"Es ist an der Zeit, der Realität ins Auge zu sehen"

19.6.2016, 15:00 Uhr
An der Hartmannstraße neben dem Festplatz war die Multifunktionshalle geplant.

An der Hartmannstraße neben dem Festplatz war die Multifunktionshalle geplant. © Harald Sippel

Ganz überraschend kommt die Nachricht nicht. Einige haben sie schon erwartet, manche haben sie befürchtet: Die Pläne für das Bürger-, Begegnungs- und Gesundheitszentrum (BBGZ) in der Hartmannstraße, in dem auch der HC Erlangen einen Teil seiner Bundesliga-Heimspiele austragen sollte, sind gestorben. Das BBGZ wird nicht gebaut werden.

Den Mut, die Tatsache jetzt auszusprechen und sie öffentlich zu machen, hat jetzt Lars Kittel gehabt, der Vorsitzende der FDP–Fraktion im Stadtrat. „Es ist nun an der Zeit, der Realität ins Auge zu sehen und das Bürger-, Begegnungs- und Gesundheitszentrum in seiner jetzigen Form zu begraben. Das Bürger-, Begegnungs- und Gesundheitszentrum in der zuletzt geplanten Version wird nicht kommen.“ Zwei Gründe sind für Kittel ausschlaggebend: Das BBGZ wäre zu teuer. Baukosten in Höhe 21,5 Millionen Euro hat die Stadt erwartet. Nachdem die Fördermittel nicht in der erwarteten Höhe zugesagt wurden, nachdem die Universität aus dem Projekt ausgestiegen ist, nachdem die Franconian International School sich zurückgezogen hatte, wäre ein zu üppiger Betrag bei der Stadt hängen geblieben. Kittels Schlussfolgerung: Diese Entscheidung sei einfach „finanzpolitisch geboten“. Der FDP-Fraktionsvorsitzende gab aber noch eine zweite Begründung: „Die optimalen Bedingungen, wie sie der HCE in der ARENA in Nürberg vorfindet (bis zu 8000 Zuschauer, ein großer VIP-Bereich, die elektronische Bandenwerbung) kann Erlangen selbst bei dem geplanten Neubau nicht annähernd bieten.“ Diese Position ist der FDP, die bekanntlich mit Elisabeth Preuß und Jürgen Zeus heiße Handball- und HCE-Anhänger in ihren Reihen hat, nicht leichtgefallen.

Im Koalitionsvertrag

Zudem zählte das BBG bzw. die Handball-Halle zu einem der wichtigsten Projekte der Liberalen, das deshalb auch im Koalitionsvertrag mit den Bündnispartnern der rot-grün-gelben Rathauskoalition explizit festgeschrieben ist.

Die roten und bündnisgrünen Koalitionspartner tragen die Entscheidung mit. Sie sind zu derselben Einschätzung wie Kittel gekommen: Julia Bailey, die Fraktionsvorsitzende der Grünen Liste, und Barbara Pfister, die SPD-Fraktionsvorsitzende, argumentierten wie Kittel mit den zu hohen Kosten.

Ebenso einmütig betonten die Bündnispartner der Koalition: Der Bedarf an Hallenflächen für Schulen und Vereine sei natürlich unverändert hoch. Deshalb solle die Planung und der Bau von weiteren Hallenkapazitäten „mit hoher Priorität“ weiter verfolgt werden.

Der HC Erlangen reagierte auf die Nachricht zurückhaltend: Die Entwicklung sei „schade“, meinte René Selke, einer der beiden designierten Geschäftsführer. Selke wollte aber die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Der HCE halte schon an dem Vorhaben fest, in Erlangen Heimspiele auszutragen.

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