Mittwoch, 01.04.2020

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Hilfe aus Kalchreuth: Der Traum von festen Wänden

"Von Herz zu Herz" engagiert sich für die ärmsten Menschen auf den Philippinen - 21.12.2019 18:00 Uhr

Der Taifun „Kammuri“, der Anfang Dezember über den Philippinen wütete, trieb eine halbe Million Menschen aus ihren Hütten. Er hinterließ Tote und verheerende Verwüstungen. Die schlichten Hütten der Menschen sind eine „leichte Beute“ für solche Wirbelstürme. © Razvale Sayat


Es ist nicht die Zeit für Helden. Dennoch gibt es sie. Judo ist einer davon. Der junge Mann fand eines Tages die kleine Princess Parungao gleichsam am Wegesrand – gänzlich verlassen von der Welt. Der Vater des Mädchens war kurz nach ihrer Geburt gestorben. Die Mutter kümmerte sich nicht weiter um die Kleine, machte sich auf nach Manila, um in der fernen Millionen-Metropole ihr Glück als Maid zu suchen. Ihr Baby ließ sie einfach zurück. Tief gerührt nahm sich Judo der kleinen Princess an, baute für das Mädchen und sich ein "Schlösschen" aus alten Bambusstäben. Mitten im Wald. Ohne Wasser, ohne Strom, ohne Toilette. Schließlich adoptierte Judo das Mädchen und kümmert sich seither rührend um sie. Heute ist Princess Parungao neun Jahre alt und darf sich über unverhoffte Hilfe freuen. Denn sie und Judo gehören seit Oktober 2019 zu jenen Ärmsten der Armen, denen Bärbel Rahideh mit ihrem Verein "Von Herz zu Herz e.V." im nie enden wollenden Kampf gegen Hunger und bitterste Armut zur Seite steht. Seit über 15 Jahren hilft die Kalchreutherin den Menschen dort, dem unsäglichen Elend zu entfliehen und ihnen ein menschenwürdiges Zuhause zu schaffen.

Baufällige Hütte

Was man dort Zuhause nennt, ist meist nur ein kleiner, jämmerlicher Verhau aus Abfallholz mit einem Fetzen Plastikfolie als Dach darüber. Windschief und baufällig. Geschlafen wird auf dem Boden. Eine leichte Beute für einen Taifun. Die Philippinen werden jährlich von rund 20 verheerenden Taifunen und Stürmen heimgesucht. Dächer wirbeln durch die Luft, Bäume entwurzeln, Wassermassen strömen durch die Hütten und reißen alles mit sich, überall Erdrutsche und Stromausfälle. Alljährlich kommen dabei Hunderte Menschen ums Leben. Der bislang schwerste Taifun "Haiyan" ereignete sich 2013. Knapp 7400 Menschen kamen seinerzeit ums Leben oder gelten seither als vermisst.

Anfang Dezember 2019 wütete "Kammuri". Eine halbe Million Menschen mussten aus ihren kargen Hütten und Häusern flüchten, bislang 17 Tote. Der tropische Wirbelsturm verschonte auch nicht die Provinz Albay und die Inseln Samar und Leyte. Genau dort ist Bärbel Rahidehs Wirkungsstätte. Viele Menschen dort haben keine Hoffnung. Davon aber ganz viel. Auch das treibt den Herz-Verein an, nicht aufzustecken, weiterhin Häuser zu bauen und den Ärmsten ein richtiges Dach überm Kopf zu verschaffen. Und Judo soll der Nächste sein. Inzwischen wird er "Mapa" genannt", aus Mama und Papa kreiert. Denn für das kleine Mädchen ist er beides. Täglich bringt er Princess zur Schule, kocht, schleppt das nötige Wasser über steile Berge durch die Gluthitze nach Hause, hilft auf der kleinen Farm, die Bärbel Rahideh in den letzten Jahren nach und nach mit den Spendengeldern auf Samar aufgebaut hat und so einige Arbeitsplätze als "Hilfe zur Selbsthilfe" einrichten konnte.

Ein "Weihnachtsgeschenk"

Nur zwei kleine Schlafnischen, sonst nichts. In Mapas "Bambusschlösschen" gibt es keine Matratze, kein Kissen, kein richtiges Bett. Dafür jede Menge Moskitos und Schlangen, die nachts durch die Ritzen kriechen. "Mapa" träumt von einem Häuschen mit Strom und Toilette. Und das soll er nun bekommen. "Es hat sich plötzlich ein fertiges Haus im 1000-Seelen-Dorf Lucerdoni zum Kauf angeboten durch den Wegzug der Besitzer, nur einige Dinge sind noch zu renovieren", schildert Bärbel Rahideh. Natürlich kein Haus nach westlichen Vorstellungen. Eher ein Häuschen, das alles in allem bescheidene 30 Quadratmeter umfasst, aber ein unschätzbarer Reichtum für Mapa und Princess wäre. Zur Finanzierung braucht’s etwa 6000 Euro. Das "Weihnachtsgeschenk ihres Lebens" soll es werden.

Das Elend zeigt fast überall das gleiche Gesicht. Ein möglicher Weg aus dieser schier ausweglosen Misere führt über einen Schulabschluss. Für "Schulbildung" zu sorgen, ist deshalb ein weiterer Schwerpunkt des Herz-Vereins. "Fehlende oder abgebrochene Schulbildung ist mein ganz besonderes Anliegen auf Samar", sagt Bärbel Rahideh. Denn nur durch eine abgeschlossene Schulausbildung bestehe die Möglichkeit, dass sich "das Leben unserer Ärmsten ändern kann". Deshalb liegen ihr die Patenschaften besonders am Herzen. Weit über 80 Patenkinder hat der Verein in seiner Obhut. Drei weitere sind in diesem Jahr dazu gekommen. "25 Patenkinder können nun in Lucerdoni mit der Hilfe großherziger Unterstützer aus Deutschland regelmäßig die Schulen oder sogar das College besuchen", freut sich die Kalchreutherin. Mit 40 Euro im Monat, besser noch 50 Euro, wäre dieses hierzulande kaum nachvollziehbare Glück zu finanzieren. Der Herz-Verein sucht nach wie vor Menschen, die mindestens für ein Jahr eine solche Patenschaft übernehmen.

Eine Handvoll Reis

Der Hunger ist allgegenwärtig. Hunger ist Alltag. Falls es überhaupt Essbares gibt, dann nur vom Billigsten in kleinen Portionen – eine Handvoll Reis mit ein paar kleinen, sehr salzigen Fischen. "Aufgrund von Mangel- und Unterernährung unserer Patenkinder haben wir uns Ende 2018 zur zusätzlichen Reisabgabe von fünf Kilogramm an die Familien unserer Patenkinder entschlossen", so Rahideh. Wenigstens zwei Mahlzeiten am Tag mit Reis mitsamt dem billigsten getrockneten Fisch müssen drin sein. Doch wie nahezu alles auf den Philippinen teurer geworden ist, sind auch die Reis-Preise ums Doppelte gestiegen. Für ein Kilogramm musste man 2018 bereits einen Euro hinlegen – und das ist eine horrende Summe für extrem arme Menschen.

Das Häuschen für "Mapa" und der kleinen Princess Parungao ist das insgesamt 69. Hausprojekt des Kalchreuther Vereins, und das dritte in diesem Jahr. Und es soll nicht das letzte gewesen sein. Denn die Not hat kein Ende, bleibt kaum beschreiblich.

Aber nur wenigen kann die Bärbel Rahideh helfen. Das möchte sie mit ihrem Verein auch weiterhin tun und den unendlich dankbaren Menschen mit der finanziellen Hilfe aus Erlangen, aus dem Umland, aus Deutschland zu einem würdigeren und lebenswerteren Dasein verhelfen.

InfoInfos bei Bärbel Rahideh, Mail: brahideh@web.de / Spendenkonto: Von Herz zu Herz e.V., Sparkasse Erlangen,

IBAN: DE58 7635 0000 0020 0030 70.

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