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Erlanger Schulen für Distanzunterricht gut gerüstet

Einrichtungen profitieren von den Erfahrungen des ersten Corona-Lockdowns - 09.01.2021 15:26 Uhr

Lernen und arbeiten von daheim: Corona zwingt die Schülerinnen und Schüler erneut in den Distanzunterricht – für den die Schulen immerhin gut gerüstet sind.

08.01.2021 © imago images/Westend61/Mareen Fischinger


Wie seine Kolleginnen und Kollegen in den Schulen der Region bereitet sich Schell derzeit wieder auf eine Unterrichtsphase vor, in der Schülerinnen und Schüler aus Gründen des Infektionsschutzes daheim unterrichtet werden: Lehreinrichtungen sollen nicht zu potenziellen Corona-Hotspots mutieren.

Einstieg klappt reibungsloser als 2020

Fragt man in Erlangen und im Kreis Erlangen-Höchstadt nach, dann fällt auf, dass der Einstieg in das erneute Lernen und Lehren "auf Abstand" deutlich reibungsloser zu klappen scheint als beim ersten Corona-Lockdown im März 2020. Man hat die damals gemachten Erfahrungen in tragfähige Konzepte übersetzt, hat sich Gedanken über Schwachpunkte gemacht und erfolgreich nach Lösungen gesucht. Kaum eine Schule egal in welchem Ausbildungszweig setzt ausschließlich auf das "Mebis"-Internetportal des bayerischen Kultusministeriums. Die Lernplattform hat sich als deutlich störanfälliger und instabiler erwiesen als es für einen reibungslosen Unterricht erforderlich ist.

Niedrigschwelliges Software-Werkzeug

So beschreibt etwa Oberstudienrätin Annette Grasnick, stellvertretende Chefin des Erlanger Emmy-Noether-Gymnasiums ein "Vier-Säulen-Modell", mit dem das Gymnasium ab Montag arbeiten will. Grundlage ist das bewusst niedrigschwellige und zudem kostenlose Plattformtool "Padlet". Eine "digitale Pinnwand", über die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeitsaufträge und wichtige Informationen bekommen. Übrigens eine Software, die vom Kultusministerium in München vorgeschlagen wurde. Es gibt Strukturpläne, die als Grundlagen für einen Schultag dienen. Videokonferenzen laufen am "Emmy" über die Open-Source-Software "BigBlueButton".

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Dritte Säule ist besagtes "Mebis", das als ein Baustein beziehungsweise Werkzeug unter mehreren betrachtet wird und so am Emmy-Noether-Gymnasium nicht in akuter Überlastungsgefahr schwebt. Annette Grasnick betont, dass es dennoch die persönliche Ansprache braucht, zumal "niemand sechs Stunden am Stück in einen Computerschirm starren" könne. Auch an der Realschule Herzogenaurach gibt Schulleiter Ulrich Langer eine klare Struktur vor, die sich am normalen Schulalltag orientiert.

"Weckruf" am PC

Das bedeutet, dass die Schüler sich zu einer definierten Uhrzeit zum "Weckruf" vor ihren digitalen Endgeräten daheim einfinden. An der Realschule habe sich die Software "Microsoft Teams" als "Eingangstür" bewährt, berichtet Ulrich Langer. Andere Schulen sind von dem Microsoft-Produkt weniger begeistert, zumal es Geld kostet (wofür derzeit das Kultusministerium aufkommt) und die Lizenzen dafür regelmäßig verlängert werden müssen, was bei Freeware-Produkten erfahrungsgemäß wegfällt. Einig ist man sich an den Schulen, einen Mix aus individuellen Arbeitsphasen und gemeinschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Lehrstoff zu pflegen. Das funktioniert auch an Herzogenaurachs Mittelschule, bei der laut Schulleiter Helmut Nicklas selbst praxisorientierte Unterrichtseinheiten wie beispielsweise Kochkurse gut funktionieren.

Interessenskonflikte bleiben nicht aus

Neidisch dürften manche Schulen auf die technischer Ausstattung der Mittelschule sein, die nach Nicklas’ Worten unter anderem über eine eigene Cloud und ein sicheres Intranet verfügt. Ulrich Langer hat an jene Realschüler, die nicht über entsprechende Hardware verfügen, stationäre Computer, aber auch iPads als Leihgeräte ausgegeben. Was er und seine Mitstreiter nicht verhindern können, sind Familien-interne Interessenskonflikte: Wenn Eltern und Kinder gleichzeitig den heimischen Internetanschluss nutzen müssen, weil beide Gruppen von zuhause arbeiten (müssen), dann geht auch eine schnelle DSL-Verbindung erfahrungsgemäß in die Knie. Nora Leykamm leitet das Erlanger Emil-von-Behring-Gymnasium – und freut sich, dass der Einstieg in den Distanzunterricht "gut läuft". Das Problem mit dem doppelt genutzten Internet-Anschluss ist ihr und ihrem Team bewusst. Darum gibt es Wochenpläne, aus denen hervorgeht, wann Schulkinder etwa Videokonferenzen haben.

Gute Stimmung

Norbert Schell, der auch mittelfränkischer Bezirksvorsitzender der "BayDV", der "Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der bayerischen Gymnasien", ist, sieht die Schulen für den Distanzunterricht gut vorbereitet. Lehrer, Schüler und Eltern seien darüber informiert, was auf sie zukommt, die Stimmung sei den Umständen entsprechend gut.

Dennoch "fährt man auf Sicht", zumal sich nicht vorhersagen lässt, wie sich die Infektionszahlen entwickeln werden. Für einen Fehler halten Schell und Leykamm den Plan, die Faschingsferien zu "kassieren": Nach mehreren Wochen Unterricht am Stück brauche es eine Pause.

hvd

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