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Erlanger Poetenfest wird zur Krimi-Kulisse

Autor Johannes Wilkes lässt Kommissar im Literatenmilieu ermitteln - 25.08.2019 18:00 Uhr

Der Erlanger Autor Johannes Wilkes lässt seinen Kommissar im Literatenmilieu ermitteln. © Harald Sippel


Wer es bisher nur ahnte, erfährt nun Gewissheit: Literatur ist ein mörderisches Geschäft. Und Literaturfestivals wie das Erlanger Poetenfest sind eine Mordsgaudi, die stets von leisem Horror begleitet sind. "Tod auf dem Poetenfest" heißt denn auch der jüngste Kriminaltango, den der Erlanger Schriftsteller und Psychiater Johannes Wilkes komponiert hat. Auf 199 Seiten breitet der Autor des "Frankenkrimis" (so sein Verlag in Cadolzburg) ein Tableau vertrauter Orte auf und lässt seinen bereits aus Vorgängerkrimis bekannten Kommissar Mütze einen verwirrenden Fall lösen.

Wilkes hat dazu ein langes Erzählband geschickt verknotet und verdreht, so dass dem Leser gelegentlich etwas schwindlig wird, wenn immer neue Figuren auftauchen, die eines gemeinsam haben: sie alle kennen das Mordopfer, einen bekannten Großschriftsteller. Der, so der Auftakt, erscheint zum stets gut besuchten Autorenporträt im Markgrafentheater zum Entsetzen des Publikums und der Moderatorin ("der Grande Dame der deutschen Literaturkritik") nicht, da er – so spielt das Leben – gerade erstochen wurde.

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Live-Radio und Lesungen in der Sonne: Der Sonntag auf dem Poetenfest

Ein gelungener Auftakt in den Bücherherbst: Beim 38. Poetenfest in Erlangen waren auch am Sonntag wieder viele tolle Dinge für die Besucher geboten. Das bekannte Büchermagazin "Diwan" vom Bayerischen Rundfunk meldete sich aus der Orangerie im Schlossgarten, im Palais Stutterheim las Autor Raoul Schrott und auf dem Hauptpodium sprachen unter anderem die Schriftsteller Ursula Krechel und Thomas Klupp.


Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass das gesamte Personal des Krimis (diverse ex-Freundinnen und deren Anhang) gute Gründe gehabt haben könnte, den hofierten Literaten in seinem Hotel "Kleiner Markgraf" zu meucheln, war dieser doch im Privatleben ein rechter Stinkstiefel und hinterließ in seinen Beziehungen nur Verwüstungen.

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Kommissar Mütze (dessen Vorname erneut im Dunkeln bleibt wie der Nachname seines besten Freundes und Lebensgefährten Karl-Dieter) hat jedenfalls alle Hände voll zu tun, um seinem Opel Manta die nötigen Kilometer für die Recherche abzunötigen – Radfahren ist Mützes Sache selbst in jener Stadt nicht, deren Gastronomie, Kult(ur)stätten und Geschäftswelt der Autor so akribisch auflistet, dass der Roman auch als Stadtführer dienen könnte. Und vom gemeinsamen Heim Mützes und Karl-Dieters erfährt man immerhin so viel, dass es im ruhigen Kosbach liegt und somit den Manta rechtfertigt.

Kalauer und Kinderwunsch

Um dem Leser seine Figuren näher zu bringen breitet Wilkes in inneren Monologen den Kinderwunsch in seiner Männer-Lebens-WG aus oder lässt Kalauer ("Je ermordeter ein Autor, desto mehr bestsellerten seine Bücher") vom Stapel. Den Kriminalfall selbst löst der völlig literaturferne Mütze mit seinen gerade zwei Büchern (eines über Borussia Dortmund und eine Reparaturanleitung für sein Auto) eher per Zufall, wollten doch für den Mord etliche Verdächtige die Verantwortung übernehmen und stellten den Kommissar vor die undankbare Aufgabe, ihre Unschuld zu beweisen.

Die Auflösung sei deshalb auch nicht verraten, nur so viel: Man wünscht Wilkes ein besseres Verhältnis zu seinem Verleger als dem Mordopfer.

Johannes Wilkes, Tod auf dem Poetenfest – ein Frankenkrimi, Verlag Ars vivendi, 189 Seiten, 13 Euro. Der Krimi ist auch in der EN-Geschäftsstelle, Hauptstraße 38, sowie in der NN–Geschäftstelle in Herzogenaurach, An der Schütt 26, erhältlich. 

PETER MILLIAN

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