen (der den Schluss-Song "Nunni Goddseidank" solo singt), den Bassisten Heinrich Filsner sowie den Multi-Instrumentalisten Udo Schwendler, der mittels Akkordeon, Klarinette, Trompete und aller möglichen Saxofon-Arten dem musikalischen Grundgerüst der Lieder, dieser ganz spezifischen Gemengelage aus Blues, Swing und Folk, obendrauf einen enormen Schliff gibt.

"Absolute Ensemblearbeit"

Komponiert und sich eingebracht wurde im Übrigen, und das ist Winni Wittkopp wichtig, gemeinsam, "das ist eine absolute Ensemblearbeit". Und wo wurde geprobt? In Wittkopps Wohnzimmer in der Luitpoldstraße, stets unplugged in Zimmerlautstärke zwischen 18 und 20 Uhr, "man will es wegen der Nachbarn ja nicht übertreiben." Und aufgenommen wurde das Ganze dort auch – mittels Filsners mobilem Studio, technisch ja alles heutzutage kein Problem mehr. "Ich wollte, dass dieser Wohnzimmercharakter unbedingt erhalten bleibt", sagt Wittkopp.

Gespielt haben alle unentgeltlich in jenem "gelockerten" Corona-Sommer 2020, allein das städtische Kulturamt gab einen Zuschuss. Alles gut, nur die geplante, livehaftige Vorstellung des Albums im "fifty fifty" muss freilich auf sich warten lassen.

Nur eines noch: "In der Waldstraß" ist ein wunderbar nostalgischer Song, in dem Winni Wittkopp sein Aufwachsen in besagter Straße beschreibt. Sehr plastisch, halt menschlich.

Die CD kann zum Preis von 16,99 Euro bei Bongartz in der Hauptstraße und beim Schallplattenmann in der Fahrstraße oder unter winni.wittkopp@t-online.de beim Meister gleich direkt bestellt werden. Der bringt sie dann sogar persönlich vorbei.

Weitere Infos zum Musiker Winni Wittkopp

MANFRED KOCH

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