Ausstellung mit Worten und Bildern

Für ein Comicmuseum in Erlangen

15.1.2022, 06:00 Uhr
Farbig und aufschlussreich: Die Aussagen der Vereinsmitglieder sind mit vielerlei „Bebilderungen“ illustriert.
 

Farbig und aufschlussreich: Die Aussagen der Vereinsmitglieder sind mit vielerlei „Bebilderungen“ illustriert.   © Harald Hofmann, NN

Als „Schundheftchen“ hat man sie lange Zeit bezeichnet, Eltern und Lehrer schimpften gleichermaßen auf die bunten Bildergeschichten, die ab den 1950er-Jahren in der Masse auch in Deutschland erhältlich waren.

Vom Odem des Banalen und Minderwertigen sind Comics längst befreit und als eigenständige Kunstform anerkannt. In Erlangen – nach allgemeinem Tenor in der Szene Deutschlands Comic-Hauptstadt – allemal, denn der alle zwei Jahre stattfindende Internationale Comic-Salon beweist mit seiner gigantischen Leistungsschau sehr anschaulich, dass mit den gezeichneten Bilderwelten auf seriöse Weise sehr wohl zu rechnen ist.

Wiedererkennbare Ob- und Subjekte: Sowohl Künstler als auch Hobby-Zeichner haben Arbeiten beigesteuert.
 

Wiedererkennbare Ob- und Subjekte: Sowohl Künstler als auch Hobby-Zeichner haben Arbeiten beigesteuert.   © Harald Hofmann, NN

Damit die Hugenottenstadt aber nicht immer zwei Jahre auf diese Groß-Präsentation mit ihren Verlockungen warten muss, soll etwas Bleibendes entstehen: So haben sich über 50 lokale wie überregionale Comic-Fans zusammengefunden und einen Verein gegründet, der Comics sammeln, erforschen und ausstellen will, und das in einem eigenen Comicmuseum in Erlangen.

Architektonische Comicmuseum-Visionen gibt es auch bereits.

Architektonische Comicmuseum-Visionen gibt es auch bereits. © Harald Hofmann, NN

Die Chance, sich zu zeigen und subjektive, aber aussagekräftige Argumente für ein Erlanger Comicmuseum an die Frau und den Mann zu bringen, ergibt sich derzeit im Aktions- und Schauraum des Vereins in der Schiffstraße 9: Unter dem Titel „Hausgemacht“ teilen etwa 20 Vereinsmitglieder ihren persönlichen Bezug zum Medium Comic mit und „trommeln“ mit mancherlei Erklärungen für die Etablierung eines Comicmuseums.

Damit die Angelegenheit aber nicht zu deklamatorisch wird, werden die Äußerungen mittels Fotos, Memorabilia, eigenen Comics und sogar mit bereits fertigen (Architektur-)Visionen bunt und unterhaltsam unterfüttert.

Diverse Vereinsmitglieder präsentieren sich mit Fotos, Statements und eigenen Zeichnungen.

Diverse Vereinsmitglieder präsentieren sich mit Fotos, Statements und eigenen Zeichnungen. © Harald Hofmann, NN

Im Mitgliederbereich gleich am Eingang sind bewegende Statements zu lesen: „Comics sind Leben, weil sie die unmittelbarste Form sind, Geschichten zu erzählen“, tut da Stefan Deseive aus Hausen kund. „Ich brenne für Comics, weil sie einfach toll sind und Geschichten und Bilder zusammenbringen“, sagt Professor Thorsten Krings aus Wiesloch. „Jetzt fehlt nur noch ein Comic Museum. Erlangen go for it!!!“ ruft der Schatzmeister des Vereins, Bernd Hillmeier, aus.

Wühlen in den Comic-Schätzen: Die Vereinsmitglieder Lisa Neun, Michael Jordan und Martina Dorsch (von links).
 

Wühlen in den Comic-Schätzen: Die Vereinsmitglieder Lisa Neun, Michael Jordan und Martina Dorsch (von links).   © Harald Hofmann, NN

Und selbst Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik ist überzeugt: „Comic steht Erlangen gut!“ Mitglieder wie die Vereinsvorsitzende Lisa Neun oder SPD-Stadtrat Clemens Heydenreich erzählen von ihrer frühen Comic-„Sozialisation“. Und alles ist hübsch illustriert mit eigenen oder fremden Werken. Selbst Künstler wie Hendrik Dorgathen („Comic ist definitiv eine Kunstform“) steuerten Arbeiten bei.

Auch Künstlerisches von Profi-Zeichnern findet sich in der Ausstellung.

Auch Künstlerisches von Profi-Zeichnern findet sich in der Ausstellung. © Harald Hofmann, NN

Im theoretisch-wissenschaftlichen Teil der Ausstellung geht es dann einigermaßen ans Eingemachte: Hier sind konkrete Vorstellungen eines zukünftigen Comicmuseums zu sehen. So stellt sich beispielsweise ein Architekturstudent in seiner Masterarbeit ein solches Museum an der Fuchsenwiese vor.

Comics und noch soviel mehr befinden sich schließlich im hinteren Teil der Ausstellung – zum haptischen Greifen und Blättern.

Der beinharte, mittlerweile verstorbene Kasseler Comic-Fan Michael Möller hat dem Verein nicht nur finanzielle Zuwendungen zur Anmiete des Schauraums, sondern auch seine Comic-Sammlung, bestehend aus fünf mit Comics unterschiedlichster Couleur meterhoch bestückten Euro-Paletten, hinterlassen, dazu Bilder, Originalseiten, Collagen, Papp-Aufsteller, Petzi-Karten, ein Pop-Up-Dschungelbuch, eine Micky-Maus-Lupe und noch viel mehr. Ein kleiner Auszug aus dieser Sammler-Wunderkammer ist in der Ausstellung zu sehen.

Die Ausstellung dauert bis 26. Februar (geöffnet samstags von 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung unter info@comic-museum.org).
Ferner gibt es Spontanöffnungen mit öffentlichen Zeichenaktionen, Hinweise dazu jeweils auf Facebook und Instagram.

www.comic-museum.org

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