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Erlanger träumen von einer „Regnitzstadt“

Landesgartenschau 2024: Ein Freundeskreis setzt sich für eine erfolgreiche Bewerbung und besondere Umsetzung des Projektes ein - 21.01.2016 06:00 Uhr

Zukunftsidee: Der verwandelte Großparkplatz, auf dem Häuser und Cafés entstehen sollen, gehört zu den Vorschlägen, die der Freundeskreis entwickelt. © Harald Sippel


Es ist eine Idee, eine Vision für Erlangen, die ganz unterschiedliche Menschen zusammenbringt. Dieter Haack, der ehemalige Bundeswohnungsbauminister, und der Journalist Clemens Heydenreich gehören zu der Gruppe, genauso wie die Architektin Carina Drechsler oder etwa die Pfarrgemeinderätin Katharina Martini. 14 Mitglieder zählen zu dem Freundeskreis, und alle haben ein einziges Ziel vor Augen: Im Jahr 2024 die Landesgartenschau nach Erlangen zu holen.

„Der Freundeskreis, dem Frauen und Männer aus unterschiedlichen beruflichen und ehrenamtlichen Bereichen angehören, sieht in der geplanten Landesgartenschau ein besonders geeignetes Mittel für die zukünftige Entwicklung Erlangens“, erklärt Dieter Haack.

Der Oberbürgermeister Florian Janik, ein Befürworter der Landesgartenschau, so erzählt Haack, habe ihn gefragt, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn sich ein Kreis aus der Bürgerschaft bilde. „Mache ich“, hat Haack dem Bürgermeister geantwortet und Unterstützer gesucht und gefunden — Leute, die sich sonst auch ehrenamtlich engagieren, die kein berufliches Interesse an dem Engagement hätten, betont Haack.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Eine Chance, die man unbedingt nützen müsse, ist die Landesgartenschau für die Mitglieder des Freundeskreises: „Die Ausrichtung der Landesgartenschau in Erlangen ist eine großartige Möglichkeit für nachhaltige Stadtentwicklung“, sagt die Architektin Carina Drechsler.

Engagiert: Clemens Heydenreich, Carina Drechsler und Dieter Haack (v. l.) sehen in der Landesgartenschau eine Chance für die Entwicklung der Stadt. © Giulia Iannicelli


Gerade der geplante Veranstaltungsort habe mit den in der Stadtentwicklung eher vernachlässigter Flächen Wöhrmühlinsel, Regnitzgrund und Großparkplatz ein enormes Potenzial. Den Großplatz stellt sich Drechsler etwa als einen Ort vor, auf dem langfristig die Parkplätze in einem hohem Gebäude gestapelt werden und so einen Lärmriegel bilden. Geschäfte, Cafés und auch die in Erlangen dringend benötigte Wohnbebauung wäre so möglich.

Für Clemens Heydenreich, der in der Altstadt wohnt, geht es um die zukünftige Infrastruktur, darum „strukturelle Defizite zu bereinigen“. Altstadt und nördlicher Regnitzgrund gehörten zusammen, sagt er. Beide aber drohten zu veröden, weil der Bahndamm und die A 73 und das unansehnliche Westparkplatz-Gelände sie voneinander trennen.

Heute leide die Altstadt unter mangelndem Zulauf, weil sie zum Westen kein einladendes Portal bietet. Und auch der Regnitzgrund leide unter mangelndem Zulauf, weil viele Bürger ihn gar nicht mehr so recht wahrnehmen, sagt er und es klingt wirklich so, als ob er mitleide.

Die Chancen sehen die Befürworter — natürlich. Aber was ist mit den Schwierigkeiten, mit den Herausforderungen? Wie sieht es zum Beispiel mit der Finanzierung aus, in einer Stadt, die eh schon sehr viele Projekte anpackt und immer wieder mit Überraschungen bei den Gewerbesteuereinnahmen leben muss?

Die finanzielle Belastung halten die Mitglieder des Freundeskreises für akzeptabel. Die Stadt erhalte Zuschüsse, lautet ein Teil ihrer Antwort. Ein Großteil der Maßnahmen werde Eins-zu-Eins gefördert, sagt Drechsler. Zudem profitiere die Stadt von dem Wettbewerb, der zur Realisierung der Landesgartenschau ausgelobt werde. Architekturbüros, die ja ihre Kompetenz beweisen wollten, würden Entwürfe präsentieren, die sich die Stadt nie leisten könnte. Stadtentwicklung, die eh auf der Agenda stehe, werde quasi so frei Haus geliefert.

Mit der Natur arbeiten

Auch für Dieter Haack ist das Ergebnis der Abwägung eindeutig: „Die von Erlangen zu tragenden Kosten sind im Blick auf den Nutzen des Projektes für die Stadt und die zu erreichenden Zuschüsse auf jeden Fall zu rechtfertigen“, sagt er in schönem Politikerdeutsch.

Was ist aber mit den Überschwemmungsgebieten in den Regnitzwiesen, die Kritiker immer wieder als Gegenargument vorbringen? Auch diese Herausforderung hält der Freundeskreis für beherrschbar. Man dürfe halt die Botanik nicht gegen den Strich bürsten, sagt Clemens Heydenreich. Man müsse mit der Natur so arbeiten, wie sie sei und in den Überschwemmungsbereichen entsprechenden Biotope anlegen. Die traditionelle Blumenpracht einer Landesgartenschau sieht er in einer ersten Phase auf dem Gelände des Großparkplatzes verwirklicht.

Die Einschätzung wird vom städtischen Baureferent Josef Weber und auch von Ulrich Fitzthum, dem Leiter des Wasserwirtschaftsamts Nürnberg, bestätigt: „Die Durchführung einer Landesgartenschau in den vorgesehenen Bereichen wird grundsätzlich als machbar bzw. die einhergehenden Fragestellungen mit technischen oder landschaftsorientierten Maßnahmen als lösbar erachtet“, lautet ihre Stellungnahme.

Dem Journalist und 2. Vorsitzenden der Goethegesellschaft liegt die Bewerbung und die Entwicklung des Areals wirklich am Herzen: „Ich träume“, hat er in einem Statement geschrieben, „von einem Stadtteil „Regnitzstadt“ auf dem heutigen Westparkplatz-Areal, der Bürger aus Innenstadt und Alterlangen nicht mehr trennt, sondern zusammenführt, von einem Eventgelände an der Wöhrmühlinsel, von einer Brücke über die Autobahn und von einem flutsicheren Radler- und Fußgängerdamm über den ganzen Regnitzgrund. Und letzten Endes von einer Innenstadt, die dank all dieser dringend nötigen Neuerungen wieder jene Wertschätzung erhält, die sie verdient.“

 

RALF H. KOHLSCHREIBER

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