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Herrmann in Erlangen: Viel Lob für die Helfer in der Uniklinik

Innenminister hat das Klinikum besucht - derzeit sechs Corona-Patienten im Haus - 26.03.2020 17:20 Uhr

Innenminister Herrmann hat die Erlanger Uniklinik besucht. © Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen


Die Tage der Pressekonferenzen sind vorbei, am Donnerstag verschaffte sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Universitätsklinikum seiner Heimatstadt Erlangen noch einen Überblick über die Aufnahmekapazitäten für den erwarteten Anstieg von Corona-Patienten. Auch Journalisten und Kamerateams waren zu dem Rundgang über eine weitere zusätzlich geschaffene Intensivstation – noch einmal – zugelassen, danach wird es bis auf weiteres keine Medientermine geben. "Die Ärzte und alle Mitarbeiter müssen sich jetzt auf ihre Arbeit konzentrieren", erläuterte Kliniksprecher Johannes Eissing.

Ab sofort dreht sich bei den Beschäftigte des Krankenhauses fast alles um die Pandemie, Zeit für anderes bleibt da wenig, die Lage ist ernst. Derzeit behandelt die Uniklinik sechs am Coronavirus erkrankte Menschen, fünf sind auf einer Isolierstation, einer in einem Intensivbett. Ist die Erlanger Universitätsklinik im Ernstfall für weitere Patienten ausreichend gewappnet? "Wir selber denken, dass wir sehr gut gerüstet sind, wir haben unsere Intensivkapazität deutlich erhöht", sagte denn auch der Ärztliche Direktor, Prof. Heinrich Iro, im Gespräch mit dieser Redaktion.

Das bedeute, dass nun im Fall der Fälle mehr Patienten beatmet werden könnten als es noch vor zwei Wochen möglich gewesen wäre. Auch die Logistik sei "gut aufgebaut", meinte der Klinik-Leiter weiter. Damit stehen mit 40 neuen Intensivbetten nun insgesamt 140 zur Verfügung, in der "Endstufe", so Iro, könnten maximal rund 200 Covid-19-Patienten in verschiedenen Intensiveinheiten versorgt und beatmet werden. Dafür würden allerdings noch 30 Beatmungsgeräte gebraucht, die zwar bestellt, aber noch nicht geliefert worden seien: "Dann haben wir das absolute Maximum, was wir in Erlangen innerhalb der nächsten drei Wochen schaffen können", sagte Iro.


Prognose für Corona-Krise: Bald werden Intensivbetten fehlen


Schon seit mehreren Tagen verlagert das Universitätsklinikum Personal aus anderen Bereichen auf Intensivstationen. Dazu, so erläuterte Iro im EN-Gespräch weiter, hat das Haus sogar Stationen geschlossen. Ende der Woche soll die "Umschichtung", wie Iro die Verlagerung von Personal und Ressourcen nennt, abgeschlossen sein. Dann haben 45 Prozent der Stationen den Betrieb eingestellt, um auf den „wichtigen intensivmedizinischen Einheiten“ genügend Personal zu haben.

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Zum momentanen Zeitpunkt könne allerdings niemand sagen, wie sich die Situation in Erlangen entwickeln werde. Noch hoffen der Klinik-Leiter und seine Mitarbeiter, dass die von der Bayerischen Staatsregierung ergriffenen Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen Wirkung zeigen, und sich die Lage hierzulande nicht derart dramatisch entwickelt wie etwa in den Nachbarländern Italien und Spanien.

"Wir hoffen, dass die Anzahl der Neuerkrankungen pro Tag jetzt deutlich sinken wird, damit wir möglichst weniger Patienten in unseren intensivmedizinischen Einheiten behandeln müssen." Um den besonders betroffenen Staaten zu helfen, hat sich auch die Uniklinik bereit erklärt, italienische Corona-Patienten aufzunehmen.

Neben bereits vorhandenen Mitarbeitern, die nun vorübergehend quasi versetzt werden, gibt es auch zahlreiche Freiwillige, die helfen wollen – zum Beispiel junge Medizinstudenten. Eine von ihnen ist Lisa Marie Wawretschka. Für die 24-Jährige, die im sechsten Semester Humanmedizin studiert, war nach einem Aufruf der Uniklinik klar, dass sie sich für einen Dienst meldet. "Das ist hier ein sehr sinnvoller Zeiteinsatz, ich kann Menschen helfen und lerne noch viel dabei", erzählte sie den EN.

Sie werde sehr gut in ihre Aufgaben eingewiesen und habe vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronoavirus keine Angst: "Ich glaube, wir sind hier alle sehr gut geschützt und werden auch sehr gut in Schutzmaßnahmen eingewiesen." Ihr Einsatz kommt bei Kommilitonen und Freunden gut an: "Viele sind genauso eingestellt und wollen auch einen Beitrag leisten", so die junge Frau. So arbeiteten einige Studierenden im Rettungsdienst: "Wir ziehen alle an einem Strang."

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Viel Lob für den Einsatz der angehenden Mediziner gab es von Minister Herrmann persönlich. Das Problem, erläuterte er vor den (Nachwuchs-)Medizinern, seien in Deutschland weniger mangelnde Atemmasken und Beatmungsbetten als vielmehr fehlendes qualifiziertes medizinisches und pflegerisches Personal. Zumal aus dem "Kassenärztlichen Bereich" schon einige Mediziner aus Angst vor möglicher Ansteckung ihre Praxis dicht gemacht hätten. "Was Sie leisten, ist deshalb ein starkes Zeichen der Hilfe und Solidarität", sagte Herrmann mit Blick auf jene Mediziner und Pflegekräfte, die in Zeiten der Coronakrise an ihrem Arbeitsplatz bleiben – oder extra dazu kommen.

Doch schlagen sich solche warmen Worte auch irgendwann in eine finanzielle und soziale Aufwertung der Pflegeberufe um? "Wir müssen uns nach der Krise intensiv damit beschäftigen, wie wir das generell in Deutschland hinkriegen, dass wir mehr Menschen für die Pflegeberufe gewinnen", betonte er im EN-Gespräch. Jetzt müsse man zunächst die akute Krise bewältigen. Daher sei es gut, dass sich auf den Aufruf von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) an nicht aktive Pflegekräfte, doch vorübergehend in ihren alten Beruf zurückzukehren innerhalb eines Tages bereits 1000 Frauen und Männer in Bayern gemeldet haben. "Das ist einfach großartig", sagte Herrmann.

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