Dienstag, 24.11.2020

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Flüchtlinge gelten in Erlangen nicht als Anwohner-Schreck

Große Besonnenheit bei Informationsveranstaltung im Treffpunkt Röthelheimpark - 22.12.2013 18:09 Uhr

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß (rechts) informierte die zahlreich erschienenen Anwohner über die Unterbringung der Flüchtlinge in Containern.

22.12.2013 © Harald Sippel


"Sie werden unsere Nachbarn werden“, stellte Elisabeth Preuß fest. Die Bürgermeisterin meinte die Flüchtlinge, die im Februar nächsten Jahres aus dem überfüllten Aufnahmelager in Zirndorf nach Erlangen geschickt werden. Menschen auf der Flucht seien es, viele davon seien traumatisiert von Verfolgung und Unterdrückung, die sie in ihren Heimatländern erlitten hätten. Die Haltung der Stadt sei klar, betonte Preuß: "Es ist nicht die Frage, ob die Stadt Flüchtlinge aufnimmt – vielmehr, wie man sie aufnimmt.“

In einer Bürgerinformationsveranstaltung hat die Bürgermeisterin mit Anwohnern der Schenkstraße und der Hartmannstraße gesprochen — um über die Wohncontainer zu informieren, die in der Schenkstraße aufgestellt werden, aber auch, um Fragen zu beantworten und auf ein ausländerfeindliches Hetzflugblatt zu reagieren, das in der Gegend verteilt worden war. Etwa 30 Flüchtlinge sollen in der Schenkstraße leben, darunter — neben Einzelpersonen — etliche Familien.

Knapp 200 Bürger drängten sich im Versammlungssaal des Treffpunkts Röthelheimpark und diskutierten mit Elisabeth Preuß, dem städtischen Planungsreferenten Josef Weber und mit Erlangens Polizeichef Adolf Blöchl.

Viele der Anwesenden machten ihre Bereitschaft deutlich, die Flüchtlinge zu akzeptieren und offen aufzunehmen. Wie könne man sie kennenlernen?, lautete etwa eine Frage aus dem Publikum. Mitglieder von EFIE, der ehrenamtlichen Flüchtlingsinitiative Erlangen, luden daraufhin die Bürger ein, die Flüchtlinge in den Wohncontainern zu besuchen. Sie würden dann sehen: Das seien Menschen wie alle anderen auch.

Es gab aber auch besorgte und verärgerte Stimmen: Werde es bei den Flüchtlingen, die jetzt schon in der Gegend um die Schenkstraße wohnten nicht für Unmut sorgen, wenn für die neuen Flüchtlinge so viel getan werde? Blieben da nicht die „alten Flüchtlinge auf der Strecke“, fragte eine Frau. Die Flüchtlinge würden alle gleich behandelt, so die Bürgermeisterin, diese Befürchtungen seien nicht berechtigt.

Eine andere Anwohnerin monierte die Nähe zu den Flüchtlingscontainern. Die Flüchtlinge könnten dann in ihre Wohnungen schauen, meinte sie. Die Frau, das zeigte ihr Redebeitrag, kritisierte die städtische Wohnungsbaugesellschaft, die in den Wohnungen noch immer keine schützenden Jalousien installiert habe.

Für Irritation sorgte die Aussage eines jungen Mannes, der behauptete, Angehörige bestimmter Nationen seien krimineller als Angehörige anderer Nationen. Das deckte sich allerdings nicht mit der Erkenntnis des Erlanger Polizeichefs. Adolf Blöchl hatte deutlich gemacht: Diese Vorurteile gegenüber Flüchtlingen hätten keinerlei Grundlage. Blöchl reagierte damit auch auf die rassistischen Hetzflugblätter, die in der Gegend um die Schenk- und Hartmannstraße verteilt worden waren. Es gebe keine erhöhte Kriminalitätsrate in der Umgebung von Flüchtlingswohnheimen in Erlangen, sagte Blöchl: "Das entspricht nicht den Fakten“. Und der Polizeichef forderte auf: "Gehen Sie den Flugblättern nicht auf den Leim!“ Der Verfasser hatte sich in der Veranstaltung nicht zu erkennen gegeben – "feige“, wie ein Anwohner sagte.

Oberbürgermeister Siegfried Balleis verschaffte sich zu Beginn einen Eindruck, nahm dann aber einen anderen Termin wahr. Ein Statement von ihm gab es diesmal nicht – das war laut Bürgermeisterin Preuß verabredet.

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Die Online-Redaktion

Ralf H. Kohlschreiber

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