Sonntag, 18.04.2021

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"Grabsteinrüttler" auf Erlangens Friedhöfen

Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung prüfen Grabmale auf Standsicherheit - 08.04.2021 12:30 Uhr

Erlangen: Der Altstädter Friedhof ist eingezwängt zwischen die A 713 und die Münchener Straße bzw. im nördlichen Teil der Bahn. 07.01.21. Foto: Harald Sippel

29.01.2021 © Harald Sippel


Frau Petri, ist es nicht etwas pietätlos an Grabmalen zu rütteln?

Die jährliche Standsicherheitsüberprüfung ist gesetzliche Verpflichtung für den Friedhofsträger und dient in erster Linie der Vermeidung von Unfällen durch umstürzende Grabsteine. Dazu wird nicht pietätlos an den Grabmalen "gerüttelt", sondern Fachleute aus dem Friedhofsbereich, darunter regelmäßig ein Steinmetz mit Helferin oder Helfer, führen mit einem geeichten Prüfgerät den vorgeschriebenen Prüfdruck von 0,5 Kilonewton kN durch, das entspricht 50 Kilogramm.

Was könnte im schlimmsten Fall passieren, wenn ein Grabstein umfällt?

Falls das Fundament und der daraufgesetzte Grabstein sich so weit gelockert haben, dass sie umstürzen können, ist außer Sachbeschädigung des Nachbargrabes auch eine Verletzung bis zur Todesfolge bei Grabbesuchern nicht ausgeschlossen. Das ist unter allen Umständen zu vermeiden. 

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Spaziergang über den Altstädter Friedhof

In einer neuen Serie besuchen wir die Friedhöfe Erlangens. Den Anfang macht der Altstädter Friedhof. Ein Friedhof, der, wie Autor Reinhard Kalb schreibt, den Rekord in Sachen Geschäftigkeit und Reiselust hält: am Westrand sausen die Autos auf dem Frankenschnellweg, am Ostrand rattern Güterzug und ICE gen Nürnberg oder Bamberg. Die ausführliche Gebots- und Verbotsliste am Eingang lässt die Störung der Totenruhe in dieser Hinsicht außer Acht. Trotz Lärmschutzwand in malerischem Grau lassen sich ethische Interessenskonflikte nicht vermeiden. Wenn bei der Fürbitte „Herr, gib ihm die ewige Ruhe“ ein ICE durchbraust, gehen Tragik und Komik auf Tuchfühlung.


Was unternehmen Sie, falls das Grabmal wackelt?

Zunächst wird sofort ein Aufkleber am Grabstein angebracht, damit die Grabrechtsinhaber oder Besucherinnen und Besucher gewarnt sind. 

Heidi Petri.

06.04.2021 © Foto: Martin Schülbe


Die Techniker informieren die Friedhofsverwaltung und es wird sehr zeitnah ein postalisches Schreiben an die Nutzungsberechtigten versandt mit der Aufforderung, das Grabmal innerhalb einer Frist von vier Wochen fachgerecht richten zu lassen.

Nur, wenn Gefahr in Verzug ist, zum Beispiel, wenn ein Grabstein ohne jegliche Verankerung lose auf dem Fundament steht, wird zum Schutz der Besucher der Grabstein vorsichtig eingelegt. 

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Morbider Charme: Der Zentralfriedhof in Erlangen

Der Erlanger Zentralfriedhof ist mit 60000 qm der größte Friedhof der Stadt. Eröffnet wurde er 1895, hier konnten Menschen aller Konfessionen begraben werden, u.a. verstorbene russische Kriegsgefangene aus dem 1. WK, gefallene des 2. WK und Verstorbene aus Heil- und Pflegeanstalten. begraben sind hier auch einige Bürgermeister der Stadt. Aussegnungshalle und Eingangstor stammen auch aus dem Jahr 1895.


Übrigens wird die Standsicherheitsüberprüfung dieses Jahr erstmals online verarbeitet, da wir seit kurzem ein digitales Friedhofsprogramm betreiben, in das neue Datenbestände mittels Tablet auch vor Ort eingepflegt werden können.

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