Gut gerüstet für die große Hitze in Erlangen

26.7.2018, 06:00 Uhr
Abgase verschlechtern die Luft massiv. Wenn auch noch die Ozonbelastung hoch ist, sollte man aufs Auto am besten verzichten.

Abgase verschlechtern die Luft massiv. Wenn auch noch die Ozonbelastung hoch ist, sollte man aufs Auto am besten verzichten. © Foto: Arne Dedert/dpa

Als die Luft über dem Kopfsteinpflaster des Schlossplatzes gestern Nachmittag zu flimmern begann, es selbst den Vögeln im Schlossgarten zu anstrengend wurde zu singen, Menschen nur noch im Schatten anzutreffen waren, herrschte offiziell Entwarnung. Zwar stand das Thermometer bei über 34 Grad, doch dramatische Ozonwerte förderte der heißeste Nachmittag des Jahres noch nicht zu Tage: "Ab 180 Milligramm pro Kubikmeter wird die Informationsschwelle erreicht, ab 240 Gramm die Alarmschwelle", sagt Simon Appel vom Umweltamt der Stadt Erlangen.

Die offizielle Messstelle des Landesamtes für Umwelt befindet sich zwar in der Kraepelinstraße im Stadtwesten und nicht in der Innenstadt, dennoch standen die Zähler bei 133 Milligramm. Tendenz allerdings steigend. "Ab 180 Milligramm sollten Menschen, die besonders empfindlich auf Ozon reagieren, ungewohnte und erhebliche körperliche Anstrengung im Freien vermeiden", schreibt das Landesamt für Umwelt. "Zudem empfehlen wir, auf die Nutzung von Kraftfahrzeugen sowie Maschinen mit Verbrennungsmotor zu verzichten."

Der Grund dafür ist einfach, sagt Dr. Leo Fraunberger, Sportmediziner und Kardiologe: "Ozon wirkt wie ein Reizgas auf die Atemwege. Ist es heiß, greift es durch die vermehrte Atmung die Bronchien und Schleimhäute an." Abgase verstärken den Effekt zusätzlich. Die stärkste Ozonbelastung herrschte in dieser Woche bislang am Montag um 16 Uhr (152 Milligramm pro Kubikmeter). Überschritten wurden die Messwerte in Erlangen seit 1992 insgesamt erst fünf Mal, zuletzt 2013 mit 225 Milligramm an fünf Tagen. Der bislang höchste gemessene Wert in der Kraepelinstraße.

Doch nicht nur die Ozonbelastung kann gefährlich werden, auch die heißen Temperaturen an sich, sagt Dr. Fraunberger: "Der Körper versucht immer, die 36 Grad Körpertemperatur zu halten. Ist die Umgebungstemperatur extrem, kostet es den Organismus mehr Kraft, die Körpertemperatur zu regulieren — das versucht er durch vermehrtes Schwitzen über die Verdunstungskälte zu erreichen."

Damit das gelingt, benötigt der Körper ausreichend Flüssigkeit — wie ein Motor Kühlwasser. "Das Problem ist jetzt, dass Menschen mit Herzproblemen meist nicht mehr als 1,5 Liter am Tag trinken sollten", so Dr. Fraunberger. Für sie gilt bei extremen Temperaturen, mit ihrem Arzt Wege zu finden, mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Aber auch gesunde Menschen dürfen den Flüssigkeitsverlust nicht unterschätzen: Durch das vermehrte Atmen scheidet der Körper bis zu 500 Milliliter Feuchtigkeit in der Stunde allein durch den Mund aus.

"Wir haben Messungen über eine Stunde Sport bei 30 bis 40 Grad Ausdauersport gemacht: Die Sportler haben drei Liter Flüssigkeit verloren", sagt Dr. Frauenberger. Er empfiehlt, sich mehrfach zu wiegen, um zu wissen, wie viel Flüssigkeit man wieder zuführen muss.

Allerdings dann nicht einfach nur Leitungswasser: Entscheidend ist der Natriumgehalt des Wassers. Handelsübliches Mineralwasser besitzt 30 bis 40 Milligramm, "Sportler benötigen jetzt bis zu 800 Milligramm". Also: Eine Messerspitze Salz in die Apfelschorle, so Dr. Fraunberger, und dem Sport steht nichts im Wege: "Solange die Bewegung in Maßen stattfindet, man ausreichend trinkt, eine Kopfbedeckung trägt und man sein Fitnesslevel beachtet, ist nichts dagegen einzuwenden."

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