Corona-Krise

Erlanger Schausteller stehen wieder auf den Plätzen der Stadt

21.6.2021, 14:10 Uhr
Die Familie Rudolph mit Elisabeth, Sabrina und Werner (v.l.) betreibt einen Süßigkeitenstand und einen Langos-Stand auf dem Beşiktaş-Platz. 

Die Familie Rudolph mit Elisabeth, Sabrina und Werner (v.l.) betreibt einen Süßigkeitenstand und einen Langos-Stand auf dem Beşiktaş-Platz.  © Klaus-Dieter Schreiter, NN

Nachdem bislang alle Kirchweihen abgesagt wurden, sind sie dafür außerordentlich dankbar. „Dieser Lockdown war für uns sehr frustrierend, weil wir ja sonst nichts an Einnahmen haben“, sagt Jutta Kunstmann. Darum hätten die Schausteller die Stadträte engeschrieben „und auf die Misere hingewiesen“. Das scheint gewirkt zu haben, obwohl die Stadt ja schon im März angekündigt hatte, dass man wie im vergangenen Jahr auch in diesem Jahr die Schausteller unterstützen wolle, etwa mit dezentralen Möglichkeiten, ihre Geschäfte aufzustellen.

Wirtschafts- und Bergreferent Konrad Beugel machte seinerzeit aber auch deutlich: „Für konkrete Pläne ist das aktuelle Pandemiegeschehen noch viel zu unsicher. Ich will aber auch in aller Deutlichkeit sagen, dass es keinen wie auch immer gearteten ‚Ersatz-Berg' geben wird".

Nun hat sich das Pandemiegeschehen bekanntlich deutlich entspannt, und darum haben die Erlanger Schausteller offen recht kurzfristig und für sie überraschend die Erlaubnis erhalten, ihre Stände in der Stadt aufzustellen. „Am Donnerstag um halb sechs hat man uns angerufen und uns mitgeteilt, dass wir sofort wieder unsere Stände aufstellen dürfen“, sagt Jutta Kunstmann. „Da waren wir alle wie vor den Kopf geschlagen“. Denn so schnell können sie die gar nicht wieder herrichten. Der Wagen musste schnell zum TÜV, dann musste die Ware besorgt werden. „Das war nicht so einfach“. Aber es hat geklappt, und seit letzten Freitag stehen die Kunstmanns wieder auf dem Hugo. Das Geschäft könnte besser sein, aber sie sind nicht unzufrieden.

Auch die Kunstmann-Nichten Samara und Tayra haben ihren Imbisstand wieder ausgegraben. Sie stehen neben der Brasserie an der Ecke Henkestraße / Nürnberger Straße. „Wir wären schon längst wieder woanders, und zwar in Wolkersdorf, wenn es die Pandemie nicht gäbe“, erzählt Samara. Schon das zweite Jahr in Folge keine Kirchweihen besuchen zu dürfen, das sei schon hart. Und da derzeit nicht gerade „Würstchenwetter“ sondern mehr „Eiswetter“ sei, laufe das Geschäft eher schleppend. Total zufrieden ist hingegen Werner Rudolph. Er strahlt regelrecht in seinem Verkaufswagen auf dem Beşiktaş-Platz. Zwar ist auch er überrascht worden von der plötzlichen Öffnungsmöglichkeit, aber er und seine Familie haben das hinbekommen. „Wir sind sehr glücklich, dass wir hier stehen dürfen“, sagt er.

"Sehr zufrieden"

Mit dem Anfang könne man „sehr zufrieden“ sein. Die ganze Familie hilft mit in dem Stand. Und nebenan verkauft Tochter Daniela auch noch Langos. Deren Geschäft läuft ebenfalls gut. „Wir leben alle aus einer Kasse, und es reicht“, strahlt der Chef zufrieden. Nicht ganz so gut läuft es derzeit noch bei Jürgen Segitz, der auf dem Beşiktaş-Platz sein Karussell aus dem Jahre 1930 betreibt. Aber auch er ist dankbar, dass der dort stehen darf. „Weihnachten 2019 habe ich die letzten Einnahmen gehabt“, erinnert er sich.

Für sein Karussell sei der Beşiktaş-Platz ideal. „Im letzten Jahr waren wir sechs Wochen hier, das war okay“. Wie die anderen Schausteller wird er aber am 25. oder 26. Juni sein Geschäft wieder abbauen. Dann würden neue Schausteller die Gelegenheit bekommen, ihre Geschäfte in der Stadt zu machen, erläutert er. Und danach, so hoffen Segitz, die Frauen der Kunstmänner und die Rudolphs, dürfen sie vielleicht noch einmal in die Stadt. „Wir müssen doch irgendwie unseren Lebensunterhalt bestreiten“, sagt Jutta Kunstmann.

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