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Erlangerin in den Anden gestrandet

Studentin Sophia Belzner aus Erlangen musste wegen der Coronakrise auf Abreise warten. - 10.05.2020 12:00 Uhr

Alle Hände voll zu tun: Sophie Belzner beim Packen von Lebensmitteln für Peru.


Mitte Februar war die 20-Jährige nach Peru geflogen. Das sei in einer Zeit gewesen, "in der Covid-19 zwar schon in Deutschland angekommen war", aber mit so drastischen Auswirkungen habe niemand rechnen können, schildert die Studentin den Beginn ihrer Reise in das südamerikanische Land. Zu Beginn des Semesters Mitte März wollte sie wieder zurück sein.

Zunächst war die Arbeit in dem Dorf ganz normal: Unterstützung bei Therapien der Kinder mit Behinderung, administrative und logistische Aufgaben wie das Verwalten der Kleiderkammer. Auch lernte Sophia Belzner einen Kurzzeitler an. Am 6. März kam die Meldung, dass es in Lima, der Hauptstadt Perus, einen Coronainfizierten gebe. In den Anden ist Lima weit weg.

Lockdown in Peru

Am 16. März verkündete die peruanische Regierung den kompletten Lockdown des Landes. Ausgerufen wurde auch der nationale Notstand, so Sophia Belzner, "der Militär und Polizei mehr Freiheiten einräumt". Alle Grenzen waren dicht, zum Einkaufen musste ein Mundschutz getragen werden. "Uns als Weißen wurde insgesamt von öffentlichem Auftreten abgeraten, da wir als Schuldige für Corona gesehen wurden", schildert Sophia Belzner die Situation vor Ort. Das Fahren mit einem privaten Pkw war auch untersagt.

In dem Indianerdorf hätte im Juni ein Zufluchtshaus für Frauen mit Gewalterfahrung eröffnet werden sollen. Im peruanischen Lockdown wurden auch diese Arbeiten eingestellt. Polizei und Militär achteten darauf, dass die Vorschriften eingehalten werden. Ein paar Tage später wurden die Regeln verschärft, so Sophia Belzner: Ein paar Stunden am Tag zum Einkaufen, zusätzlich durften an bestimmten Tagen nur Frauen, an anderen Tagen nur Männer einzeln das Haus verlassen. Es habe aber auch Tage mit kompletter Ausgangssperre gegeben.

Hilfe umgestellt

20 Tage saßen die Helfer und die Organisationsleiter in einem Haus in den Anden fest. Die Stiftung Casayohana stellte in dieser Zeit die Hilfe um und versorgte die 300 Menschen mit Nahrung, Medikamenten oder Windeln, schildert Sophia Belzner. Denn die Männer in dem Dorf konnten nicht mehr als Tagelöhner arbeiten. Den Familien fehlte es an allem. Zumal, so Sophia Belzner, "das Leben in Peru nicht im Haus sondern draußen stattfindet". Durch die Ausgangssperren säßen Großfamilien auf ein paar Quadratmetern in den Lehmhütten fest.

In diesen 20 Tagen versuchten die Casayohana-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch Aufklärung über das Coronavirus zu leisten. Öfter habe sie gehört, erzählt Sophia Belzner, dass China das Virus mit einer Bombe über dem amerikanischen Kontinent abgeworfen habe, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Durch dieses Unwissen sei es auch zu Überreaktionen gekommen, etwa als in einem Dorf die einzige Brücke zerstört wurde, die eine Verbindung zur Außenwelt herstellte.

Über sieben Stunden zum Flughafen

Dann hörte die Studentin, dass in Deutschland der Beginn des Semesters auf den 20. April verlegt wurde, einige Dozenten aber schon Materialien und Vorlesungen ins Netz stellten. Gemeinsam mit zwei anderen Mitarbeitern trug sich Sophia Belzner online in die Rückholliste der Bundesregierung ein. Das größte Problem aber sei gewesen, schildert die 20-Jährige, dass ihr Standort über sieben Stunden Fahrzeit vom nächsten Flughafen in Cusco lag. Auch die deutsche Botschaft in Lima konnte nicht helfen, weil Peru strikt an den Coronaregeln festhielt.

Dann kam die Nachricht, dass in einem fünf Stunden entfernten Missionskrankenhaus eine Reisegruppe nach Cusco aufbrechen wollte. Die deutsche Botschaft organisierte einen Passierschein und Taxifahrer erklärten sich bereit, die drei Deutschen in das Krankenhaus zu fahren. An der ersten Sperre war das Abenteuer schon vorbei, weil die Polizei den Passagierschein nicht anerkannte. Zurück im Quartier berieten sich die Drei mit der deutschen Botschaft über einen Ausweg aus der offensichtlich verfahrenen Situation.

In der Polizei-Eskorte

Die Lösung, so Sophia Belzner: Mit einer Eskorte der Polizei ging es zum Krankenhaus, wo die Reise mit einer 20-köpfigen Reisegruppe nach Cusco weiterging. Nach der Registrierung flogen die Deutschen zunächst nach Santiago de Chile, wo es dann in einem voll besetzten Flugzeug nach Frankfurt ging. Am 8. April landete das Flugzeug.

Zuhause, schildert Sophia Belzner, "kann man trotz der Ausgangsbeschränkungen die Freiheiten wie spazieren zu gehen jetzt wieder ganz neu genießen".

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