Sieg für Kurzfilm 

"Für ein gesundes Netz": Erlanger Brüder-Duo "Kredo" gewinnt DAK-Wettbewerb

2.7.2021, 05:59 Uhr
Nick (an der Kamera) und Tim (hinter ihm) Gruber während des Drehs einer U-Bahn-Szene in

Nick (an der Kamera) und Tim (hinter ihm) Gruber während des Drehs einer U-Bahn-Szene in "Conflict - Sirae". © Nick Gruber

Kredo – hinter diesem Namen stecken Tim und Nick Gruber aus Erlangen, die mit ihrem Kurzfilm "Conflict – Sirae" den bundesweiten DAK-Wettbewerb unter dem Motto "Gesichter für ein gesundes Miteinander" gewonnen haben. Der Name Kredo entstand, als die beiden 21- und 20 Jahre alten Brüder noch zur Schule gingen: "Im Lateinischen heißt Credo "Ich glaube" und da haben wir uns gedacht, das passt gut zu uns – weil wir versuchen, mit allem, was wir tun, einen Mehrwert zu bieten und eine Message zu vermitteln", erklärt der 21-jährige Tim.

Die Brüder machen gemeinsam Musik und produzieren ihre eigenen Musikvideos unter dem Namen Kredo.

Die Brüder machen gemeinsam Musik und produzieren ihre eigenen Musikvideos unter dem Namen Kredo. © Nick Gruber

Wichtige Message

Das ist den beiden Musikern, die gemeinsam und in Eigenregie Musik machen und Musikvideos produzieren, besonders in "Conflict – Sirae" gut gelungen: Der knapp 14-minütige Kurzfilm nimmt den Zuschauer mit in die Welt von Protagonist Hamudie. Er erlebt täglich Rassismus, Ablehnung und Vorurteile. In Form von abwertenden Blicken, gehässigen Sprüchen oder ganz klarer Ungleichbehandlung – aufgrund seines Aussehens oder weil sein Name anders klingt. Im Film wird trotz der Kürze deutlich, dass dem jungen Mann der soziale Rückhalt fehlt, zudem sind seine Eltern kürzlich verstorben. In einem Chat begegnet er einem islamistischen Extremisten, der ihm Verständnis für seine Situation suggeriert. Der Film thematisiert Ausländerfeindlichkeit, Mobbing und Ausgrenzung in Deutschland sowie deren Zunahme durch das Internet und die Digitalisierung auf eine eindringliche Art: "Wir fanden das Thema selbst sehr interessant und wollten deshalb darauf aufmerksam machen. Für viele ist Extremismus sehr weit entfernt und sie wissen nicht, wie es dazu kommen kann", sagt Nick Gruber. "Wir dachten uns, so ein Szenario ließe sich im Film sehr gut darstellen und wir können so einen kleinen Teil zur Aufklärung beitragen." Sirae ist arabisch und bedeutet ebenfalls Konflikt.

Gegen Schwarz-Weiß-Denken

"Conflict – Sirae" war der erste Kurzfilm der beiden Brüder und ist bereits Anfang 2020 im Rahmen des Projekts "RISE – Jugendkultur" entstanden. Das Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus richtet sich speziell an Jugendliche, die ihre Perspektiven auf das Thema in Form eigener Medienproduktionen sichtbar machen können. "Unsere Mama hat dann von dem DAK-Wettbewerb gehört und dort haben wir den Film dann eingeschickt," erzählt Nick. Der Film ist eine Mischung aus Kurzfilm, Musikvideo und Deutschrap – der Song entstammt, wie auch das Drehbuch – natürlich der Feder des Kredo-Duos. "Das Musikvideo am Ende des Films richtet sich direkt an den Zuschauer und will aussagen: Behandle andere so, wie du auch selbst behandelt werden willst, versuch dich in andere hineinzuversetzen, denke nicht schwarz-weiß und handle ohne Vorurteile", fassen die Brüder den Appell ihrer Produktion zusammen.

Bald Neues von Kredo

An dem Wettbewerb der DAK Krankenkasse haben über 400 Projekte und Einzelpersonen in drei Kategorien teilgenommen: "Für ein gesundes Leben", "Für eine gesunde Gesellschaft" und "Für ein gesundes Netz". In Letzterer gewann das Filmprojekt des Kredo-Duos bereits den Landeswettbewerb und hat nun auch den ersten Platz im Bundesentscheid gemacht. Die Bundesjury um DAK-Vorstandschef Andreas Storm hat "Conflict – Sirae" beeindruckt: "Der Kurzfilm greift ein gesellschaftlich wichtiges Thema auf und zeigt positive Gesichter gegen Ausländerfeindlichkeit. Dieses Projekt mit Herz und Mut hat der Bundesjury imponiert und ist deshalb ein würdiger Preisträger." "Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, aber uns natürlich riesig gefreut", sagen die beiden Brüder. Was sie mit dem Preisgeld in Höhe von insgesamt 1.300 € machen werden, wissen sie noch nicht: "Aber wenn man es in ein ähnliches Projekt investieren könnte, wäre das natürlich toll." Aktuell ist aber noch kein neuer Film in Planung – dafür steht neue Musik in den Startlöchern. Die beiden Erlanger haben erst kürzlich Tims altes Kinderzimmer zum eigenen Tonstudio umgebaut und veröffentlichten am 24. Juni ihre neue, erstmals englischsprachige Single "Crazy".

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