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Sonntag, 09.08.2020

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Fotograf aus Erlangen lichtet das Weltall ab

Der Hobbyfotograf Norbert Holfelder ist nachts mit der Kamera unterwegs - 16.07.2020 12:30 Uhr

Norbert Holfelder fängt spektakuläre Motive ein.

© Norbert Holfelder


Es ist auch immer ein Glücksspiel, wenn sich Norbert Holfelder auf den Weg macht. Er hat dann den Wetterbericht genau studiert, die Mondphase errechnet und sich selbst noch einmal davon überzeugt, dass es eine besonders finstere Nacht werden wird. Doch da, wo Norbert Holfelder hingucken will, ist ja noch unendlich viel Platz für allerlei Unwägbarkeiten.

Er steigt dann am frühen Abend ins Auto, packt seine Ausrüstung ein und fährt eine Dreiviertelstunde ins Nirgendwo bei Lichtenfels. Ein, zwei Stunden, sagt der Vater von vier Kindern, baut er dann auf freiem Feld seine Technik auf und stellt sie ein, die zwei oder mehr Spiegelreflexkameras, die Nachführungsautomaten, die die eingespannten Kameras im Tempo der Sterne am Himmel langsam mitbewegen, damit bei der Langzeitbelichtung keine Unschärfe entsteht.

"Ist das alles eingestellt, dann lege ich mich ins Auto und döse" – wobei Schlafen nicht immer möglich ist, im Winter bei minus zehn Grad. Außerdem muss der Hobby-Astrofotograf regelmäßig seine Bilder kontrollieren: 400 bis 500 Stück entstehen allein in einer Nacht, nicht selten fährt Holfelder erst wieder zurück nach Erlangen, wenn die Nacht nicht mehr dunkel genug ist. Holfelder sagt: "Ich bin ein Perfektionist."

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Diese Faszination zur ungreifbaren Weite des Weltalls besitzt Norbert Holfelder schon immer. Auch das Interesse für Fotografie und Technik kam früh. Nachts ist er mit der Kamera unterwegs.


Seine Motive, die Beute dieser Nächte, sind beeindruckend, faszinierend, atemberaubend: Leuchtende Galaxien, farbenprächtige Nebel, Überreste aus sogenannten Supernoven, Sternexplosionen vor tausenden, manchmal vor Millionen von Lichtjahren. "Ich fotografiere da die Geschichte", sagt er, "meine Fotos zeigen Zustände, die so vor 40 Millionen Lichtjahren herrschten."

Diese Faszination zur ungreifbaren Weite des Weltalls besitzt Norbert Holfelder schon immer. Auch das Interesse für Fotografie und Technik kam früh. Irgendwann hatte er die Idee, beides zu vereinen. Alles begann mit einem Foto des Mondes.

Norbert Holfelder hat zwei Hobbies zu einem gemacht.

© Foto: privat


Eineinhalb Jahre später stört genau dieser leuchtende Ball am Nachthimmel ihn am meisten: "Der Mond", sagt Norbert Holfelder, "macht den ganzen Himmel kaputt." Dessen Helligkeit verschluckt die Farben, nimmt die Tiefe. "Der Mond vergiftet die Bilder", sagt Holfelder.

Baff war er dann, als er sah, wie wenig technischer Aufwand nötig ist, um den Orionnebel abzulichten. Immer tiefer führte Holfelder sein Hobby ins All hinein, immer weiter stießen seine Brennweiten vor, immer entfernter flogen seine Motive durchs Nichts. Den Orionnebel etwa, "einen touristischen Hotspot", wie ihn Holfelder nennt, fotografiert er – wie auch die Milchstraße – mittlerweile nur noch im Vorbeigehen. Wie jetzt, in der Wartezeit auf den fünf Kilometer großen Kometen in gut 100 Millionen Kilometern Entfernung zum Beispiel, dessen Leuchtschweif er zwischen 2:30 und 3:30 Uhr am Marloffsteiner Wasserturm einfing.

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Dort ist er ansonsten eher selten. "Ich mag das, ganz allein auf dem Feld in der Dunkelheit im Nirgendwo", sagt er. Ganze Nächte verbringt er mit den Sternen und seiner Fotoausrüstung. Ab und zu kommt Holfelder mit Bauern ins Gespräch, die vor der Dämmerung noch aufs Feld hinausfahren, oder mit einem Jäger, dem er über den Weg läuft. "Das Interesse an meiner Arbeit ist groß, ich zeige immer ein paar Bilder auf dem Handy." Zu Hause ist das Interesse kleiner – leider. Keines der Kinder hat die Faszination für die Weite, die Stille und das Fotografieren entwickelt. Noch nicht, hofft Norbert Holfelder. Die Bilder, die der Papa macht, die schauen sie schon alle gerne an. "Nur nächtelang auf dem Feld stehen, das mögen sie alle nicht so."

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Für ihn selbst ist das – mit der Erfahrung aus 25 Jahren voller Nachtdienste als Krankenpfleger – auch mit 52 Jahren kein Problem. Wenngleich er die Nachtdienste los ist: Holfelder hat Pflegepädagogik studiert und lehrt nun an der Krankenpflegeschule des Bezirkskrankenhauses. "Fototouren mache ich nur am Wochenende", sagt er. Wenn er arbeiten muss, geht es eigentlich nicht. Nur, wenn es wolkenlos wird, ganz besonders dunkel ist und der Mond, dieser verflixte Mond, mal nicht zu sehen ist.

 

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