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Hochmüt(h)ig: Rolf Hochhuth kommt nicht nach Erlangen

EN-Redakteur Stefan Mößler-Rademacher über die Absage des renommierten Schriftstellers - 16.02.2019 18:00 Uhr

Wird nun doch nicht nach Erlangen kommen: Dramatiker Rolf Hochhuth. © Britta Pedersen


"Bereits 2005 war Rolf Hochhuth nach Erlangen gekommen, bevor er es mit Aplomb wieder verlassen hat. Jetzt hat er Erlangen mit Aplomb verlassen, bevor er überhaupt gekommen ist." Die Verärgerung über die Absage des renommierten Schriftstellers ("Der Stellvertreter") sitzt tief bei den Verantwortlichen der Goethe-Gesellschaft Erlangen. Dies geht aus einem Brief des 1. Vorstands Theo Elm an die Mitglieder hervor.

Zur Erinnerung: Eigentlich sollte Hochhuth am 27. Februar für eine Lesung und ein Gespräch in Erlangen weilen. Bei der Einladung im vergangenen Jahr habe sich Hochhuth laut Elm darüber noch erfreut gezeigt ("ist mir eine große Freude") und auch keinerlei Einwände gegen den Volkshochschulsaal mit rund 100 Sitzplätzen gehabt. Doch genau dieser Veranstaltungsort wurde im Januar zum Problem. "Am 22. Januar teilte mir Herr Hochhuth aus heiterem Himmel mit, dass er, so sein Wortlaut, wegen 100 Leuten nicht nach Erlangen kommen werde. Ich möge ihm einen größeren Raum verschaffen."

Wunderbar sanierter Raum

Die Goethe-Gesellschaft organisierte daraufhin den Katharinensaal (220 Sitzplätze) im "Kreuz + Quer" am Bohlenplatz. Bekanntlich ein wunderbar sanierter Raum in einem ehemaligen, längst säkularisierten Kirchengebäude. Die Antwort Hochhuts: "Nein, ich will nicht in einer Kirche lesen (...)! Dergleichen ist mir noch niemals geboten worden! Wenn Sie keinen Raum in der Universität für eine Hochhuth-Lesung finden — dann erspare ich eben Erlangen meinen Besuch."

Zornige Rede

Bereits 2005 sorgte Hochhuth für einen kleinen Eklat: Hochhuth hatte eine zornige Rede über die Bedeutung von Schillers "Wilhelm Tell" für die heutige Zeit gehalten. Hochhuth wetterte damals gegen die Deutsche Bank, gegen die Medien, gegen die "Diktatur der Banken und der Großkonzerne", gegen die "Enteignung der Ossis nach der Wende durch das Kohl-System", gegen die Politik und den "Raubtierkapitalismus". Gleich zu Beginn der anschließenden Diskussion sprang er wütend vom Gesprächstisch auf, weigerte sich, auf den deutlichen Widerspruch des Germanistik-Professors Peter Horst Neumann einzugehen und verließ das Markgrafentheater.

Anderer Vortrag

Übrigens: Als Ersatz für Hochhuth präsentiert die Goethe-Gesellschaft nun am 27. Februar ab 19.30 Uhr im VHS-Saal einen Vortrag von Rudolf Höcker unter dem Motto "Hier ist’s jetzt unendlich schön. . ." Darin geht es nicht um Erlangen, sondern um das "Gartenreich Dessau-Wörlitz".

Stefan Mößler-Rademacher Redaktion Erlanger Nachrichten, Leiter der Kulturredaktion E-Mail

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