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Samstag, 20.04.2019

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"Großer Enthusiasmus" zwischen Erlangen und Bozen

Franken und Südtirol: Gelungener Start der Städtepartnerschaft - 12.02.2019 11:00 Uhr

Rückt kommende Woche bei einem Vortrag in den Mittelpunkt: Das für seine Wandmalereien bekannte Schloss Runkelstein am Rande von Bozen. © Archivfotos: Mößler-Rademacher


"Es ist jede Menge Enthusiasmus auf beiden Seiten vorhanden", berichtet Silvia Klein vom Bürgermeister- und Presseamt der Stadt Erlangen. Und ergänzt: "Es entwickelt sich auf breiter Ebene eine sehr vielfältige Städtepartnerschaft. Wir spüren, dass in Bozen sehr viel Interesse daran vorhanden ist."

Für Bozen sind Städtepartnerschaften generell noch Neuland. Deshalb müssten dort in der Verwaltung auch erst entsprechende Strukturen und Zuständigkeiten geschaffen werden. Dennoch ist die Liste der geplanten Aktionen bereits jetzt sehr lang. Im März wird beispielsweise eine Delegation der Lebenshilfe Erlangen in Bozen weilen. Gerade das Thema Inklusion ist in Italien sehr wichtig. "Dort sind beispielsweise alle Schulen und Kindergärten inklusiv."

Eine Fachgruppe des Erlanger Tourismus und Marketing Vereins (ETM) reist ebenso nach Bozen. Viele Kooperationen sind bereits angedacht. So könnte es eventuell eine Erlanger Bude auf dem Bozener Weihnachtsmarkt geben oder eine Auswahl an Südtiroler Spezialitäten beim Erlanger Genussfestival im kommenden Jahr.

Musikalische Reisen werden den Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums und die Kantorei St. Matthäus in die Südtiroler Metropole führen. Im Oktober wird erstmals eine Bürgerreise angeboten. Die Stadt Erlangen arbeitet dabei mit einem großen Reiseveranstalter zusammen, nimmt aber maßgeblich Einfluss auf die Programmgestaltung.

Erste Kontakte gibt es bereits zwischen der Josef-Mayr-Nusser-Fachakademe Baiersdorf und der Hannah-Arendt-Fachschule Bozen, zwischen dem Erlanger Musikinstitut und dem Bozner Konservatorium sowie zwischen den Universitäten beider Städte, den Museen und den Bistümern.

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Streifzug: Bozen ist die Partnerstadt von Erlangen

Seit Juni 2018 ist Bozen die Partnerstadt von Erlangen: Bozen liegt im Herzen von Südtirol und ist als „Tor zu den Dolomiten“ bekannt. Mit ihren vielen historischen Plätzen, Geschäften und Boutiquen sowie bezaubernden Gassen beeindruckt die frühere Handelsstadt alljährlich ihre vielen Gäste aus aller Welt.


Mit dem 5. Oktober wurde auch ein Gedenktag für einen Mann vereinbart, dessen Schicksal beide Städte verbindet: Josef Mayr-Nusser, der am 24. Februar 1945 in Erlangen ums Leben kam. Der Südtiroler war in der katholischen Jugendbewegung aktiv. Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten im Herbst 1943 und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Südtirol wurde Mayr-Nusser im September 1944 zum deutschen Militär eingezogen und dabei der Waffen-SS zugeteilt. Den Eid lehnte er ab, da dieser auf Adolf Hitler als Person abgelegt werden musste. Im Oktober 1944 wurde er deshalb wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Auf dem Weg ins Konzentrationslager starb er in Erlangen. Am 18. März 2017 wurde er im Bozner Dom als Märtyrer seliggesprochen.

Übrigens: Helmut Rizzolli hält am Mittwoch, 13. Februar, ab 19 Uhr im Großen Saal der Volkshochschule Erlangen, Friedrichstraße 19, einen Vortrag zum Thema "Ludwig I und Schloss Runkelstein". Das mächtige Schloss liegt am Rande Bozens über dem Eingang zum Sarntal. Berühmt ist die malerische Burganlage vor allem für den größten profanen Freskenzyklus des Mittelalters — eine einmalige Quelle für die Bekleidungsgeschichte jener Epoche, die jedes Jahr Besucher aus aller Welt anlockt.

Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi (rechts) und Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik bei der Gründung der Städtepartnerschaft in Südtirol.


Hier gibt es auch einen direkten Bezug nach Franken. Um 1390 wurde die Bogenhalle des sogenannten Sommerhauses im Auftrag von Niklaus Vintler mit Szenen aus dem Wigalois ausgemalt. Der höfische Versroman in mittelhochdeutscher Sprache wurde zwischen 1210 und 1220 von Wirnt von Gräfenberg verfasst. Die Wandmalereien stehen mit weiteren Illustrationen zu literarischen Stoffen wie Tristan und Isolde aus demselben Zeitraum in dieser Burg in Zusammenhang. Der Historiker und Präsident der Stiftung Bozner Schlösser stellt die Geschichte des Schlosses vor und erinnert u. a. an den Besuch Ludwig I., König von Bayern, der sich 1833 als erster in das erhalten gebliebene Gästebuch des Schlosses eintrug.S. MÖSSLER-RADEMACHER 

Stefan Mößler-Rademacher Redaktion Erlanger Nachrichten, Leiter der Kulturredaktion E-Mail

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