Gurgeltest in Erlangen: Stadt steigt mit KiTas und Bürgeramt ein

10.2.2021, 09:45 Uhr
Mitarbeiter von Intego schütten ihre daheim vorgenommenen Proben in einen Sammelbehälter. Der Pool wird dann in der Uni in einem Labor ausgewertet.

Mitarbeiter von Intego schütten ihre daheim vorgenommenen Proben in einen Sammelbehälter. Der Pool wird dann in der Uni in einem Labor ausgewertet. © Intego

Pandemiezeit ist Homeoffice-Zeit, jedenfalls für die meisten Menschen. Zu denen, die sich nicht so leicht vor dem Coronavirus und seinen Folgen schützen können, weil sie für ihre Arbeit die Wohnung verlassen müssen, zählen auch Mitarbeiter der Stadt. Nachdem die Gurgeltests mittels Poolverfahren und laboratorischer Untersuchung seit Wochen immer mehr an Zuspruch gewinnen, steigt sie als Arbeitgeberin ein.

Getestet werden 32 Beschäftigte aus der Abteilung Allgemeine Bürgerdienste des städtischen Bürgeramtes sowie die Notbetreuungen der städtischen Kindestageseinrichtungen Erba-Haus für Kinder und das Kinderhaus Stadtinsel. „Die Idee ist bestechend logisch“, sagt Rechtsreferent Thomas Ternes.
Da noch organisatorische Details zu klären seien, soll es wahrscheinlich kommende Woche losgehen. Ist das Verfahren erstmal etabliert, ist es laut Ternes vorstellbar, es auf weitere Bereiche auszuweiten.


Auf freiwilliger Basis

Die Testungen werden den Beschäftigten jeweils zweimal pro Woche auf freiwilliger Basis angeboten. Das Verfahren, das unter fachlicher Leitung von Andreas Burkovski, Professor für Mikrobiologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, durchgeführt und vom Erlanger Unternehmer Thomas Wagner organisiert wird, ist folgendermaßen aufgebaut: Die Probanden füllen jeweils an den Testtagen morgens eine Gurgelprobe ab, die sie an der Arbeitsstätte abgeben.

Anschließend wird für einen sogenannten Pool aus Proben von bis zu 30 Personen der PCR-Test auf das Coronavirus durchgeführt. Nur sofern ein Pool positiv getestet ist, werden die Einzelproben ebenfalls getestet und die konkrete Person identifiziert. Die Analyse erfolgt jeweils im Labor der Erlanger Professur für Mikrobiologie.
Für das Pilotprojekt wurden in der Stadtverwaltung die Kindertageseinrichtungen wegen des engen Kontakts zwischen Personal und Kindern ausgewählt.

Der Fachbereich des Bürgeramtes wurde gewählt, weil hier ein großes Team eng zusammenarbeitet, für das nur eingeschränkte Homeoffice-Möglichkeiten bestehen und mögliche Infektionen rasch für erhebliche Einschränkungen im Bürgerservice sorgen.
Wie die Stadt erklärt, könnten die Testungen dabei helfen, auch als Arbeitgeberin Infektionsgeschehen möglichst rasch erkennen und dann auch entsprechend reagieren zu können.


Tests für Stadtratssitzungen?

Derweil regt Sebastian Hornschild von der Klimaliste an, die Pooltests auch für Stadtratssitzungen anzubieten. Mit diesem Anliegen hat er sich in einem Schreiben an Oberbürgermeister Florian Janik, Bürgermeister Jörg Volleth und weitere Stadtratskollegen gewandt. Alternativ schlägt Hornschild vor, auch den Einsatz von Schnelltests für die Sitzungen prüfen zu lassen. Aus der Pressestelle der Stadt heißt es, Janik wolle das Thema in einer Besprechung mit den Fraktionsführern des Stadtrats diskutieren.


Tests für Busfahrer?

Ob sich auch die Stadtwerke an den Pooltests beteiligen werden, um insbesondere ihre Busfahrer mit diesem Verfahren zu testen, steht in den Sternen. Auf Anfrage der Erlanger Nachrichten sagt Pressesprecher Claus Göbel: „Wir kennen und beobachten das Verfahren, setzen es aber nicht ein.“ Zumindest noch nicht. en/mast