Erstes Erlanger Geburtshaus kurz vor Eröffnung

Die Hebammen vom Geburtshaus Erlangen, v.l. Marlene Pehl, Johanna Huber, Elisabeth Örnek, Anja Grimm, Katharina Rost, Jessica Boadi und Judith Boier (nicht im Bild: Tina Ellger).

Die Hebammen vom Geburtshaus Erlangen, v.l. Marlene Pehl, Johanna Huber, Elisabeth Örnek, Anja Grimm, Katharina Rost, Jessica Boadi und Judith Boier (nicht im Bild: Tina Ellger). © Klaus-Dieter Schreiter

Noch sieht es ein bisschen wie eine Baustelle aus in der Wohnung in der Langfeldstraße im Stadtteil Bruck. Aber das Arbeitsintensivste ist geschafft: Der wasserdicht versiegelte Spezialboden ist verlegt, die Wände sind in hellen, freundlichen Farben gestrichen, die Geburtswanne ist installiert – alles nach strengen Hygieneauflagen.

Neben den Handwerkern haben die acht Frauen viel selbst gemacht, tatkräftig unterstützt von ihren Familien. "Wir sind alle Verrückte", sagt Elisabeth Örnek. "Wenn man wirtschaftlich denkt, dürfte man das gar nicht machen. Aber wir lieben unseren Beruf."

Nicht unbedingt wirtschaftlich ist auch insgesamt der Beruf Hebamme. Da in den letzten Jahren die Haftpflichtprämien in horrende Höhen gestiegen sind, konnten sich viele freiberufliche Hebammen nicht mehr leisten, weiterhin Geburtshilfe anzubieten — zumal wenn sie ihren Beruf nur in Teilzeit ausübten.

Das aber ist die andere Belastung in dem Beruf: Hebammen arbeiten in Rufbereitschaft. Denn zwar lässt sich ein Entbindungstermin errechnen, doch wann die Geburt dann tatsächlich stattfindet, lässt sich ganz genau nicht vorhersagen — genauso wenig wie die Dauer einer Geburt. Da kann es sein, dass eine Hebamme auch schon mal eine ganze Nacht bei einer Gebärenden verbringt.

Gegenseitige Unterstützung und geregelte Arbeitszeiten: Das ist nun ein eindeutiger Vorteil des Geburtshauses. Damit können die acht Hebammen — derzeit nur sieben, denn eine von ihnen weilt über ein Jahr lang im Ausland ("aber sie nimmt aus der Ferne regen Anteil an allem") — schwangeren Frauen die Möglichkeit bieten, sich für eine Geburt zu entscheiden, bei der sie eine fachlich fundierte 1:1-Betreuung bekommen.

Vorsorge und Wochenbett sind ebenfalls in der gleichen Hand. "Wir wollen einen Ort schaffen, an dem werdende Eltern und Familien individuell und auf der Basis eines guten Vertrauensverhältnisses durch die natürlichen Prozesse von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleitet werden", schreiben die Hebammen auf ihrer Internetseite. Ein ganzheitlicher Prozess: "Wir freuen uns total drauf", sagt Elisabeth Örnek. "Reich werden wir alle nicht, aber wir wollen glücklich sein."

Im Moment freuen sie sich erst einmal über die neu hergerichteten Räume: Ein Geburtszimmer mit Wanne und einem Bett gibt es in dem neuen Geburtshaus (eigentlich eine "Geburtswohnung"), ein Wehenzimmer mit einem großen Bett, ein Vorsorgezimmer für Untersuchungen, ein Badezimmer. "Die Küche wird jetzt am Wochenende passieren", sagt Johanna Haberer.

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