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Handwerker aus Erlangen stellt hochwertige Handschuhe her

Jürgen Pfeiffer ist einer der Letzten seiner Zunft : 90 Arbeitsgänge notwendig - 16.08.2018 16:00 Uhr

Jürgen und Anette Pfeiffer am Schneidetisch für die immer noch handgemachten Handschuhe. Jürgen Pfeiffer gehört zu den letzten Handschuhmachern. © Udo B. Greiner


Durch die Ansiedlung hugenottischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich hat Erlangen manch wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Die Zunft der Handschuhmacher, im Jahr 1686 durch Jacques Colliveaux und Daniel Hugot aus Vitry-le-Francois/Champagne in Erlangen heimisch geworden, erlebte im 18. und 19. Jahrhundert ihre Blütezeit.

Aufzeichnungen dokumentieren, dass um 1774 über 120 000 Paar in acht Werkstätten hergestellt und über Süddeutschland hinaus bis nach Russland und in die USA vertrieben worden sind. Um 1870 gab es 31 Betriebe mit 69 Gesellen und 52 Lehrlingen.

Heute hält nur noch Jürgen Pfeiffer (76) als einer der letzten seines Fachs in Deutschland die Tradition hoch – und fertigt im ersten Stock eines Sandsteinhauses in der Erlanger Altstadt statt sechsstelliger Produktionszahlen gerade noch ein paar Dutzend Exemplare nach Maß, meist ungewöhnliche Größen oder für orthopädische Zwecke. Eine treue Mitarbeiterin ist ihm dabei Heidi Haas, die seit 62 Jahren die Handschuhe zusammennäht.

Noch 1951 waren in dem 1876 gegründeten Familienbetrieb 60 Leute beschäftigt gewesen, darunter 13 Handschuhmacher, die etwa tausend Paar in der Woche schnitten. Jürgen Pfeiffer selbst begann 1954 als Lehrling ("Ich habe diesen Beruf schon als Bub gewollt"), zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod seines Vaters durch einen Verkehrsunfall. Neun Jahre später legte er die Meisterprüfung ab.

Er leitete neben dem Hauptsitz in der Erlanger Hauptstraße 52 weitere Filialen in Erlangen, Nürnberg, Fürth, Konstanz und Regensburg, zusätzlich um Damenoberbekleidung erweitert. Diese Niederlassungen mit den jeweils relativ kleinen Verkaufsflächen waren jedoch dem zunehmenden Wettbewerb nicht mehr gewachsen und mussten in den 1970er und 1980er Jahren geschlossen werden.

Heute wird das Geld im gut sortierten Lederwarengeschäft in Erlangen ("Pfeiffer Leder & Mode") mit Schwiegertochter Anette als Pächterin und Chefin verdient. Handtaschen und Rucksäcke, Mäntel und Regenschirme, Geldbörsen, Gürtel, Schmuck und andere Accessoires sorgen dafür, dass der Familienbetrieb überlebt, ja optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Jürgen Pfeiffer, letzter Obermeister seiner Innung, hat Höhen und Tiefen seines Gewerbes aus Aufzeichnungen erfahren oder selbst hautnah miterlebt. Zu Spitzenzeiten benannte man damals Glacé-Handschuhe – heute noch beim Wiener Opernball gefragt – nach der Stadt, aus der sie kamen: Erlangen.

Die Massenproduktion zunächst aus Süditalien und Rumänien, heute aus Ungarn und vor allem Asien, hat die Maßhandarbeit verdrängt. Denn es sind etwa 90 verschiedene Arbeitsgänge – die sich in den Jahrhunderten nicht verändert haben – notwendig, um ein Paar Handschuhe zu fertigen und in Form zu bringen.

Das Leder muss makellos sein, stammt etwa vom Haarschaf (Anette Pfeiffer: "Das beste Handschuhleder, das es gibt"), neuseeländischem Curlylamm oder von südamerikanischen Peccary-Wildschweinen und wird über englische Großhändler bezogen.

Pfeiffer wickelt das Leder in ein nasses Tuch, kontrolliert es auf Narben und "allongiert" es, er zieht es immer wieder über die Tischkante, bis es sich nicht mehr in die Länge ziehen lässt. Nur so ist gesichert, dass sich das Leder später nicht mehr ausdehnt. Mit Hilfe einer Schablone werden die Rohlinge ausgeschnitten oder mit einer Handhebelpresse ausgestanzt. Die Näherin setzt die Einzelteile zusammen. Pfeiffer: "Jeder Stich muss sitzen, denn im Leder sieht man jedes Nadelloch." Zum Schluss wird der Handschuh über eine erhitzte Metallform gezogen, damit er glatt wird. 

UDO B. GREINER

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