Gurgeltest erkennt Coronafälle an Rückertschule Erlangen

30.4.2021, 10:28 Uhr
Im Labor der Biologie an der Uni Erlangen werden die Gurgelproben untersucht.

Im Labor der Biologie an der Uni Erlangen werden die Gurgelproben untersucht. © Maike Konrad

"Ohne dieses Verfahren hätten wir von der Ansteckung zu diesem frühen Zeitpunkt nichts bemerkt", sagt Isabell Albert, deren Sohn und Tochter in die Notbetreuung der Schule gehen. Am Montag führten sie dort wie die anderen acht anwesenden Kinder den Selbsttest durch, so wie er in der Testpflicht an bayerischen Schulen vorgeschrieben ist. Die Ergebnisse beider Kinder waren negativ.

Weil Albert aber in der molekularen Pflanzenphysiologie der Uni Erlangen arbeitet und ihre Familie in einem Hochschul-Pool der Wicovir-Studie mitgurgeln darf, kam doch heraus, dass die Kinder sich mit Corona infiziert hatten: Die Ergebnisse des Gurgelpools am Montag waren positiv und konnten Alberts Sohn und Tochter zugeordnet werden. Noch am selben Abend wurden die Infektionen durch positive PCR-Befunde der Uni-Virologie bestätigt.

Albert informierte die Eltern der anderen Kinder der Notbetreuung, auch das Gesundheitsamt erhielt Kenntnis. Die Behörde sprach am Dienstag Quarantäne für alle Schüler aus, die die Notbetreuung am Montag besucht hatten. Thomas Wagner, Initiator der Wicovir-Studie, stellte am Mittwoch kurzfristig einen Gurgelpool für die Schule zu Verfügung – die Ergebnisse der Kinder aus der Notbetreuung waren negativ.

Erst zwei oder drei Tage später

Hätte es den Gurgeltest nicht gegeben, wäre der Zeitplan im günstigsten Fall so gewesen: Alberts Kinder wären am Mittwoch wieder in der Schule getestet worden. Wäre das Ergebnis dann positiv gewesen, hätte es durch eine Einzel-PCR-Testung bestätigt werden müssen, beispielsweise im Testzentrum am Großparkplatz. Das Ergebnis wäre dann am Donnerstag oder Freitag vorgelegen – also zwei oder drei Tage später nachdem das Gesundheitsamt nun bereits Maßnahmen verhängen konnte.

"Der Gurgeltest ist das angenehmere und effektivere Verfahren", sagt Andrea Gerhardt, Leiterin der Rückertschule. Trotzdem war er an ihrer Schule erstmal eine einmalige Sache, die Rückertschule ist kein Teil der Wicovir-Studie. "Wir konnten jetzt mitmachen, weil der Initiator Thomas Wagner uns es ermöglicht hat und die Organisation übernommen hat", sagt Gerhardt. Ohne Elterninitiativen, wie es sie an anderen Schulen in Erlangen und im Landkreis ERH gibt, die bei der Studie mitmachen, sei die Organisation aber nicht zu stemmen. Das bedauert Gerhardt: "Man könnte Infektionen schneller erkennen als mit den Selbsttests."

Rolls Royce gegen Fahrrad

So argumentiert auch Studienleiter Michael Kabesch, ärztlicher Direktor an der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Er möchte, dass die Coronatests zum Gurgeln mit PCR-Verfahren möglichst bald die Tests mit Stäbchen in den Schulen ersetzen. Im Vergleich sei die PCR-Pool-Testung der "Rolls Royce unter den Testungen" und die Antigen-Testung nur ein Fahrrad.

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