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Hilfskräfte der Universität Erlangen warten auf Gehalt

Die Uni hat wegen Corona-Krise nicht alle Verträge gemeldet - 17.05.2020 06:00 Uhr

Studentische Hilfskräfte warten in Erlangen immer noch auf ihr Gehalt. © Michael Reichel dpa


Durch die Pandemie hätten die für die Bearbeitung zuständigen Mitarbeiter nicht gleichzeitig im Büro sein können. Das alles habe dazu geführt, dass einige der Verträge nicht rechtzeitig an das Landesamt für Finanzen übermittelt und dort nicht mehr in den "aktuellen Zahlungsverlauf" eingestellt werden konnten.

Alles rund um die FAU

Die Behörde des Freistaats ist für die Ausbezahlung der Gehälter aller Uni-Angestellten und Studentischen Hilfskräfte zuständig. Die Hochschulgruppe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die GEW Studis, ist über das Versäumnis entsetzt: Die Verzögerungen seien den Betroffenen vorab noch nicht einmal mitgeteilt worden.

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Die Studentenbewegung in Erlangen

Die Proteste der Studierenden Ende der 1960er Jahre, welche die gesamte deutsche Hochschullandschaft erfassten, wandten sich in Erlangen zunächst gegen rein universitäre Probleme wie etwa schlechte Studienbedingungen. Ab 1969 radikalisierten sie sich in Richtung einer allgemeinen politischen Systemopposition.


Vielmehr sei es reiner Zufall gewesen, dass das Versäumnis der Universitätsverwaltung ans Tageslicht gekommen sei: Ein Mitglied aus ihrer Initiative habe beiläufig erwähnt, dass ihm die FAU das Gehalt noch nicht überwiesen habe, berichtet Eva-Maria Huber, die Sprecherin der GEW Studis. Danach begannen die in der Gewerkschaft aktiven Studierenden sich unter studentischen Hilfskräften (SHK) umzuhören.

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Für die FAU: Der Freistaat übernimmt den Himbeerpalast in Erlangen

Eines der markantesten Bauwerke in Erlangen hat den Besitzer gewechselt: Im Zuge eines Festaktes hat der Freistaat den sogenannten Himbeerpalast übernommen. Symbolisch übergibt Marion Kiechle, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst von Bayern, den Schlüssel an Joachim Hornegger, den Präsidenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In dem ehemaligen Siemens-Hauptverwaltungsgebäude soll nämlich das Geisteswissenschaftliche Zentrum und der Fachbereich Theologie der FAU untergebracht werden.


Das Ergebnis ihrer (nicht repräsentativen) Umfrage im eigenen Umfeld: Hilfskräfte an mehreren Lehrstühlen haben kein Geld überwiesen bekommen, unabhängig davon, für wie viele Stunden der Vertrag gilt oder wann er in Kraft getreten ist (ob zu Semesterstart am 1. April oder mit Beginn der Vorlesungszeit am 20. April). "Wir können keine Systematik erkennen, wen es bei den Nichtüberweisungen getroffen hat und wen nicht", sagt Huber.

Auch die Uni kann "im Moment" nicht genau beziffern, wie viele Hilfskräfte unter der Überweisungspanne leiden, geht aber von einem "niedrigen einstelligen Prozentanteil" gemessen an der Zahl der Gesamtverträge aus (rund 2000 Hilfskraftverträge, etwa 850 Lehraufträge).

 

Warten auf "ein paar Hundert Euro"

 

Sicher ist: Etliche Studierende müssen noch auf ihr April-Gehalt warten. In der 21. Kalenderwoche, so teilt die Uni-Pressestelle auf Anfrage mit, wird das Geld überwiesen.

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Dozenten, Studiengänge und Kurioses: Die FAU in Zahlen

Mit knapp 40.000 Studierenden ist die Friedrich-Alexander-Universität eine der größten Universitäten Deutschlands. Innerhalb von nur zehn Jahren ist die Uni um über 50 Prozent gewachsen und bietet heute über 260 Studiengänge an. Doch wann wurde die FAU eigentlich gegründet, wie viele Essen gehen täglich über die Mensatische und wann studierte die erste Frau? Hier kommen alle Antworten.


Oft haben die Studentischen Hilfskräfte Sechs-Stunden-Verträge, für die sie ohne Sozialversicherung 243,93 Euro erhalten.

"Die meisten warten auf ein paar Hundert Euro", sagt Eva-Maria Huber. Die 23-Jährige, die an der Philosophischen Fakultät studiert und einer Hilfstätigkeit an der Technischen Fakultät nachgeht, hatte ihr Uni-Gehalt pünktlich Ende April auf dem Konto; sie hat noch einen anderen Job, hätte also im Notfall noch einen Puffer gehabt.

Das sei nicht bei allen so. "Es gibt natürlich Studierende, bei denen die Verzögerung durchaus existenzbedrohend sein kann", sagt Huber. "Den Vermieter interessiert nicht, warum die Miete nicht überwiesen wurde." Bei anderen sei die Abhängigkeit vom Uni-Gehalt zwar nicht so gravierend, aber selbst dann sei es ungünstig, wenn man mit einem gewissen Betrag gerechnet hatte.

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Willkommen im Studentenleben: Die FAU begrüßt ihre Erstsemester!

Die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) ist und bleibt beliebt: 37.278 Studenten sind zum Wintersemester 2019/20 eingeschrieben. 5289 beginnen mit ihrem Studium, fast 4000 kamen am Montag zur Erstsemesterbegrüßung in die Erlanger Heinrich-Lades-Halle. Nach einer Begrüßung von Uni-Präsident Prof. Joachim Hornegger, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly und dem Beauftragten für Wissenschaft und Forschungsentwicklung der Stadt Fürth, Thomas Dreykorn, gab es für die "Erstis" wieder kostenlos die beliebten blauen FAU-Taschen sowie viel Info-Material rund um das Studium.


Groteskerweise erweist sich jetzt das, was die GEW und ihre Hochschulgruppe seit langem kritisieren, als eine Art Vorteil: die ihrer Meinung nach zu niedrigen Gehälter für studentische Hilfskräfte. "Von dem Geld kann ohnehin niemand leben", sagt Huber, "wir leisten in Bibliotheken oder als Tutoren qualifizierte Arbeit und bekommen gerade einmal den Mindestlohn, wenn ich einem Viertklässler Nachhilfeunterricht gebe, bekomme ich locker 15 Euro."

Dass die FAU darüber hinaus ihre eigenen Mitarbeiter unter dem Motto "#FAU4FAU" zum Spenden für in Not geratene Studierende aufruft, stößt Eva-Maria Huber und ihre Mitstreiter besonders sauer auf: "Statt hübscher Hashtag-Aktionen wäre uns eine politische Lösung lieber, etwa eine bessere Bezahlung für die durchaus systemrelevante Arbeit der SHKs , wenn ich keinen Tutor gehabt hätte, wäre ich womöglich durch die ein oder andere Prüfung gefallen." Eine Anhebung des SHK-Gehalts auf mindestens 13 Euro sei überfällig.

Apropos Anhebung: Die jungen GEW-Vertreter wollen auf keinen Fall den FAU-Beschäftigten in der Verwaltung die Schuld an der Misere geben. Vielmehr sollten in diesen Einkommensgruppen Mitarbeiter höhergestuft und personell aufgestockt werden: "Es fehlt hinten und vorne – und das merkt man dann an solchen Sachen."

Die Uni verweist auf den gültigen Satz der Tarifgemeinschaft der Länder, an dem sich das Gehalt der Hilfskräfte orientiert. Eine weitere Anhebung des Gehalts sei nur bei verringertem Stundenvolumen oder durch die Einstellung von insgesamt weniger studentischen Hilfskräften möglich, heißt es aus der Pressestelle.

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